Bistum Regensburg rollt Missbrauchs-Fall von Georg Auer neu auf
Missbrauchsfall in neuem Licht

Kultur
Regensburg
17.01.2015
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Georg Auer ist einer der Menschen, die beim Bistum Regensburg einen Antrag auf Anerkennung des Leids als Opfer sexuellen Missbrauchs gestellt haben. Zunächst wurde der Antrag des ehemaligen Domspatzen-Sängers abgelehnt. Doch nun rollt das Bistum den Fall neu auf.

"Es war, als ob mir jemand auf den Kopf geschlagen hat", sagte der 63-jährige Auer in der ARD-Sendung "Sünden an den Sängerknaben" über die Ablehnung im Anerkennungsverfahren.

Zuvor beschrieb er, was ihm in der Vorschule der Domspatzen in Etterzhausen vor rund 50 Jahren wiederfahren sei: Er habe sich vor einem Präfekten nackt ausziehen müssen, dieser untersuchte ihn "überall". Sein Peiniger habe ihm eine "Medizin" gegeben, woraufhin er sich nur noch bruchstückhaft erinnern konnte. Danach habe ihm der Po wehgetan. "Ich wollte tot sein", sagte Auer unter Tränen in die Kamera.

Jahrzehnte später sei es 2010 zu einer Begegnung mit seinem ehemaligen Peiniger gekommen, berichtete Auer in der Dokumentation. Bei einem Treffen in Neumarkt, an dem auch die damalige Missbrauchsbeauftragte des Bistums, Dr. Birgit Böhm, teilgenommen habe, habe der frühere Präfekt die Taten zunächst abgestritten. Doch als ihm Dr. Böhm ein Klassenfoto von damals vorgelegt und Auer seine Erlebnisse geschildert habe, habe der Mann geweint und um Verzeihung gebeten, "sollte ich Böses getan haben".

Beitrag mit neuen Aspekten

Warum hat das Bistum Regensburg nach einem solchen Gespräch die Anerkennung des Leids abgelehnt? Bistumssprecher Clemens Neck erklärte am Freitag auf Anfrage unserer Zeitung, dass in dem Fernsehbeitrag "neue Strafttatbestände" beschrieben werden, die dem Bistum bisher noch nicht geschildert worden seien. Nicht mehr zur Aufklärung beitragen kann Dr. Böhm, die 2013 überraschend verstarb.

Zuvor war der Neumarkter Rechtsanwalt Geedo Paprotta, vom Bistum Regensburg beauftragter Anwalt für Missbrauchsfälle, in den "Neumarkter Nachrichten" in die Offensive gegangen. Er sieht sich in dem ARD-Beitrag falsch dargestellt.

Mit dem Fall Auer sei er nicht befasst gewesen. Angesichts der Schilderungen des Betroffenen sei die "Nichtanerkennung als sexuelles Missbrauchsopfer nicht nachvollziehbar". Bistumssprecher Neck bestätigte, dass Paprotta empfohlen habe, das Gespräch mit dem Betroffenen zu suchen. Über den Missbrauchsbeauftragten Dr. Martin Linder soll der Kontakt hergestellt werden.

Bistum bittet um Vertrauen

Die mutmaßliche Tat konnte wegen Verjährung strafrechtlich nicht verfolgt werden. In solchen Fällen sieht die Kirche ein Anerkennungsverfahren für Opfer sexuellen Missbrauchs in kirchlichen Einrichtungen vor. Neck appellierte an mögliche weitere Geschädigte, sich nicht abschrecken zu lassen und sich beim Bistum zu melden. "Ich bitte um Vertrauen, sich an unseren Missbrauchsbeauftragten zu wenden. Wir tun alles, um Geschädigten zu helfen." Linder ist unter 0941/70546470 oder unter Dr.Martin.Linder@t-online.de zu erreichen.

Die ARD-Sendung "Sünden an den Sängerknaben", ausgestrahlt am 7. Januar im späten Abendprogramm, ist weiterhin im Internet in der Mediathek abrufbar.

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Die ARD-Sendung "Sünden an den Sängerknaben" im Internet unter:

http://www.ardmediathek.de/tv
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