"Das ist keine Schachtel"

Der Starttermin steht bereits fest: Am 26. Mai 2018 soll das Museum der Bayerischen Geschichte am Regensburger Donauufer seine Pforten öffnen. Durch die unregelmäßige Dachstruktur, hier am weißen Modell zu erkennen, soll sich das Museum in das Stadtbild einfügen. Bild: Gibbs
Kultur
Regensburg
05.02.2015
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Der Freistaat schließt eine "Marktlücke": Das Museum der Bayerischen Geschichte, das 2018 am Regensburger Donaumarkt seine Pforten öffnet, konzentriert sich auf das 19. und 20. Jahrhundert.

Museumsplaner Richard Loibl erläuterte am Dienstagabend die inhaltliche Konzeption - und verteidigte die nicht unumstrittene Architektur. Das Interesse an dem Museumsbau ist groß: Zur Infoveranstaltung im Runtingersaal, organisiert vom Haus der Bayerischen Geschichte (HdBG), dem Historischen Verein für Oberpfalz und Regensburg, dem Arbeitskreis Regensburger Bürger und der Vereinigung Freunde der Altstadt Regensburg, kamen über 200 Interessierte, viele mussten stehen.

Das neue Museum soll die bayerische Museumslandschaft nicht sprengen, sondern sich einfügen, betonte HdBG-Direktor Loibl. Kein staatliches Museum kümmere sich bislang um die Überlieferung des modernen Bayerns. Dass die zentrale Dauerausstellung nicht in der Landeshauptstadt München, sondern in Regensburg ihren Platz findet, sei bemerkenswert.

Kein Unesco-Einwand

Etwas verwundert zeigte er sich über die Diskussion, die der Siegerentwurf des Architekturbüros Woerner und Partner aus Frankfurt in Regensburg ausgelöst hat. "Es ist wichtig, über Bauprojekte zu streiten, aber man muss dem Entwurf schon gerecht werden", sagte Loibl. Als "Klotz" oder "Schachtel" könne man das geplante Gebäude keinesfalls bezeichnen. Im Gegenteil: Das Haus gliedere sich durch die unregelmäßige Dachstruktur und die platz- und gassenartigen Elemente bestens an die Struktur Regensburgs an. "Auch die Unesco hatte nichts einzuwenden."

Und noch eine Kritik stört Loibl: "Wenn Leute sagen, das wird ein Gerümpelmuseum, stinkt mir das." Hintergrund ist, dass die Planer die bayerische Bevölkerung aufgefordert haben, für die Ausstellung Objekte aus dem 19. und 20. Jahrhundert zur Verfügung zu stellen - von der Pickelhaube bis zur Chiantiflasche aus dem ersten Italienurlaub. Mit den Objekten wolle man die Lebenswelten der Menschen abbilden. Gerade zum Ersten Weltkrieg sei eine riesige Utensilien-Sammlung zusammengekommen, betonte Loibl. "So lernen die kommenden Generationen, was Krieg bedeutet."

Die Dauerausstellung auf 2500 Quadratmetern im ersten Stock soll in neun Generationen unterteilt werden, von 1800 bis 2025. Vom Königreich über die NS-Zeit und das Wirtschaftswunder bis heute deckt sie die neuere bayerische Geschichte ab. Ein Roboter im Wert von 1,5 Millionen Euro sorgt für den Ausblick in die Zukunft. Ein Zeitstrahl soll den Besucher Orientierung geben.

Objekte, Bilder, Fotos

Schlaglichtartig werden Themen auf Ausstellungsbühnen präsentiert. Objekte, Bilder, Fotos und Informationen spielen dabei zusammen. Wer tiefer in ein Thema einsteigen will, kann sich Hintergründe auf sein Smartphone laden. Besonders spannend für die Oberpfälzer hält Loibl die "WAA-Bühne", die sich mit den Protesten gegen die Wiederaufbereitungsanlage in Wackersdorf in den 80er Jahren beschäftigt. Dafür haben die Museumsmacher unter anderem Original-Banner und zwei Lederhosen der Well-Brüder ("Biermösl Blosn") von den Anti-WAA-Festivals gesammelt. "Die Toten Hosen suchen noch", sagte Loibl schmunzelnd.

"Himmel der Bayern"

Im Erdgeschoss findet das großzügige Foyer mit der Installation "Himmel der Bayern" Platz. Durch die Eingangshalle kann auch jeder Nicht-Museumsbesucher schlendern, der ans Donauufer gelangen will. 1000 Quadratmeter sind für Sonderausstellungen geplant. Eine Zweiteilung des Raums ist möglich, um parallel Veranstaltungen abhalten zu können. Ein Multivisions-Schauraum lädt zum Erleben der bayerischen Geschichte vor 1800 ein, ein Museumswirtshaus zum Verweilen und ein Museumsladen zum Kaufen von Souvenirs. Medienarchiv und Schulungsräume runden das Museum ab.

Insgesamt ist das Museumskonzept noch nicht in Stein gegossen, erklärte Loibl. "Bis Mitte 2016 kann noch viel passieren." Fest steht hingegen bereits der Starttermin. Am 26. Mai 2018 soll das 67,3 Millionen Euro teure Museum der Bayerischen Geschichte seine Pforten öffnen - genau 200 Jahre nach dem Erlass der Verfassung des Königreichs Bayern.
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