Ausstellung über Kriegsgefangene in Regensburg
Eingesperrt in Regensburg

Kultur
Regensburg
21.05.2016
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"Es gab eine bemerkenswerte Lagerkultur in Regensburg", steht in der Staatlichen Bibliothek über dem örtlichen Gefangenenlager im Ersten Weltkrieg geschrieben. "Die Kriegsgefangenen gaben eine Zeitung heraus, sie spielten Theater, sie schrieben und dichteten, sie musizierten und sangen", heißt es weiter.

Auch wenn diese Beschreibung zunächst seltsam harmlos klingt: Beim Thema der aktuellen Sonderausstellung in der Staatlichen Bibliothek Regensburg handelt es sich um keine schöne Sache. "Dass in Regensburg ein Kriegsgefangenenlager während des Ersten Weltkriegs bestand, bildet ein bislang kaum beachtetes Kapitel der Stadtgeschichte", heißt es auf den Texttafeln der Schau weiter. Obwohl darin kurz vor Ende des Krieges im Jahre 1918 immerhin fast 5000 Gefangene lebten. Die Ausstellung ruft also ein bisher kaum im öffentlichen Bewusstsein verankertes Thema in Erinnerung. "Mitten im Krieg - Mitten in Regensburg" lautet der Titel der Schau. Gezeigt werden zeitgenössische Dokumente und Utensilien wie Aufzeichnungen, Postkarten, Propagandafilme und Soldatenhelme.

Kontrastprogramm


Ein Jahr nach den allgemeinen Gedenkveranstaltungen zum Ersten Weltkrieg zieht die Staatliche Bibliothek nach. Der Termin hängt auch mit einer internationalen Tagung zusammen, die vom 16. bis zum 18. Juni in Regensburg stattfindet. "Das Regensburger Lager im Kontext der deutsch-französischen Beziehungen" lautet deren Titel.

Dass das Leben im Gefangenenlager gewisse Ambivalenzen aufweist, wird in der Schau gleich eingangs betont. Der dichtende Gefangene einerseits, der an der Front kämpfende Kamerad andererseits: Die Haltung gegenüber Kriegsgefangenen sei bis heute unentschieden.

Fest steht: "Der Soldat wurde hochgeschätzt - der Gefangene stand am Rande". "An den Kämpfen nicht beteiligt zu sein, wurde missbilligt. Der Verdacht, Deserteur zu sein, stand im Raum", schildert der Rückblick das nicht gerade rosige Leben der Kriegsgefangenen.

In Regensburg leben die Gefangenen in einem Hauptlager am Unteren Wöhrd und in Außenstellen. Die Unterkünfte sind zugig, feucht und nur spärlich ausgestattet. Franzosen bildeten unter den Gefangenen die größte Gruppe, gefolgt von den Russen.

Dass das Leben der Insassen natürlich nicht nur aus schöngeistiger Beschäftigung und sportlicher Ertüchtigung bestehen, stellt die Schau schnell heraus - auch wenn gerade dem Sport, der Musik und dem Theater eigene Kapitel gewidmet sind.

Harte Arbeit


Vor allem galt: "Kriegsgefangene waren nicht nur dauerhaft eingesperrt. Sie unterlagen auch Arbeitspflicht, ungerechtfertigten Strafen, undurchschaubaren Anweisungen, Zensur, Repressalien und Willkür." Nicht wenige sterben in Kriegsgefangenschaft.

"Die Gefangenen lebten miteinander in unfreiwilliger Gemeinschaft und unter schwierigen Bedingungen", weiß der Ausstellungstext. Die "Stacheldrahtkrankheit" war weit verbreitet.

Geistige Spuren


Ihre Symptome: Niedergeschlagenheit, Apathie, Verzweiflung.Eingesperrtsein und Heimweh machten den Gefangenen zu schaffen, auch in Regensburg. Da mag die Lagerkultur noch so bemerkenswert sein.

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Weitere Informationen:

www.mitten-im-krieg-1918-18.net

AusstellungszeitenDie Ausstellung "Mitten im Krieg - Das Regensburger Kriegsgefangenenlager im Ersten Weltkrieg" läuft bis Mittwoch, 31. August, in der Staatlichen Bibliothek (Gesandtenstraße 13). Öffnungszeiten sind jeweils Montag bis Freitag ( 9 bis 18 Uhr), und Samstag (14 bis 18 Uhr). (wsu)
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