Ausstellung in Regensburg zeigt Nachbauten der Fresken von Michelangelo in der Sixtinischen Kapelle
Bei Thurn & Taxis Sicht von oben auf Michelangelo

Die Arbeit als Bildhauer schlägt bei Michelangelo als Maler durch: Seine gewaltigen Gemälde wirken oft dreidimensional. Bilder: Fütterer (3)
Kultur
Regensburg
04.11.2016
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Sie holten die Sixtinische Kapelle im Vatikan als hochwertige Kopie nach Regensburg: Dr. Peter Styra, Leiter von Zentralarchiv, Hofbibliothek und Museen des fürstlichen Hauses Thurn & Taxis sowie Christina Marotzke von Exhibition 4You.

Näher kommt kein Besucher den Fresken von Michelangelo in der Sixtinischen Kapelle. Während das Publikum in Rom in 22 Meter Höhe schauen muss, rückt in Regensburg das berühmte Deckengemälde als Reproduktion mit seinen dramatischen und faszinierenden Details in das unmittelbare Blickfeld.

Das wohl berühmteste Kunstwerk der Welt liegt im fürstlichen Marstall vom 5. November bis 8. Januar im wahrsten Wortsinn zu Füßen. Fast in Originalgröße werden die gewaltigen Szenen - von der Schöpfungsgeschichte bis zum Jüngsten Gericht - gegenwärtig. Wo ansonsten pächtige Kutschen aus dem Hause Thurn & Taxis zu bestaunen sind, entfalten hochklassige Drucke auf einem kleinporigen, elastischen Spezialstoff das legendäre Deckengemälde zu gewaltiger Pracht. In dem besonderen Ambiente des Schlosses kommt das gigantische Werk von Michelangelo besonders ausdrucksstark zur Geltung.

Der Clou dabei: Von einer Empore aus, einem komfortablen "Baugerüst" in 1,75 Meter Höhe, betrachten die Besucher die göttliche Malerei. Die ungewöhnliche Perspektive ist quasi eine theologische Umkehrung mit dem Blick nach unten - statt nach oben in den Himmel. Der Vatikan hatte der Münchener Ausstellungsagentur Exhibition 4You die Dias (und damit die begehrten Fotolizenzen) für die Kopien zur Verfügung gestellt. Die Aufnahmen entstanden direkt nach der Restaurierung der Sixtinischen Kapelle vor rund 20 Jahren. Exhibition 4You bearbeitete die Dias qualitativ aufwendig in einem sogenannten Trommel-Scanner. Die Investitionen in die Ausstellung belaufen sich auf mehr als 200 000 Euro.

Die Ausstellung "Der andere Blick" war von Juni bis Oktober erstmals im Odysseum Köln zu sehen. Regensburg ist damit die zweite Station auf der Welttournee. Die offizielle Eröffnung nehmen am 8. November Fürstin Gloria von Thurn und Taxis und Regensburgs Oberbürgermeister Joachim Wolbergs vor. Die Thurn und Taxis-Museen zeigen die Ausstellung zusammen mit Exposition 4you und in Kooperation mit der Stadt Regensburg sowie den Kunstsammlungen des Bistums Regensburg.

Der fürstliche Marstall weckt die Begeisterung von Ausstellungs-Kuratorin Christina Marotzke. "Da hat es bei uns gezündet, als wir die Räume sahen." Michelangelos spannender Zyklus von der Schöpfung des Himmels und der Erde, von Adam und Eva, offenbart mit einer geradezu intimen Nähe die aufwühlenden Details: in praller Pracht und Fülle der Renaissance - vorwiegend mit muskelgestählten, nackten Körpern. Während in der Sixtinischen Kapelle den vier Millionen Besuchern im Jahr nicht einmal ein kurzes Stehenbleiben erlaubt ist, kann der Besucher in Regensburg ohne lästigen Zeitdruck, in aller Ruhe und aus nächster Nähe, in die Betrachtung der kraftvollen Gemälde versinken.

Angesichts der Gewalt, Wucht und Kraft der Bilder ist Michelangelo offenbar mit gehöriger Wut im Bauch ans Werk gegangen.Christina Marotzke Firma Exhibition 4You

InformationDie Ausstellung "Der andere Blick" ist bis 8. Januar 2017 täglich von 10 bis 18 Uhr geöffnet: im Fürstlichen Marstall, Emmeramsplatz 6, Regensburg. Am besten parken Sie im wenige Hundert Meter entfernten neuen Parkhaus am Sankt-Petersweg. Der Eintritt beträgt 10 Euro, für Kinder 5 Euro; Ermäßigung für Studenten und Behinderte. Audio-Guides sind im Preis inbegriffen. Speziell für Kinder führt der Guide unterhaltsam durch die Welt der Renaissance.
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