Das Historische Museum Regensburg zeigt Gebrauchsgrafiken und deren kulturellen Wert
Der Charme der kleinen Dinge

Kurator Dr. Wolfgang Neiser, der Geschäftsführer des Universitätsverlags, Dr. Albrecht Weiland, und der Leiter des Historischen Museums, Dr. Peter Germann-Bauer (von links), bei der Präsentation. Bild: Wolke
Kultur
Regensburg
23.02.2015
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"Nicht nur für den Augenblick!" Mit einem Ausrufezeichen unterstreichen die Macher der aktuellen Ausstellung im Historischen Museum Regensburg den Titel ihrer Schau. Die Feststellung dürfte vor allem industrielle Hersteller stutzig machen. Allerdings im positiven Sinne. Von Regensburger Seite aus erst einmal über den musealen Wert von Orangenpapieren, Etiketten und Sammelbildern informiert, war die Reaktion der Verpackungsindustrie bislang durchwegs freudig.

Denn genau um diese Dinge geht es im Historischen Museum. Die besagte Ausstellung führt "Ephemera der Papiersammlung Helmut und Dr. Juliane Färber" vor. Soll heißen: Gezeigt wird eine Vielfalt an liebevoll aufbewahrten Gebrauchsgrafiken aus aller Welt. Chinesische Glücksblätter sind ebenso dabei wie jugoslawische Weinetiketten, deutsche Fleißbildchen und indisches Packpapier.

Dass die papierenen Kleinode in den Augen der Kulturwissenschaft längst über den Status des einstigen Wegwerfprodukts hinausgewachsen sind, zeigt die einleitende Formulierung zur Ausstellung. "Mit der Luxus- und Buntpapiersammlung Helmut und Juliane Färber besitzt das Historische Museum einen kulturhistorischen Schatz", heißt es da.

Über Jahrzehnte hinweg hat das Paar eine fast 3000 Blätter umfassende Sammlung zusammengetragen. Dass Helmut und Juliane Färber diese dem Historischen Museum Regensburg zur weiteren Erforschung überlassen haben, war der Grundstein für zweierlei Dinge.

150 Jahre Design

Die aus der Sammlung zusammengestellte Ausstellung führt nun durch 150 Jahre Design-Geschichte. "Die Gebrauchsgrafik, wie sie allerorts in der Werbung und in der Verpackungsindustrie eingesetzt wird, dient als Informationsträger zwischen Hersteller und Verbraucher", erklärt Dr. Wolfgang Neiser. Gleichzeitig dokumentierten diese Gegenstände des Alltags auch die ständige Veränderung desselben, fährt der Kurator der Schau fort.

Doch nicht nur für die bunte Ausstellung ist Dr. Wolfgang Neiser verantwortlich. Der Mitarbeiter des Historischen Museums ist auch Herausgeber eines begleitenden Buches. Der Titel "Luxuspapier, Buntpapier und Ephemera - Die Sammlung Helmut und Dr. Juliane Färber im Historischen Museum der Stadt Regensburg" versteht sich dabei nicht nur als reiner Ausstellungskatalog.

Das Buch ist im Rahmen der "Regensburger Studien und Quellen zur Kulturgeschichte" im Universitätsverlag Regensburg erschienen und wird als Standardwerk gehandelt - über ein Thema, das bisher wissenschaftlich kaum beachtet wurde. "Dies ist das erste Buch seiner Art, das im Handel erhältlich ist", bemerkt Neiser nicht ohne Stolz. Ausstellung und Buch haben die beteiligten Wissenschaftler mitunter vor hohe Herausforderungen gestellt. Es galt nicht nur, Übersetzerinnen für arabische und chinesische Texte zu gewinnen. Auch knifflige Datierungsfragen waren zu klären. Hier war Einfallsreichtum gefragt: Als zeitlicher Anhaltspunkt diente Neiser und seinen Kollegen etwa die Einführung des Strichcodes. Rege Mitarbeit kam auch von Herstellern der Gebrauchsgrafik. Zumindest soweit dies möglich war. Denn Verzeichnisse oder Archive über die Produkte gibt es kaum, davon kann Wolfgang Neiser mittlerweile ein Lied singen.

Nicht nur für den Moment

Die mitunter stiefmütterliche Behandlung ihrer Produkte von Seiten der Industrie könnte sich nun vielleicht ändern. Immerhin ist dort nun bekannt: Diese Dinge sind durchaus nicht nur für den Augenblick. Die Schau läuft bis zum 17. Mai. Öffnungszeiten sind Dienstag bis Sonntag von 10 bis 16 Uhr. Am Ostermontag ist geöffnet, am 3. April und am 1. Mai geschlossen. Weitere Infos gibt es unter Tel. 0941 / 507 24 48 oder www.regensburg.de/Kultur/Museen.

Das Buch "Luxuspapier, Buntpapier und Ephemera" ist im Universitätsverlag Regensburg erschienen und kostet 49,95 Euro.
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