"Cecilia arising"
Vom Leid einer Auferstandenen

Eine auferstandene Cecilia leitet in der Sigismundkapelle das Jahresthema "Performance" ein. Bild: Robert Fischer
Kultur
Regensburg
09.04.2016
132
0

Schuhe ausziehen! Die auferstandene Cecilia hat zwar durchaus fundamentalere Probleme als einen tadellosen Fußboden. Aber letzterer ist empfindlich und Ordnung hat noch keinem geschadet. Das "Medium" selbst ist barfuß.

Auf leisen Sohlen wandelt Cecilia durch die Regensburger Sigismundkapelle. Auf lose verteilten Stühlen - "diese nicht verrutschen", so die Anweisung aus der Welt des Profanen - sitzen ihre Zuschauer. Eine gewissen Spannung liegt in der Luft. Nicht nur wegen der gespenstischen Atmosphäre - die wie eine Marionette umher wankende Cecilia lässt die gotische Sigismundkapelle wie eine Gruft wirken. Das "Medium mit Hang zur Märtyrerschaft", lautet die möglicherweise selbstironische Betitelung der Cecilia, hat außerdem im Programm ein Vorhaben angekündigt: Sie versucht, "mit auserwählten Menschen in Kontakt zu kommen und ihnen ihre Botschaft zu verkünden".

Gewisses Neuland


Eine Performance: Für Regensburg ist das ein gewisses Neuland. Die eher spärlich besuchte Veranstaltung der "bambule.babys" weist auf eine gewisse Zurückhaltung vonseiten des Publikums hin. Noch. Denn am Ende des Jahres hat sich diese Kunstform vielleicht etwas mehr etabliert in der Welterbestadt.

Dafür will jedenfalls die Kulturabteilung der Regensburger Volkshochschule sorgen. Traditionell unterliegt deren Ausstellungsreihe in der Sigismundkapelle im Thon-Dittmer-Palais einem bestimmten Jahresthema. Und dieses lautet heuer: Performance. Ob in Begleitung einer Ausstellung oder als reine Aufführung wie bei der wandelnden Cecilia - die Performance wird in den kommenden Monaten eine tragende Rolle spielen.

Den Auftakt machte am Donnerstag die Performance "Cecilia arising". Die "bambule.babys", die hinter der Sache stecken, heißen im wirklichen Leben Anna Pohl und Michael Pöpperl und verstehen sich als Brutstätte experimenteller Theaterprojekte. Ein lehrreicher Aufenthalt Anna Pohls in New York tat sein Übriges, so dass nun in Regensburg fortgeführt wird, was "im künstlerischen Underground von Brooklyn" begann. Als wiederauferstandene Cecilia wandelt Anna Pohl nun dramatisch murmelnd und hauchend durch die gotischen Gewölbe der Sigismundkapelle.

Der Zeitpunkt kurz nach Ostern verleiht dem Ganzen ebenso Aktualität wie einige Sätze Cecilias ans Publikum. Fragen wie "Do you have a home?" oder "Do you feel protectet?" lassen an Flucht und Heimatlosigkeit denken. Zumindest wenn sich Cecilia der Sache annimmt. Denn ohne Dramatik geht es bei ihr nicht. Die Wiederauferstandene leidet leidenschaftlich. Wenigstens dürfte ihr der Verschmutzungsgrad des Fußbodens kein weiteres Kopfzerbrechen bereiten.

___

Die Performance "Cecilia arising" findet an folgenden Terminen in der Sigismundkapelle im Thon-Dittmer-Palais (Haidplatz 8), in Regensburg statt: 9. April (19.30 und 20.30 Uhr), 11. April (19.30 Uhr) und 12. April (19.30 und 20.30 Uhr). Kartentelefon 0941/507-2433 oder unter service.vhs@regensburg.de
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.