Ausstellung in der Regensburger Dominikanerkirche zeigt das Kreuz durch die Linse von Stefan ...
Mächtiges Symbol und mystisches Zeichen

Die Skulpturen aus der Arbeit "Maikäfer flieg..." von Ernst Hingerl ergänzen die Fotografien Stefan Winkelhöfers, die hier im Hintergrund zu sehen sind. Bilder: Wolke (2)
Kultur
Regensburg
16.08.2012
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Das Kreuz ist allgegenwärtig. So scheint es jedenfalls auf den Fotos von Stefan Winkelhöfer. Am Wegesrand, an Autorückspiegeln, auf tätowierten Armen: Die Orte, an denen der in Bernhardswald lebende Künstler das Symbol christlichen Glaubens entdeckt hat, sind teils ungewöhnlich.

Ebenso wie die Arbeiten des Fotografen selbst. Stefan Winkelhöfer hat dem Leidensymbol Christi eine groß angelegte Serie gewidmet. Dabei zeigt er das Kreuz aus Blickwinkeln, die mitunter deutlich abweichen von der traditionellen christlichen Ikonographie. "Via Crucis - Augenblicke zwischen Licht und Dunkel": Unter diesem Titel sind die Bilder derzeit in einer Ausstellung in der Regensburger Dominikanerkirche St. Blasius zu sehen.

Mahnmal und Massenware

Still, schnörkellos und dennoch kraftvoll wirken die Fotografien Stefan Winkelhöfers. Da ist die fast schon grafische Ansicht eines schlichten Kreuzes unter einem Baum. Daneben das Kruzifix, das sich im Auge einer Frau spiegelt. Das Kreuz als Mahnmal, betrachtet durch die beschlagene Scheibe eines Autos. Das Kreuz als Massenware in einem Devotionalienladen, das Kreuz als ausrangierter Dachbodenfund auf dem Trödelmarkt.
"Ich bin auf Spurensuche gegangen", sagt Stefan Winkelhöfer. Ausschlaggebend für ihn waren die Flurkreuze in seiner ländlichen Heimat - "die haben mich fasziniert". Einmal bewusst auf das Glaubenssymbol aufmerksam geworden, stieß der Fotograf alsbald auf eine ganze Flut von Kreuzen.

Unter anderem auch bei seinem Künstlerkollegen Ernst Hingerl. Der aus Österreich stammende Bildhauer ist der Co-Star der Ausstellung in der Dominikanerkirche. Modelltischler, Matrose und Kücheneinbauer ist der 62-Jährige bereits gewesen. Ein schwerer Motorradunfall markierte einen Schnittpunkt in seinem Leben. "So wie früher ging es von da an nicht weiter", beschreibt er es selbst. Ernst Hingerl wurde Bildhauer.

Das Kreuz nimmt auch bei ihm eine zentrale Rolle ein, wenn auch nicht die einzige. Holz, Steine, Fundstücke: Unter der Hand von Ernst Hingerl und seiner Kettensäge verwandelt sich Alltägliches in beeindruckende Kunstwerke von archaischer Einfachheit und Größe.

Zufälliges und Inszeniertes


Ein ebenso schlichtes wie monumentales Kreuz von Hingerl wurde zum übergreifenden Objekt zwischen ihm und dem eine Generation jüngeren Stefan Winkelhöfer.

Anders als bei den Zufallsfunden, die der Fotograf in seinen Bildern dokumentiert hat, gibt es in dessen Serie nämlich auch Arbeiten, die durch und durch komponiert sind: Für die Bildfolge "Vier Jahreszeiten" schleppten Winkelhöfer und Hingerl ein großes Kreuz über ein Kornfeld. "Von der Aussaat bis zur Ernte haben wir alles mit dem Kreuz nachgestellt", erklärt Winkelhöfer.

In der Ausstellung in der Regensburger Dominikanerkirche werden die Fotografien Stefan Winkelhöfers durch Skulpturen Ernst Hingerls ergänzt. Die gemarterten Soldatenköpfe aus Hingerls Arbeit "Maikäfer flieg..." etwa korrespondieren mit Winkelhöfers Abbildung eines Kriegsgräberfeldes. Ein überdimensionierter Rosenkranz aus Holz schlängelt sich zwischen den Darstellungen des modernen Kreuzweges. Das Kreuz ist allgegenwärtig, vor allem hier.

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Die Ausstellung "Via Crucis - Augenblicke zwischen Licht und Dunkel" ist bis zum 9. September in der Dominikanerkirche St, Blasius, Albertus-Magnus-Platz 1 in Regensburg, zu sehen. Öffnungszeiten sind freitags, samstags, sonntags und feiertags von 14 bis 16 Uhr.
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