Comic und Flüchtlingskrise
„Geschichten aus dem Grandhotel“

In ihren Comicgeschichten zeigen Studierende der Hochschule Augsburg die Lebensgeschichten von Flüchtlingen. Die Blätter sind derzeit im Kunst- und Gewerbeverein Regensburg zu sehen. Repro: Wolke
Kultur
Regensburg
26.10.2016
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Comic und Flüchtlingskrise. Autsch - das sind zwei heiße Themen. Denn erstens, so erfuhr man unlängst im Kunst- und Gewerbeverein Regensburg, ist der Comic in elitären Kreisen noch immer ein künstlerisches No-Go. Wenn auch völlig zu unrecht, wie man nun in der aktuellen Ausstellung zu zeigen sucht.

Die angestrebte Überzeugungsarbeit geht im Kunst- und Gewerbeverein allerdings einher mit einem weiteren Thema, das längst nicht mehr uneingeschränkte Begeisterung erhoffen lässt. Dass die präsentierten Comics von Flüchtlingsschicksalen erzählen, steigerte die Besucherzahl bei der Eröffnung der Ausstellung jedenfalls nicht. Im Gegenteil. Im Kunst- und Gewerbeverein gab man sich angesichts des geringen Zuspruchs zumindest in politischer Hinsicht idealistisch. Das mangelnde Interesse liege wohl am Thema Comic, ist man dort überzeugt. Lieber konservativ als fremdenfeindlich.

Dabei sind die Comicreportagen aus der Hand Augsburger Studierender, die nun im Kunst- und Gewerbeverein Regensburg zu sehen sind, aus der Not geboren. Und zwar ausnahmsweise einmal nicht aus der der Flüchtlinge.

Ratlose Studierende


Da waren zunächst ein paar ratlose Studierende mit dem Auftrag einer handfesten Comicgeschichte. "Schrecklich verkopft" sei der grafische Nachwuchs angesichts solch einer Aufgabe, weiß Mike Loos aus schmerzhafter Erfahrung. Dem Professor für Illustration an der Hochschule Augsburg kam folgende Idee: Warum nicht zu den Flüchtlingen gehen und deren Geschichten erzählen? Dass sie als künstlerisches Rohmaterial hergenommen werden, dürfte zumindest den Schutzsuchenden in Augsburg schon einigermaßen vertraut gewesen sein. Immerhin sind einige von ihnen dort, mehr oder weniger freiwillig, Teil einer nach Joseph Beuys ausgerichteten Idee.

Ein ehemaliges Altenheim im Herzen Augsburg ist nämlich der offizielle "Versuch einer sozialen Plastik". Das Gebäude beherbergt neben einer Flüchtlingsunterkunft auch Räume für Künstler und einen Hotelbetrieb. Im Sinne von Beuys' erweitertem Kunstbegriff wird jegliches menschliche Handeln zum Kunstwerk, jeder Mensch zum Künstler. So auch die Flüchtlinge.

Dass die unter dem Namen "Grandhotel" laufende Unterkunft kein luxuriöses Flair bietet, finden zumindest die Initiatoren als nicht weiter störend. Die Flüchtlinge, die dort logieren, fungieren nun nicht mehr nur als soziale Skulptur sondern auch als Inspirationsquelle.

Werben für Toleranz


Ihre Schicksale wurden von den studierenden Grafikdesignern aufgezeichnet. Dem Anspruch, den Mitleidsfaktor auszusparen, wurden die Comiczeichner dabei nicht immer gerecht - was angesichts der erzählten Lebensläufe auch schwierig gewesen sein dürfte. "Geschichten aus dem Grandhotel", lautet letztendlich der Titel des studentischen Projekts. Im Regensburger Kunst- und Gewerbeverein werben die Blätter für Toleranz - gegenüber Fremden und gegenüber dem Comic.

ServiceDie Ausstellung "Geschichten aus dem Grandhotel" läuft bis zum 20. November im Kunst- und Gewerbeverein Regensburg, Ludwigstraße 6. Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag von 12 bis 18 Uhr. Am 19. November gibt es von 11 bis 12 Uhr eine Führung.

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Weitere Informationen:

www.kunst-und-gewerbeverein.de
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