Choreographien von Ishan Rustem und Ballettchef Yuki Mori begeistern am Theater Regensburg
Der Tanz erobert sich den Raum

Die Tanzproduktion "Bolero" lässt den Besucher im Theater am Bismarckplatz beeindruckende Bilder und Atmosphären erleben. Bild: Jochen Quast
Kultur
Regensburg
14.02.2016
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Nach der Zusammenarbeit mit Stephan Thoss hat Ballettchef Yuki Mori nun mit Ishan Rustem erneut einen Gastchoreographen eingeladen, um mit ihm zusammen einen Tanzabend am Theater Regensburg zu gestalten. So wurden unter dem Gesamttitel "Bolero" im Theater am Bismarckplatz zwei Choroegraphien uraufgeführt, welche Tanzkunst auf sehr hohem Niveau präsentieren. Damit aber nicht genug, denn beiden Werken merkt man deutlich an, dass sowohl Rustem als auch Mori nicht nur in ihrer Eigenschaft als Choreographen, sondern auch als Regisseure überzeugen.

Eine laut zugeschlagene Stahltür erschreckt in Rustems Choreographie "Marina" zu Beginn das Publikum und verkörpert das Ende einer Beziehung. Aus einem originellen Pas de deux, der sich aus dem Bodentanz heraus fesselnd entwickelt, spinnt Rustem einen berührenden Faden der Sehnsucht und der Erinnerungen. Zur teils fast mystisch anmutenden Musik des estnischen Komponisten Arvo Pärt entwarf der in London geborene Ishan Rustem in verschiedenen Konstellationen vom Solotanz über Pas de deux und Kleingruppen bis hin zum Ensembletanz eine einfallsreiche, vom modernen Ausdruckstanz geprägte Choreographie. Diese besticht auch dadurch, dass die getanzten Erinnerungen durch das Entfernen von Wänden im imponierenden Bühnenbild von Dorit Lievenbrück nach und nach im wahrsten Wortsinn mehr Raum gewinnen.

Wie der Gesamttitel des Abends richtig vermuten lässt, hat die Produktion auch etwas mit dem berühmten "Bolero" von Maurice Ravel zu tun. Zunächst aber beginnt die Choreographie von Yuki Mori mit einem beeindruckenden Ensemble zur Komposition "The Chairman Dances" von John Adams. In einem nahtlosen Übergang taucht aus den letzten Perkussionsklängen der Adams-Komposition quasi aus dem Nichts der im äußersten Pianissimo beginnende "Bolero"-Rhythmus von Ravel auf - ein gelungener Einfall!

In den dunklen Kostümen von Katharina Meintke, die von weiten Hosenröcken, gehrockartigen Jacken und Hüten geprägt sind, entspinnt sich dann wohldosiert eine fesselnde Freiheit des Tanzes, welche die Raumgewinnung in der Choreographie von Ishan Rustem noch weiter fortsetzt. Kreativ stellt Mori hier im modernen Ausdruckstanz auch immer wieder das Individuum gegen die Masse.

Ein großes Kompliment muss man den zehn Mitgliedern der Tanzcompagnie machen, welche die Bewegungsstrukturen bis ins kleinste Detail beseelt umsetzen. Selbiges gilt auch für das Orchester, das unter der Leitung von Tom Woods in Ravels "Bolero" die Leidenschaft steigert, aber auch die Werke von Pärt und Adams ausdrucksstark umsetzt. Am Premierenabend führte Daniel Bara die Solovioline in Pärts "Fratres" mit Energie aus.
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