Ausstellung und Installation von Jacques Gassmann in der Regensburger Kirche St. Wolfgang
Religiöse Bilder von explosiver Intensität

Bilder von Jacques Gassmann aus dem Raum Würzburg sind derzeit in der Regensburger Kirche St. Wolfgang zu sehen. Bild: Wolke
Kultur
Regensburg
25.03.2015
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"Unser Problem mit Gott ist, dass er uns nicht mehr imponiert." Das Zitat des deutschen Philosophen Peter Sloterdijk klingt provokativ. Dennoch, oder vielleicht gerade deswegen, führt es ein in eine Installation, die derzeit in der Regensburger Pfarrkirche St. Wolfgang zu sehen ist. Denn auch die Bilder des Künstlers Jacques Gassmann, die dort hängen, fordern den Betrachter heraus. Und sie vermögen vielleicht das, was angeblich verloren gegangen ist: beeindrucken, imponieren.

Große Formate

"Weg und Nachweg" lautet der Titel der Ausstellung und Installation in St. Wolfgang. Zu sehen ist eine Reihe nicht ganz gegenstandsloser dabei aber sehr abstrakter Arbeiten des aus dem Würzburger Raum stammenden Gassmann: Ein Kreuzweg wird ergänzt durch eine Auswahl großformatiger Gemälde, die sich mit der Jakobslegende befassen. Die Farben scheinen zu explodieren auf den Bildern Gassmanns. Sie verschwimmen, laufen wieder zusammen und finden sich in Formen, die das Dargestellte nur noch schemenhaft erahnen lassen, dabei jedoch eines intensiv vermitteln: Angst, Schrecken, Trauer - Gefühle.

Informell und abstrakter Expressionismus standen Pate bei der ganz persönlichen Stil-Findung des Künstlers, die er sich mittlerweile patentieren hat lassen: Die spezielle Technik, bei der er bevorzugt Tinte geradezu auf die Leinwand schüttet, wendet nur Gassmann selbst an. Mit einem durchwegs modernen Kunst-Ansatz schafft der Maler eine neue Eindringlichkeit des im Laufe der Kirchen- und Kunstgeschichte so oft Dargestellten. Die Verurteilung Christi, die Kreuz-Auflegung und schließlich der Tod erscheinen bei ihm in geradezu schmerzhafter Intensität. Im hellen Kirchenraum von St. Wolfgang kommen die Darstellungen besonders zur Geltung.

"Religiöse Bilder für Menschen von heute", so wurden die Arbeiten Jacques Gassmanns einmal treffend charakterisiert. Der Erfolg bestätigt die ungewöhnliche künstlerische Form: Mit Werkzyklen wie "Apokalypse", oder "Apart of me" ist Gassmann bekannt geworden, sowohl im In- als auch im Ausland. Seit 1994 gestaltet Jacques Gassmann Kirchenräume mit Wand- und Altargemälden. Als "experimentelle Tintenmalerei mit tiefer psychologischer Ausdruckskraft" wurde das Werk des Malers anlässlich einer Preisverleihung im vergangenen Jahr beschrieben. 2014 erhielt Gassmann in der Domstadt den "Schnell und Steiner Kulturpreis". Jetzt ist er zurückgekehrt - mit einer Ausstellung, die das Bistum Regensburg und das Diözesanmuseum gemeinsam realisiert haben. Die Präsentation entstand beim Projekt "Da-Sein in Kunst und Kirche". Die Aktion erstrebt "spannende Begegnungen von zeitgenössischen Werken und Gotteshäusern".

Pinsel statt Cello

Der nun gezeigte Jacques Gassmann kam auf Umwegen zur bildenden Kunst. Ursprünglich strebte der 1963 in Heidelberg Geborene eine Karriere als Cellist an. Bei der Malerei landete er schließlich ohne akademische Ausbildung, dafür aber mit rasch einsetzendem Erfolg. Mittlerweile blickt Gassmann auf ein Gesamtwerk, das einen Zeitraum von nahezu drei Jahrzehnten umfasst. Eines steht dabei fest: Seine Bilder verschaffen der Heilsgeschichte die angemessene Kraft.

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Die Ausstellung "Weg und Nachweg" ist noch bis zum 1. April in der Pfarrkirche St. Wolfgang, Bischof-Wittmann-Straße 24a in Regensburg-Kumpfmühl zu sehen. Geöffnet ist täglich von 7 bis 19.30 Uhr. Der Zugang erfolgt durch eine Seitentür neben dem Hauptportal.
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