Ausstellung zu 800 Jahre Domnikanerorden
Ort der Stille und Besinnung

Pater Elias Füllenbach O.P. ist es wichtig, mit der Ausstellung alle Kapitel des Dominikanerordens zu beleuchten: "Dazu gehört die Entstehung und wie sie gelebt haben, aber auch, was falsch lief." Das Bild hinter ihm zeigt Dominikus im Disput mit Häretikern. Bilder: Götz (11)
Kultur
Regensburg
14.05.2016
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Eine seltene Darstellung der Marienfigur, die in der Blasiuskirche zu finden ist: die schwangere Muttergottes.
 
Den Dominikanern ist lebenslanges Lernen wichtig. In alten Büchern und Aufzeichnungen geben sie ihr Wissen bis heute weiter.

Seit der päptstlichen Bestätigung vor 800 Jahren hat der Dominikanerorden Höhen und Tiefen erlebt. Die Jubiläums-Ausstellung "Mehr als Schwarz und Weiß" in der St.-Blasius-Kirche Regensburg beleuchtet alle Facetten des Bettelordens - unbeschönigt und ehrlich.Von Marion Espach

"Es war schwierig, acht Jahrhunderte auf ein paar Gegenstände zu reduzieren", erklärt Kuratorin Dr. Susanne Biber. Exponate aus dem 13. Jahrhundert bis hin zu zeitgenössischer Kunst führen durch die Geschichte und Gegenwart des Ordens in Deutschland. Um möglichst viele Facetten des Ordens darzustellen, ist die Ausstellung in verschiedene Themenbereiche unterteilt.

Aufzeichnungen, Gemälde und Skulpturen nehmen die Besucher mit zu den Anfängen der Gemeinschaft, wie sie auf den Wandel der Zeit reagiert und welche Krisen sie erlebt. "Anfang des 19. Jahrhunderts wurden zum Beispiel alle deutschen Männerkonvente der Dominikaner geschlossen", bedauert Pater Elias Füllenbach O.P. des Düsseldorfer Dominikanerkonvents.

Das Leben zeigen


Auch viele Frauenklöster hat die Säkularisation betroffen. Die Abtei Hl. Kreuz in Regensburg sei eine der wenigen gewesen, die bestehen blieben. Einer der Gründe, warum die Ausstellung gerade in Regensburg eröffnet: "Es ist die einzige deutsche Stadt, in der seit 1229 immer Dominikaner gewirkt haben."

Provinzial Thomas Gabriel Brogl O.P. aus Wien ist es wichtig, mit Holzschnitten, Aufzeichnungen und Skulpturen den Besuchern einen Einblick in das Schaffen der Gemeinschaft zu geben. "Ein Anliegen ist es uns aber auch, ihnen mit der Ausstellung die Themen zu vermitteln, die uns wichtig sind." Dazu gehört der Umgang mit Frauen, mit den Mitmenschen oder das politische System.

Die Dominikaner leben weitgehend demokratisch. Ein Schmuckstück der Ausstellung ist deshalb eine Wahlurne des Ordens. "Das haben uns die Düsseldorfer Kollegen für das Jubiläum überlassen", freut sich Pater Füllenbacher. Die Urne greift die Idee Norditaliens aus dem 15. Jahrhundert auf, die schon damals nach dem Prinzip "Was alle angeht, sollen auch alle mitbekommen" leben.

Auch wichtigen Persönlichkeiten des Dominikanerordens sind Exponate gewidmet: Eine Skulptur von 1480 erinnert an Thomas von Aquin, ein Holzschnitt an den Heiligen Dominikus und alte Schriften an Meister Eckhart. "Er hat für den Orden eine wichtige Rolle gespielt und eine Reihe von Predigten verfasst", erläutert Biber. Weitere Ordensschätze sind ein Johannisweihbecher, dessen Cuppa eine Kokosnuss ist, ein Kelch aus dem Dominikanerkloster in Osnabrück und eine Kölner Sonnenmostranz. "Außerdem haben wir eine Marienfigur, die ein Jesukind im Bauch trägt und sich herausnehmen lässt", erläutert die Kuratorin. Das sei eine seltene Darstellung, die es hauptsächlich in Klöstern gebe.

Dunkle Vergangenheit


Die Ausstellung will sich aber auch den finsteren Kapiteln Bettelordens zuwenden. So trugen die Dominikaner ihren Teil zur Inquisition und Hexenverbrennung bei, indem sie Handbücher für Inquisitioren schrieben. Auch der bekannte Hexenhammer geht auf einen Dominikaner zurück.

"Der stammt aus der Feder vonHeinrich Institoris", weiß Füllenbach. Den Schmerz und das Elend dieser Zeit drückt die Brozeskulptur einer zusammengekauerten Frau aus. Das zeitgenössische Werk stammt von dem italienischen Bildhauer Lois Anvidalfarei. Auch die Ablassbriefe werfen ihre Schatten auf den Bettelorden, wie ausgestellte Schriftstücke zeigen.

Fremde Kultur


Der Dominikanerorden sah sich schon im 14. Jahrhundert als einen Ort der Stille und Besinnung. Ein Zen-Garten in St. Blasius bietet Besuchern die Möglichkeit, zu meditieren und die Mischung aus fremder Klostertradition und bekannter Architketur auf sich wirken zu lassen. Wer sich für die körperliche Gesundheit interessiert, ist im "Gart' der Gesundheit" richtig. Hier wachsen Pflanzen, die nach Albertus Magnus und Hildegard von Bingen gesund halten sollen.

Füllenbacher ist auf das Ergebnis stolz. Mit der Auswahl der Exponaten sei es gelungen, die Geschichte des Dominikanerordens gut zusammenzufassen. "Wir wollten eine Ausstellung schaffen, die nicht in der Vergangenheit weilt, sondern im 21. Jahrhundert ist.

ThemenbereicheMut zum Aufbruch: Die Anfänge des Ordens stehen im Mittelpunkt. Nachdem die Kirche als zu arm und ungebildet gilt, reagieren Armutsbewegungen darauf. Sie münden in Bettelorden, zu denen auch die Dominikaner gehören.

Mut zur Wahrheit: Glaube und Wissenschaft: Der Orden muss sich im 13. Jahrhundert, der zeitlichen Entwicklung anpassen. Die Dominikaner verlassen sich dabei auf die Predigt und vertrauen auf Wissen sowie Wahrheit.

Keine Angst vor der Fremde: Wie es der Ordensgründer wollte, suchen die Brüder den Dialog und die Mission. Sie müssen der Muttersprache mächtig sein, lehrten früher aber auch Hebräisch und Arabisch.

Keine Angst vor dem Lärm der Welt: Nach Ansicht der Dominikaner braucht es kein Kloster, um Gott nahe zu sein, sondern eine innere Haltung.

Keine Angst vor Frauen: Zwischen den Männer- und Frauenkonventen gibt es einen geistigen Austausch, der Spuren in der Geschichte hinterlassen hat.

Inquisition und Hexenverfolgung: Im 13. Jahrhundert verfasst der Orden Handbücher für Inquisitoren und wird so zum Symbol für Ketzerverfolgung. Auch der Hexenhammer geht auf einen Dominikaner zurück.

Kritik und Krisenerfahrung: Anfang des 19. werden alle deutsche Männerkonvente des Ordens aufgelöst. Das Frauenkloster Hl. Kreuz in Regensburg ist eines der wenigen, das bestehen bleibt.

Mut zur Politik/Mut zum Heute: Dominikaner setzten sich für Vertriebene ein, verteidigen Menschenrechte und wollen die Judenverfolgung aufhalten. (esm)

ServiceAusstellung: "Mehr als Schwarz und Weiß - 800 Jahre Dominikanerorden" bis 15. August.

Ort: Dominikanerkirche St. Blasius, Albertus-Magnus-Platz, Regensburg.

Besichtigungszeiten: Dienstag bis Sonntag sowie an Feiertagen, von 11 bis 17 Uhr.

Information: 0941/59701, info@bistum-regensburg.de

Eine weitere Jubiläumsveranstaltung findet am Samstag, 18 Juni (ab 9 Uhr), in Regensburg statt. Prof. Sigmund Bonk und Dr. Florian Schuller.

Weitere Informationen unter
www.bistumsmuseen-regensburg.de
www.dominikanerorden.de
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