Ausstellung "Position R5" - Stefan Bircheneder im Leeren Beutel
Dem Verfall Würde verleihen

Stefan Bircheneder hat eine Schwäche für den urbanen Verfall. Wie sehr dieser faszinieren kann, zeigt die aktuelle Ausstellung mit Werken Bircheneders im Leeren Beutel in Regensburg. Bild: Wolke
Kultur
Regensburg
17.02.2016
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Wahrscheinlich hat Stefan Bircheneder in seinem Leben einfach zu viel Himmlisches gesehen. Lange genug schließlich war der gelernte Kirchenmaler umgeben von Engeln und Heiligen. Was der Künstler in Eigenregie liefert, schaut da ganz nach Kontrastprogramm aus.

Eigentlich haben die von dem Künstler im Atelier gemalten Ölbilder nicht mehr viel gemein mit der künstlerischen Herkunft ihres Schöpfers. Denn Fakt ist: Stefan Bircheneder malt mit Vorliebe ausrangierte Industrielandschaften. Verlassen, menschenleer und dem Verfall preisgegeben. Und er ist damit ziemlich erfolgreich. Bircheneders Schritt zum freischaffenden Künstler vor gut zwei Jahren war gleich zu Beginn begleitet vom Preis des Regensburger Kunst- und Gewerbevereins. Seitdem geht es konstant bergauf für den gebürtigen Vilshofener. Eine Einzelschau im Leeren Beutel in Regensburg ist nun der jüngste Meilenstein in Bircheneders Werdegang.

Vorliebe für Kabel


Die "Position R", in deren Rahmen Stefan Bircheneder derzeit in der Städtischen Galerie präsentiert wird, ist zwar vom Grundsatz her ein regionales Ausstellungsformat. Aber immerhin: Die in verblüffend fotografischer Genauigkeit wiedergegebenen Industriehallen, Stromregler und Asphaltböden füllen hier einen ganzen Raum.

Geradezu genüsslich haben die Kuratoren hier Bircheneders Vorliebe für Kabel, Kästen und Kalkwerke inszeniert. Verantwortlich sind die Studierenden der Kunsterziehung der Universität Regensburg. Sie haben die "Position R" heuer zum fünften Mal gemeinsam mit den Machern des Leeren Beutels gestaltet. Und sie haben sich im Falle Bircheneders nicht damit begnügt, einfach nur Bilder an die Wand zu hängen.

Echte Kabel durchziehen im Leeren Beutel den Ausstellungsraum. Sie weisen dem Besucher den Weg über Rampen und in angedeutete Container. Und immer wieder stellt sich dabei die Frage: Ist das nun echt oder nicht? Als einfach nur realistischer Maler sieht sich Bircheneder nicht. Dafür ist das Licht zu unecht, sind die Unterschiede in der Genauigkeit des Dargestellten zu groß. Aber er malt verdammt naturgetreu, wenn man das im Sinne einer exakten Wiedergabe so sagen darf.

Menschen gibt es nicht im Werk des Künstlers Stefan Bircheneder. Warum auch? Es geht ihm ja gerade um den Reiz des Verlassenen, Brachliegenden. Stefan Bircheneder sucht und findet weiße Flecken auf der urbanen Landkarte.

Etwas Erhabenes


Der Putz blättert ab, der Asphalt bricht, Fliesen lösen sich von der Wand. Dennoch haben die Räume etwas Erhabenes. Der Himmel auf Erden ist dies sicher nicht. Aber Stefan Bircheneder verleiht dem Verfall Würde.

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Die Ausstellung "Position R 5 - Stefan Bircheneder" läuft bis zum 13. März in der Städtischen Galerie im Leeren Beutel, Bertoldstraße 9 in Regensburg. Öffnungszeiten sind Dienstag bis Sonntag von 10 bis 16 Uhr. Jeden ersten Sonntag im Monat ist der Eintritt frei. Zur Ausstellung ist ein Katalog erschienen. Weitere Infos unter Telefon 0941/507-2440.

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Weitere Informationen:

www.regensburg.de/Kultur/Museen
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