Ausstellung "Topographien der Menschlichkeit" in Regensburg
Jenseits von Lampedusa

Lampedusa ist arm an Geld, aber reich an Gastfreundschaft: Trotz Problemen und Schwierigkeiten im eigenen Land treten die Einheimischen Fremden gastfreundlich gegenüber. Bild: Jon Adrie Hoekstra
Kultur
Regensburg
18.06.2016
44
0

Und es geht doch: Wie Flüchtlinge und Einheimische zusammenfinden können und an welchen Orten Humanität gelebt wird, erzählt der Berliner Verein Courage gegen Fremdenhass in einer Wanderausstellung.

Zum ersten Mal sind die Werke in Regensburg zu sehen. Ab Dienstag, 28. Juni, ist die Schau "Jenseits von Lampedusa - Willkommen in Kalabrien", welche die Katholischen Jugendfürsorge der Diözese Regensburg mit der Stadt Regensburg ausstellt, in der romanischen Kirche St. Rupert bei der Basilika St. Emmeram zu sehen.

Die Reihe "Topographien der Menschlichkeit" zeigt Beispiele widerständiger Gesellschaften, denen es gelingt, sich dem Druck entmenschlichender Tendenzen entgegenzustellen. Es gab und gibt Alternativen, Fremden und Verfolgten zu begegnen. Da ist das richtige Handeln Einzelner wichtig. Der Fokus der Ausstellung liegt in den aufnehmenden Gesellschaften. Die Ausstellung präsentiert positive und inspirierende Beispiele. Es geht darum, an der Moral festzuhalten, auch in schwierigeren Zeiten.

Harter Weg


Fotos und Texte stellen kleine Orte in Kalabrien vor, in denen seit zwei Jahrzehnten ein eigenes Kapitel europäischer Einwanderungsgeschichte geschrieben wird. Lampedusa ist eine Chiffre geworden für das Schicksal Tausender von Flüchtlingen, die Jahr für Jahr ihre Heimat verlassen, um in Europa Sicherheit und die Möglichkeit für ein menschenwürdiges Leben zu suchen. Krieg, Folter, Gefängnis - eine Odyssee durch Flüchtlingslager haben viele von ihnen hinter sich.

Auf der Überfahrt in meist seeuntüchtigen Seelenverkäufern geht es ums nackte Überleben. Viele haben Menschen sterben sehen. Nun sicherer Boden unter den Füßen? Mit Stacheldraht eingezäunt, bewacht, ohne ausreichende sanitäre Einrichtungen warten sie, zusammengepfercht unter haftähnlichen Bedingungen, auf ihre unsichere Anerkennung als Flüchtlinge. Mit "Jenseits von Lampedusa - Willkommen in Kalabrien" widmet sich Courage gegen Fremdenhass den über 20-jährigen Erfahrungen, die Orte in Kalabrien, der ärmsten Gegend Italiens, mit der Aufnahme von Flüchtlingen machten und machen. Hier kontrastiert alles mit den Bildern, die wir mit Flüchtlingsschicksalen verbinden.

Die Unaufgeregtheit und die unerschütterliche Solidarität mit den noch Ärmeren ist das hervorstechendste Merkmal der Alltagskultur der Einheimischen. Den Satz "Wir hier wissen sehr genau, was Emigration bedeutet", hört man höchstens, auch von ehemaligen Gastarbeitern, die ihre Rente in der alten Heimat genießen. Man geht klug und human an die täglichen Herausforderungen heran, idyllisch ist das gewiss nicht, aber es bleibt solidarisch, pragmatisch und bar jeglicher Hysterie.

Schlechte Bedingungen


Die kalabrischen Einheimischen sind der Armut ausgesetzt. Soziale Untiefen, durch die Krise noch weiter verschärft, treffen sie hart. Zu Recht fühlen sie sich von Italien und Europa verlassen. Ihre moralische Festigkeit ist jedoch beeindruckend: Sie fordern zwar Unterstützung auch für sich ein, verbinden dies jedoch nicht mit Hetzparolen gegen Schwächere. Sie begegnen den Fremden gastfreundlich. Das beeindruckt am meisten: Die Armen verweigern den Kampf gegen noch Ärmere. So trägt man im Kalabrien dazu bei, Menschlichkeit zu leben.

ProgrammAusstellung: Eröffnung der Fotoausstellung am Dienstag, 28. Juni, 19 Uhr.

Dauer: Bis Sonntag, 24. Juli, täglich von 14 bis 18 Uhr.

Ort: Kirche St. Rupert, Emmeramsplatz 3, Regensburg.

Erzähl-Café: Gespräch "Wie alles begann und wie es weitergeht" am Donnerstag, 30. Juni, 19 Uhr

Ort: Basilika St. Emmeram, Emmeramsplatz 3, Regensburg.
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.