Beschäftigung aus Liebe
Jan Henderiske stellt in Regensburg aus

Drei zu null für ZERO: der Kunstkenner Stefan Skowron, die Galeristin Dr. Andrea Madesta und der Künstler Jan Henderikse (von links) bei der Eröffnung der Ausstellung "ZERO to Infinity". Bild: Wolke
Kultur
Regensburg
19.09.2016
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"Die schlechten Künstler wissen alle, was sie machen. Die guten Künstler aber, die wissen nicht, was sie sagen sollen." Mit dieser Bemerkung ist Jan Henderikse fein raus. Nun kann er es sich auf seiner Gehhilfe gemütlich machen und verschmitzt vor sich hin grinsen. Unbequeme Fragen wehrt er mit einem gelassenen "ich muss passen" ab.

Ein harter Brocken also für Stefan Skowron. Aber der Aachener Kunstexperte hat es sich auch nicht anders ausgesucht. Im Rahmen der Ausstellungseröffnung "ZERO to Infinity" in der Regensburger Galerie Andrea Madesta will er das Werk Jan Henderikses anhand eines öffentlichen Gesprächs mit dem Künstler vorstellen.

Anerkannt in New York


Jan Henderikse zeigt guten Willen. Aber eigentlich hat er es nicht nötig, verbal um Anerkennung zu buhlen. Längst gilt der 1937 in Delft geborene als international anerkannter ZERO-Künstler. Die Zeiten, als sich die Vertreter dieser Stunde Null der Kunst nach dem Zweiten Weltkrieg beständigen Schmähungen ausgesetzt sahen, sind vorbei. Jan Henderikse, der heute in Antwerpen und New York lebt, erhielt erst vor Kurzem Lob und Anerkennung im New Yorker Guggenheim Museum.

Klar, dass man sich auch in Regensburg über den hohen Besuch freut. "Sehr stolz" zeigte sich Galeristin Dr. Andrea Madesta, dass Henderikse für die Eröffnung eigens aus Antwerpen angereist war. Im Gepäck des Künstlers: Kompositionen aus Flaschenkorken, zerschnipselten Geldscheinen, Nippes und Plastikflaschen.

Liebe, nicht Kritik


Zu Kreisen oder Quadraten zusammengesetzt, teils in monochromem Weiß oder Schwarz überzogen, teils sogar mit Blattgold veredelt, hängen die Arbeiten Jan Henderikses also in der Galerie Madesta. Eine Kritik an der Überflussgesellschaft sind die haufenweise Abfallprodukte allerdings nicht. Da nimmt Jan Henderikse potenziellen Interpretationsversuchen sogleich den Wind aus den Segeln. "Im Gegenteil!", beteuert er mit unschuldiger Miene. "Das ist eine Beschäftigung aus Liebe." Vom Streichholz bis zur Zigarettenschachtel und zum Weinkorken: "In diesen Dingen, die man einmal gebraucht hat, steckt so viel Liebe. Warum sollte man das einfach wegwerfen?", so die Ansicht Henderikses.

Er selbst hat alles gesammelt. Und da ist es gar nicht schlecht, dass der philosophische Liebhaber der kleinen Dinge gleichzeitig Künstler ist. Für sich türmende Korken etwa - die schälen sich zumindest in der Regensburger Ausstellung als am häufigsten anfallendes Rohmaterial heraus - findet Jan Henderikse schnell den rechten Platz. Er kann sie kurzerhand mit auf seine "Installation mit Neon und Korken werfen" - einen Haufen Erinnerungen an weinselige Stunden, der derzeit im Schaufenster Andrea Madestas steht.

Material-Wahl


"ZERO ist eine Absage an die Konventionen. Hier werden auch viele Materialien verwendet, die wir eigentlich als nicht bildnerisch würdig erachten." Dr. Andrea Madesta ging bei der Vernissage noch einmal auf die Kunstrichtung ein, die sich in den 1950er Jahren als Gegenbewegung zum Vergangenen etablierte. Viel mehr Erklärungen bedarf es eigentlich nicht. Denn spätestens seit diesem Abend ist ja bekannt: Guter Kunst fehlen die Worte.

Die Ausstellung "ZERO to Infinity" läuft bis zum 5. November in der Galerie Andrea Madesta, Obere Bachgasse 16 in Regensburg. Öffnungszeiten sind Dienstag bis Freitag von 11 bis 18, Samstag von 10 bis 15 Uhr. Weitere Infos gibt es unter Telefon 09 41 89 93 98 01 oder unter www.galerie-madesta.de.
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