Ballett in Regensburg
Neue Impulse modern getanzt

Sieben junge Choreographen beschäftigen sich in der vierten Ausgabe von "Tanz.Fabrik!" mit Themen wie Medien, gesellschaftliche Entwicklungen und auch in metaphorischer und poetischer Weise mit Erlebenswelten. Unser Bild zeigt eine Szene aus der Choreographie "Channel - 11" von Alessandro Burani. Bild: Zitzlsperger
Kultur
Regensburg
10.07.2016
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Zwar werden die Mitglieder einer Ballett-Compagnie für ihre hervorragenden tänzerischen Leistungen oft gefeiert. Aber das große Lob für die Kreativität und die Innovation einer Tanzproduktion bleibt meist dem Choreographen vorbehalten, der in vielen moderneren Werken auch noch Autor des Stoffes ist.

Umso interessanter ist es, wenn sich die Mitglieder einer Compagnie an einem Tanzabend nicht nur als Ausführende, sondern auch als Ballettkunst-Schaffende präsentieren. Dies geschieht am Theater Regensburg bereits seit der Spielzeit 2004/05. Erfreulich ist aber auch, dass der neue Tanzchef Yuki Mori diese Tradition fortführt. So kamen bereits in den ersten drei Spielzeiten unter Moris Leitung unter dem Titel "Tanz.Fabrik!" Choreographien der Ensemble-Mitglieder zur Aufführung, und auch in der aktuellen Spielzeit lebt diese Tradition fort, wie jetzt der mit "Tanz.Fabrik!vier" betitelte Abend im Theater im Velodrom auf beeindruckende Art deutlich macht.

Sehr transparent


In dieser neuesten Ausgabe präsentieren sieben Mitglieder der Compagnie ihre eigenen Choreographien, und eines wurde dieses Mal sehr transparent: Die Entwicklung der Compagnie ist insgesamt abstrakter, multimedialer und intellektueller geworden.

So spielt die Videokunst in Alessio Buranis zu Beginn des Abends gezeigter Choreographie "Channel - 11" dem Tanz eine ebenbürtige Rolle. Zu sehen sind Atombombenexplosionen, hungernde Kinder, Terroranschläge wie der vom 11. September, Massendemonstrationen und Krieg. Schnell geschnitten schaffen die Videoprojektionen ein hektisches Menschheitsbild, das Burani durch Gruppenbilder im modernen Ausdruckstanz unterstützt, die sich immer wieder gegen ein verlierendes Individuum stellen.

Ein ungewöhnlicher Pas de deux, bei dem ein Teppich raffiniert in die Bewegungsabläufe miteinbezogen wird, ist in "The Moon ate the dark" von Pauline Torzuoli zu erleben. Sich vom Schubladendenken lösen ist die Absicht in der Choreographie "Somewhere nice" von Tsung-Hsien Chen. Und das ist dem Taiwanesen auf beeindruckende Art gelungen, schuf er doch in diesem Trio für zwei Tänzer und eine Tänzerin unglaublich starke Figuren, in denen alle drei Akteure regelrecht verschmelzen.

"Drei-Mohren-Straße"


Sehr originell wirkt auch die Choreographie "Drei-Mohren-Straße" von Yosuke Kosano. Viel Videokunst zeigt die bekannte Regensburger Café- und Kneipenstraße zu jeder Tages- und Jahreszeit und bei jedem Wetter. Dazu lässt Kosano einen Ausdruckstanz-Pas-de-deux um eine Zigarette kreisen oder neben Kneipengesprächen, die mit einem imaginären Partner geführt werden, ein Pärchen Tassen auf einem Tisch verschieben.

Experimentelle Musik


Aber auch die Arbeiten von Sadagyl Mamedova, Simone Elliott und Simonfrederick Scacchetti zeichnen sich durch ein hohes Niveau aus und bereichern den progressiven Abend. Dass das alles natürlich kaum noch etwas mit klassischem Ballett zu tun hat, liegt auf der Hand. Wer aber neue Impulse im modernen Ausdruckstanz erleben will, sollte sich die Produktion ansehen. Experimentell ist übrigens auch die Musik.
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