Ausstellung zur Geschichte des Kochbuchs
Appetit kommt beim Schmökern

Kochbücher waren immer auch ein Spiegel der gesellschaftlichen Verhältnisse: Die Frau hinter dem Herd symbolisiert die traditionelle Familie. Dieses Bild vermittelten vor Hundert Jahren auch die Kochbücher. Heute wird über die Rollenverteilung lebhaft diskutiert. Bild: wsu
Kultur
Regensburg
20.04.2017
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Von der Braunmehlsuppe bis zur Pizza: Die Staatliche Bibliothek in Regensburg zeigt die Kulturgeschichte des Kochbuchs in einer Ausstellung. Die ältesten Werke gehören dabei eher zur medizinischen Literatur.

"Herdprämie" wäre damals kein Schimpfwort gewesen, denn "Der Weg zum Herzen des Mannes" führt über den Kochtopf - diesen cleveren Trick verriet vor gut 100 Jahren ein Kochbuch für junge Ehefrauen. Auch wenn die emanzipierte Gesellschaft über die weibliche Tätigkeit am Herd heute längst die Nase rümpft: Kochbücher gibt es mittlerweile mehr denn je - wenn auch nicht nur für brave Gattinnen.

Kochbücher sind Quelle der Kulturgeschichte: Das haben die Macher der Ausstellung in der Staatlichen Bibliothek Regensburg erkannt. "Einbrenn, Gesottenes und Nockerln" - der Titel deutet es schon an: Die traditionelle Kost steht im Fokus dieser kulinarischen Kulturgeschichte, die den Bogen von der frühen Neuzeit bis zur Gegenwart spannt.

Zwar findet sich am Ende der Präsentation ein Vermerk auf die ungebremste Flut von Kochbüchern, die auch Rezepte aus anderen Ländern und für verschiedene Diätpläne liefern. Die Exemplare, die gezeigt werden, haben aber in erster Linie musealen Charakter.

Erstes Kochbuch überhaupt


Nicht nur aufgrund ihrer Abgegriffenheit lassen sich die alten Schinken schwerlich zwischen heutiger Mikrowelle und Thermomix platzieren. Auch zu ihrer Zeit berühmte Kochbuchautorinnen wie Marie Schandri und Maroe Buchmeier haben mittlerweile an Relevanz eingebüßt. Es ist also ein in erster Linie historischer Überblick, den die Ausstellung in der Staatlichen Bibliothek liefert. Den Anfang macht das erste gedruckte Kochbuch überhaupt, das schon bald nach der Erfindung des Buchdrucks 1485 in Nürnberg erschien. Dass die "Kuchenmeysterey" und ihre Nachfolger in heutigen Archiven bei den Medizinbüchern eingeordnet sind, zeigt den Inhalt dieser Pioniere der Küchenliteratur: "Die ersten Kochbücher waren eher philosophische Nachschlagewerke für eine maßvolle und gesunde Lebensführung", heißt es in der Ausstellung. Weiter geht es in der Präsentation mit der "Hausväterliteratur". Die darin erhaltenen Rezepte werden dem Manne dargereicht. Das hat seinen Grund in dem eigentlichen Inhalt dieser Literatur: Es ging darin weniger ums Kochen sondern vielmehr um die herrschaftliche Leitung des ganzen Haushalts. Allerdings: In den frühen Kochbüchern tritt auf Illustrationen oft der "Küchenbulle" in Erscheinung - ein wohlbeleibter männlicher Koch inmitten einer gut bestückten Küche.

Neues Gemüse


Die Frauen traten erst später auf - und zwar endlich mit Kochbüchern im eigentlichen Sinn. Marie Schandris "Regensburger Kochbuch" etwa, das 1867 erschien, entwickelte sich schnell zum Bestseller. Das "Bayerische Kochbuch" von Maria Hofmann aus der Zeit um 1910 erlangte wahre Berühmtheit. Es vermittelt im Laufe seiner zahlreichen Neuauflagen auch eine Kulturgeschichte der Kochkunst im Kleinen: Nach dem Krieg wurden darin Sparrezepte wie Braunmehlsuppe aufgenommen, in den 1950er Jahren kamen neue Gemüsesorten wie Paprika und Zucchini hinzu, gefolgt von Hawaii-Toast und Pizza in den 70er Jahren.

Die Kernaussage der Ausstellung hat jeder bereits am eigenen Leib und Magen erfahren: Ernährung hat eine kulturelle Dimension.

ServiceDie Ausstellung "Einbrenn, Gesottenes und Nockerln - Kochbücher von der Frühen Neuzeit bis zur Gegenwart" läuft bis zum 30. Juni in der Staatlichen Bibliothek Regensburg (Gesandtenstraße 13). Öffnungszeiten sind Montag bis Freitag von 9 bis 18 Uhr, Samstag von 14 bis 18 Uhr.

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Weitere Informationen:

www.staatliche-bibliothek-regensburg.de
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