Ausstellung
Modernes Christusbild

Max Beckmann, Christus und Pilatus, 1946, Lithografie, Stiftung Christliche Kunst Wittenberg / VG Bild-Kunst Bonn 2015.
Kultur
Regensburg
04.01.2016
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Christliche Kunst: Dass dieser Begriff in der Regel altmeisterliche Vorstellungen weckt, wissen auch die Experten von der Stiftung Christliche Kunst in Wittenberg. Mittelalterliche Altarbilder und barocke Heiligendarstellungen kennt man auch hier zur Genüge. Aber: "Kaum jemand denkt dabei an die Kunst des 20. Jahrhunderts."

Von Susanne Wolke

Dr. Andrea Fromm ist sich der Sachlage bewusst. Die Kuratorin selbst ist einen Schritt weiter. "Bis heute ist die christliche Motivik hochaktuell." Andrea Fromm braucht das nicht lange zu erklären. Die Ausstellung zum Thema, die die Kunstwissenschaftlerin gemeinsam mit ihrem Kollegen Tom Beege zusammengestellt hat, spricht für sich.

"Jesus Reloaded", lautet der Titel der Schau - "Das Christusbild im 20. Jahrhundert". Die Präsentation ist nun in Regensburg zu sehen. Als "Winterhighlight", wie es in der Einladung von Seiten des Leeren Beutels heißt. Tatsächlich beschert die Schau der Städtischen Galerie Regensburg eine kaum jemals dagewesene Versammlung hochkarätiger Namen. Edouard Manet, Franz Marc, Max Beckmann, Marc Chagall, Pablo Picasso, Joseph Beuys, Georg Baselitz, Arnulf Rainer: Sie alle haben sich irgendwann einmal mit der christlichen Thematik beschäftigt. Und zwar auf ihre Weise. Also in der Regel weder altmeisterlich noch barock.

Es sind in erster Linie Grafiken, die man im Leeren Beutel zu sehen bekommt. Nicht zuletzt deshalb mag man dem religiösen Faktor nicht gerade die wichtigste Position im Schaffen der besagten Künstler unterstellen. Fest steht dabei allerdings: "Nahezu jeder bedeutende Künstler hat sich des Christusbildes angenommen." So steht es im Katalog zur Schau. Und so zeigen es auch die ausgestellten Werke.

Bilder mit Botschaft


Die Auswahl der Ausstellung ist breit gefächert. Da ist die "Kreuzabnahme" eines Max Beckmann, die zumindest was die Motivwahl betrifft, als klassisch durchgehen kann. Paul Gauguin nimmt mit seinem "bretonischen Kalvarienberg" Bezug auf die Volksfrömmigkeit. Während Christus auf einer Lithografie aus der Hand Oskar Kokoschkas die Dornenkrone traditionell auf dem Haupt trägt, reißt er sie sich bei Fritz Cremer herunter.

"Jeder Betrachter wird für sich selbst entscheiden, ob ein Bild für ihn eine christliche Botschaft enthält oder nicht." Dieser Satz der Kuratoren im Vorwort zur Schau beugt eventuellen falschen Vorstellungen vor. Denn: Traditionelle Motive wie die Pieta - in diesem Fall von James Ensor - oder die Weisen aus dem Morgenland - Otto Dix - sind zwar vorhanden. Ebenso aber auch eine fotografierte nackte Frau als moderner Christus - Biørn Nørgaards Auslegung des Themas.

Seelisch erschüttert


"Die wenigsten der hier präsentierten Künstler schufen ihre Darstellungen aus einem streng christlichen Impetus heraus", die Äußerung der Kuratoren verwundert kaum. "Viel mehr verraten diese Christusbilder über die seelische Erschütterung und die geistige Verfassung des Menschen in einem bewegten und zerrütteten Jahrhundert." Diesbezüglich zumindest dürfte sich der "Jesus Reloaded" von seinen historischen Vorgängern unterscheiden.

Die Ausstellung "Jesus Reloaded - Das Christusbild im 20. Jahrhundert" läuft bis zum 28. Februar in der Städtischen Galerie im Leeren Beutel, Bertoldstraße 9, in Regensburg. Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag und feiertags von 10 bis 16 Uhr. Jeden ersten Sonntag im Monat Eintritt frei. Infos unter Tel. 0941/507-2440.

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Weitere Informationen im Internet:

www.regensburg.de/Kultur/Museen
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