Charlotte Koppenhöfer inszeniert am Theater Regensburg Camus' "Caligula" auf ...
Kein leichter Tobak, aber berührend

Caligula (Jacob Keller) überzeugt in seinem Schlussmonolog vor seiner Ermordung durch die sich anschleichenden Senatoren. Bild: Jochen Quast/Theater Regensburg
Kultur
Regensburg
30.03.2015
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Wer sich unter Albert Camus' Schauspiel "Caligula" eine historisch getreue Abbildung der Regentschaft des gleichnamigen und grausamen römischen Kaisers erwartet, dürfte an diesem im Jahre 1945 in Paris uraufgeführten Stück nicht die ganz große Freude haben. Denn hier geht es in einem eher philosophischen Ansatz um das konsequent durchgesetzte Böse und die teils recht heuchlerische Reaktion darauf.

Das wird besonders in einer Inszenierung wie der aktuellen von Charlotte Koppenhöfer am Theater Regensburg deutlich, welche diesen Ansatz auf eine klare und konsequente Art umsetzt. Keine Frage, Camus' Stück an sich sowie Koppenhöfers Inszenierung sind schon ein etwas härterer Tobak für das Theaterpublikum. Aber gerade die Tatsache, dass diese Produktion unter die Haut geht, spricht für die aktuelle Aufführung, die durch die Kostüme und Requisiten in der Gegenwart spielen könnte. Koppenhöfer ist es mit einigen drastischen Details gelungen, den Ansatz des Stoffes ebenso transparent wie berührend umzusetzen und nicht nur das Böse, sondern auch das Heuchlerische markant zu vermitteln. So muss man es schon aushalten, auf welch grausame Weise Mord, Erniedrigung oder Heuchelei passieren.

Gut durchdachtes Konzept

"Ich habe beschlossen logisch zu sein", sagt Caligula in diesem Stück, um auch ja keinen Zweifel aufkommen zu lassen, dass sein Experiment, das Unmögliche - sprich das konsequent Böse - möglich zu machen, der einzige Weg ist um frei zu sein. Da benötigt es eben schon einige drastische Szenen, wie Koppenhöfer richtig erkannt und umgesetzt hat. Aber auch die Bewegungsabläufe dieser Inszenierung zeugen von einem gut durchdachten Regie-Konzept. Die Ausstatterinnen Aleksandra Kica (Kostüme) und Julie Weideli (Bühne) komplettieren dies auf angemessene Weise.

Engagierte Umsetzung

Den Bühnenakteuren muss man für die engagierte und ausdrucksstarke Umsetzung ihrer Figuren großes Lob aussprechen. Allen voran ist Jacob Keller in der Titelrolle des Caligula zu nennen, der vor allem in seinem Schlussmonolog vor seiner Ermordung zu großer schauspielerischer Größe und leidenschaftlicher Ausdruckskraft aufläuft. Aber auch Franziska Sörensen (Caesonia), Thomas Birnstiel (Helicon), Fredrik Jan Hofmann (Cherea) oder Michael Heuberger (Mucius) sowie alle anderen Schauspieler können durch ihre Leistungen bestechen.

Nachdem rund ein Dutzend Theaterbesucher den Premierenabend im gut besuchten Theater am Bismarckplatz vorzeitig verlassen hatte, spendete das Publikum am Ende doch intensiven Beifall. Und das obwohl man bei dieser berührenden Produktion erst einmal durchatmen muss.
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