Ausstellung im KZ Flossenbürg
Aus Alpträumen auf die Leinwand

In den Bildern verarbeitete der ehemalige KZ-Häftling Karl Stojka seine Erinnerungen erst Jahre später. Eine Ausstellung in der Regensburger Minoritenkirche widmet sich nun Stojka und anderen Künstlern in Flossenbürg und seinen Außenlagern. Bild: Repro Wolke
Kultur
Regensburg
06.05.2016
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Der Ort für die Ausstellung ist treffend gewählt. Grabmäler und Epitaphien flankieren den Weg zur Sonderschau in der Regensburger Minoritenkirche. Das barocke "Memento mori" mündet dann allerdings in eine Situation, in der der Tod noch nicht an der Reihe gewesen wäre.

"Erinnerung - in memorian Karl Stojka" lautet der Titel der Ausstellung. Das Gemälde am Eingang zu der abgeschirmten Präsentation gleicht einem unschönen Willkommensgruß. "Konzentrationslager Flossenbürg" ist hier auf blutroten Hintergrund geschmiert. Die Ausstellung erinnert nicht nur an den Maler des Bildes Karl Stojka, sondern auch an andere Künstler im Konzentrationslager Flossenbürg und Außenlagern.

Neben der stillen Trauer der benachbarten Grabmäler und der schreienden Anklage, die dem Betrachter auf den grellbunten Bildern Karl Sojkas entgegen springt, beinhaltet die Ausstellung noch eine Reihe stillerer Werke.

Kontraste


Gefangene des Konzentrationslagers kommentierten ihre Situation mitunter durch feine Karikaturen. Die Holzpantine eines Gefangenen sieht sich hier etwa dem zu einem aufgerissenen Maul mutierten Soldatenstiefel eines Aufsehers gegenüber. Aber auch Glückwunschkarten wurden im KZ angefertigt. Die zarten Blumen dieser Bilder stehen für einen verzweifelten Lebenswillen, auch in der schlimmsten Situation.

Die völlig unterschiedlichen Werke, die momentan in der Minoritenkirche gezeigt werden, ergeben sich aus der Zweiteilung der Ausstellung. Einerseits ist die Schau die Dokumentation eines vorsichtigen, weil gefährlichen künstlerischen Schaffens in der Hölle der einstigen Konzentrationslager.

Unterdrückte Gefühle


Andererseits sind da die Bilder Karl Stojkas. Sie verarbeiten das Erlebte rückblickend. Die meisten der Werke entstanden in den 1980er Jahren. Von den Gräueln und der Unterdrückung längst befreit, zumindest oberflächlich, konnte sich der Maler hier eine Verurteilung des Geschehenen leisten, die den Gefangenen seinerzeit völlig unmöglich war.

Durch unnatürliche Farben, böse Fratzen und aufs Bild gekritzelte Kommentare schreit der Künstler Jahrzehnte später seine Wut und Verzweiflung in die Welt hinaus. Stojkas Bilder sind auf das Drängen von Freunden hin entstanden. Er selbst hatte sich lange dagegen gewehrt, "die schrecklichen Bilder wieder aus meinem Inneren vorzubringen, herauszuholen aus meinen Alpträumen auf die Leinwand".

Marsch des Grauens


Den Alptraum hat Karl Stojka als junger Mann in voller Breite erlebt. Als viertes Kind einer Romafamilie trieben ihn die Nazis durch Auschwitz, Flossenbürg und schließlich auf dem Todesmarsch in Richtung Regensburg und Dachau. Nach seiner Befreiung durch amerikanische Truppen hielt sich Stojka noch einige Zeit in der Oberpfalz auf und kehrte schließlich in seine Heimatstadt Wien zurück. Erst Jahrzehnte später schuf er dort seine Bilder, die für den Alptraum einer ganzen Generation stehen. "Nie wieder Faschismus. Nie wieder Krieg", hat ein Besucher ins Gästebuch der Ausstellung geschrieben. Einige Zeilen weiter unten ist zu lesen: "Aber leider werden die Menschen nicht schlau!!"

Service"Erinnerung - in memoriam Karl Stojka - Künstler im KZ Flossenbürg und Außenlagern" ist bis Sonntag, 22. Mai, in der Minoritenkirche Regensburg zu sehen. Öffnungszeiten sind Dienstag bis Sonntag, von 10 bis 16 Uhr. Infos gibt es unter Telefon 0941/507-2448, oder unter www.regensburg.de/Kultur/Museen.
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