Cellistin Sol Gabetta und das Kammerorchester Basel eröffnen die Odeon-Konzertsaison
Weihnachtsengel und stürmischer Feuergeist

Kultur
Regensburg
21.10.2014
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Mitteilungen an den Saaltüren verheißen in der Regel nichts Gutes. Im besten Fall ist es nur eine Programmänderung, im schlimmsten Fall die Absage. Die Meldung von der Erkrankung des Dirigenten? Bedauerlich, aber im Grunde kein Problem. Weder für das Publikum und schon gar nicht für das Kammerorchester Basel.

Makellose Leidenschaft

Selbstbewusst und unglaublich gut drauf präsentierten sich die jungen Baseler im Regensburger Audimax. Doch galt die Aufmerksamkeit erst einmal der Solistin des Abends, der Cellistin Sol Gabetta. In weiß-silberner Robe, einem zu früh erschienenen Weihnachtsengel gleich, schwebte die Argentinierin auf die Bühne und bescherte der Hörerschaft zwei herrliche Paradestücke für Violoncello und Orchester: Gabriel Faurés hochromantische "Elegie" und das Cellokonzert a-Moll von Camille Saint-Saens. Zwei stürmisch erklatschte Zugaben folgten.

Reichlich Gelegenheit für Gabetta, ein weiteres Mal ihr Publikum zu verzaubern. Und das nicht nur mit ihrer sympathischen Ausstrahlung. Wie immer beeindruckend ihr kompromisslos leidenschaftliches Spiel, für das es keine spieltechnischen Grenzen zu geben scheint. Ob in sonorer Tiefe, bei rasanten Läufen oder in hoher Flageolett-Lage, Gabettas Ton bleibt makellos. Ein sinnlich glühender, angenehm schlanker, allerdings auch nicht allzu großer Ton, der manchmal Gefahr lief, im Orchesterklang unterzugehen. Und das, obwohl der Dialog mit dem Orchester kaum besser hätte laufen können.

Akzente und Kontraste

Hellwach und mit exzellenten Solisten, souverän geleitet vom Geiger am ersten Pult, gaben die Schweizer auch ohne ihren Dirigenten aufmerksamen Begleitservice. Und was ihnen der erkrankte Giovanni Antonini in puncto Beethoven mit auf den Weg gegeben hat, zeigte das Orchester eindrucksvoll und nicht minder souverän mit Beethovens vierter Sinfonie B-Dur. Das Programmheft verwies auf "klassische Schönheit und Heiterkeit". Von wegen.

Was sich bereits zu Konzertbeginn mit Beethovens "Prometheus"-Ouvertüre abzeichnete, brach sich hier vollends Bahn: Forsche Tempi, schroffe Akzente und manchmal geradezu gnadenlose Kontraste zwischen Pianissimo und furiosem Forte. Fiebrig nervöses Vorwärtsdrängen im Finalsatz. Kurzum, was man hier beschwor, war weniger der heitere Klassiker als vielmehr der stürmische Feuergeist, den viele in Beethovens Vierter eher nicht vermuten. Ein Klassiker gegen den Strich gebürstet. Mitreißend und eine Hörerfahrung wert. Begeisterter Applaus.
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