Bayerischer ADHS-Tag beleuchtet die Herausforderungen und die positiven Seiten
Fröhlicher Zappelphilipp

Einen positiven Blick auf ADHS wagten (von links) Brigitte Nagler (ADHS Deutschland), Michael Stahn (Kassenärztliche Vereinigung), Kinder- und Jugendarzt Dr. Klaus Skrodzki, Oberarzt Florian Daxer sowie Dr. Johannes Streif, Diplompsychologe und selbst ADHS-Betroffener. Bild: Gibbs
Kultur
Regensburg
21.11.2014
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Ist mein Kind einfach sehr lebendig oder steckt hinter seiner Zappeligkeit eine Erkrankung? Viele Eltern kennen solche Fragen. Der Bayerische ADHS-Tag in Regensburg gab Antworten - und stellte heraus, dass die Aufmerksamkeitsstörung auch ihre positiven Seiten hat.

Gärtner oder Moderator - Berufe mit viel Bewegungs- und Sprechfreiheit werden Menschen mit der Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung (ADHS) gerne nahe gelegt. Dr. Johannes Streif, selbst Betroffener, interessierten solche Ratschläge wenig. Er arbeitet heute als Diplompsychologe und engagiert sich als stellvertretender Bundesvorsitzender bei ADHS Deutschland.

Lebhaft berichtete er von seiner Schulzeit, in der er immer wieder aneckte. "Der Lehrer schickte mich oft zum Tageslichtprojektor holen, obwohl er ihn gar nicht brauchte", erzählte er schmunzelnd. Als positiv habe er den damals noch üblichen Frontalunterricht empfunden. "ADHS-Kinder sind schnell abgelenkt, brauchen eine klare Struktur", sagte Streif. Dass alles auf den Lehrer ausgerichtet war, half ihm, sich zu konzentrieren. Gleichzeitig fordert Streif, dass motorische und musikalische Talente - im Allgemeinen Stärken von ADHS-Kindern - in der Schule stärker gefördert werden. Streif warnt Eltern davor, in der Schule wegen ADHS eine Sonderbehandlung ihrer Kinder einzufordern. Vielmehr sollten sie ihre Überzeugung zum Ausdruck bringen, dass ihr Kind unter gleichen Voraussetzungen nicht schlechter in der Schule als seine Klassenkameraden ist.

Etwa fünf Prozent der Bevölkerung sei von ADHS betroffen, erklärte Referent Dr. Klaus Skrodzki, Kinder- und Jugendarzt. Die Diagnose sei für die Eltern oft eine Erleichterung, weil damit eine Behandlung und Therapie beginnen kann. Als Anzeichen für ADHS nannte er folgende Beispiele: Das Kind macht bei Gruppenspielen oder beim Morgenkreis nicht mit, nimmt nicht auf, was Eltern und Erzieher sagen, neigt zu Unfällen, kann seine Kraft schlecht einschätzen.
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