Countrysänger und Krimischriftsteller Kinky Friedman präsentiert "Best of" in der Alten ...
Gaudibursch mit Hang zum Fabulieren

Ist Freiheit nicht auch nur ein anderes Wort dafür, ebenso ungeniert von der Leber zu plaudern wie vom Leder zu ziehen? Kinky Friedman ist aber nicht nur ein großer Fabulierer und Storyteller, er ist vor allem auch ein außerordentlicher Vertreter der Singer-Songwriter-Zunft. Bild: Geiger
Kultur
Regensburg
26.02.2015
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Man muss Kinky Friedman dankbar sein für seine Ehrlichkeit. Denn diesem Umstand ist es geschuldet, dass die Welt Kenntnis darüber erlangte, dass das Härteste für ihn immer der erste Satz sei. So nämlich liefert der 1944 in Chicago als Sohn eines polnischstämmigen jüdischen Zuwanderers geborene Countrysänger (der wirkliche Berühmtheit erst erlangt hat, als er aufs Krimischreiben umsattelte und seither die stattliche Zahl von 34 Romanen vorgelegt hat) seinem Rezensenten quasi frei Haus eine veritable Eingangspointe und obendrein einen alles eröffnenden Gedanken. Man könnte aber auch ganz anders beginnen: Irgendwann an diesem Abend, da zieht Kinky Friedman ein Plektrum aus der Tasche, er zeigt es mit breitem Grinsen seinem erstaunten Publikum und dann sagt er mit einer Stimme, die so tief ist wie die dicke E-Saite auf seiner Guild-Westerngitarre: "Damit hat Kris Kristofferson seinen berühmtesten Hit geschrieben. Damit hat er 'Me and Bobby McGee' komponiert!"

Unterwegs mit Dylan

Ist Freiheit nicht auch nur ein anderes Wort dafür, ebenso ungeniert von der Leber zu plaudern wie vom Leder zu ziehen? Denn so geht das weiter, einen ganzen Konzertabend lang: Der Mann in schwarzer Robe und schwarzem Cowboy-Hut, dessen Gitarrentragegurt mit dem Paillettenschriftzug "Kinky" (yes, das Lexikon bietet "abgedreht" und "schrullig" als Übersetzungsmöglichkeit an) geschmückt ist, hat an so ziemlich jedem weltgeschichtlichen Ereignis der letzten fünf Jahrzehnte teil gehabt. Bob Dylans "Rolling Thunder Tour"? War er natürlich dabei. Und als er eines nachts, nach dem Konzert beim Whiskey (dem er auch an diesem Abend in der Mälzerei in Gestalt eines Gläschens zuspricht) seinen Nebenmann partout nicht erkannte (weil er ihn für einen der zahllosen texanischen Singer-Songwriter-Kollegen hielt), da tat er schließlich das Allerverbotenste, was ein Musiker einem anderen Musiker antun kann - und fragte ihn nach seinem Namen. Und siehe da, der vermeintlich Namenlose gab Kinky eine Antwort. Sie lautete: "Ich heiße Eric Clapton!" Und was gehörte zu Nelson Mandelas allabendlichem Zu-Bettgeh-Ritual während seiner Gefängniszeit auf Robben Island? Eben: Von Cassette einen Kinky Friedman-Song zu hören. "Ride 'em Jew Boy" nämlich.

Fabulierer und Storyteller

Und Ex-US-Präsident Bill Clinton? Teilt mit ihm nicht nur die Passion für Zigarren (wie viele Grade an Schattierung kann Zigarrenrauch der Farbe Grau verleihen?), sondern natürlich auch für Kinky-Friedman-Songs. Man könnte diesen Fabulierer und Storyteller, der sich nicht nur offen und offensiv zu seinem Jüdisch-Sein bekennt, sondern der sich auch schon Meriten an allen anderen Fronten verdient hat, als parteiloser Kandidat für das Amt des Gouverneurs von Texas ebenso wie als "Größtes männliches Chauvinisten-Schwein des Jahres 1974", nun als "Gaudibursch" bezeichnen und als "windigen Faselhans" abservieren. Und würde sich dadurch selbst ins Abseits manövrieren.

Weil man dann nämlich eines nicht erkannt hätte: Dass Kinky Friedman ein ganz außerordentlicher Vertreter seiner Zunft, der Singer-Songwriter nämlich, ist. Einer, der alte Balladen wie die berühmte von Iwo-Jima-Held Ira Hayes aufs Gefühlvollste zu interpretieren weiß. Und in dessen Stimme das Fluidum eines Townes van Zandt ebenso vorhanden ist wie das eines Willie Nelson. Nach 70 Minuten Performance dankt es ihm das Publikum in der Alten Mälzerei mit ebenso langem wie ehrlichem Applaus!
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