Das Regensburger Künstlerhaus Andreasstadel lädt zu seinen bereits traditionellen Kulturtagen
Karger Acker und fruchtbarer Boden

Das "Schneehemd" von Babette Ueberschär bedeckt derzeit den Boden unter dem Dach des Regensburger Andreasstadels. Bild: Wolke
Kultur
Regensburg
26.10.2015
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Wie der Zauber des ersten Schnees liegt das Colorit über dieser Ausstellung. Weiß: die Farbe der Unschuld, in manchen Kulturen auch die der Trauer. Babette Ueberschär braucht nicht mehr. Draht, Papier, Holz: Alles ist bei ihr von einem kreidigen Ton überzogen.

In ihren Arbeiten schöpft die in Ingolstadt lebende Künstlerin die ambivalente Wirkung der Farbe Weiß aus, und zwar in ihrer ganzen Breite. Dies zeigt momentan eine Ausstellung im Künstlerhaus Andreasstadel. Bei den Kulturtagen 2015 wurde dort die Schau "Ins-Weiß-Gehen" mit Objekten, Installationen und Plastiken von Babette Ueberschär eröffnet.

Andächtige Atmosphäre

Der Ort ist gut gewählt. Zwischen den rohen Balken und dem dunklen Holzfußboden verströmen Ueberschärs Arbeiten unter dem Dach des Andreasstadels eine regelrecht andächtige Atmosphäre. Zwischendurch klirren zwar die beweglichen Löffel eines "Suppenstücks". Ansonsten aber herrscht Stille.

Zwischen Taufkleid und Totenhemd. Dieser Eindruck drängt sich auf angesichts der Arbeiten, in denen Babette Ueberschär immer wieder die Erinnerungen an eine vom ländlichen Leben geprägte Kindheit verarbeitet. Häufig verwendete Puppentorsi, die die Künstlerin einer Totenmaske gleich modelliert hat, stehen an der Schwelle zwischen Unschuld und Leid. Wie ein vom Frost überzogener karger Acker liegt das "Schneehemd" vor dem Betrachter. Die Installation aus Papier, Draht und Kreidefarbe hat Babette Ueberschär eigens für die Regensburger Ausstellung konzipiert. Vergänglichkeit und Verletzlichkeit, das sind die Themen, die sie aufgreift aufgreift. Der menschliche Körper und vor allem seine Haut kommen bei ihr immer wieder vor. Neben den eigenen Erinnerungen dient er für die Künstlerin als weitere Inspirationsquelle.

Die Arbeiten von Babette Ueberschär wirken archaisch. Werke wie ihr steinhartes "Kissen" oder die "Schürze" aus Draht und Papier assoziieren die Vorstellung eines harten und entbehrungsreichen Lebens.

Ort des kreativen Schaffens

Ueberschär ist nicht die einzige Künstlerin im Programm der diesjährigen Kulturtage des Andreasstadels. Auf ein Neues präsentiert sich das von der Kunst- und Kulturstiftung Oswald Zitzelsberger getragene Künstlerhaus als ein wichtiger Ort des kreativen Schaffens in Regensburg.

Traditionell gab es Führungen durch die einzelnen Ateliers, die hier untergebracht sind. Junge Künstler, die ein Stipendium der Stiftung erhalten haben, dürfen hier für einige Zeit mietfrei arbeiten. Ein Spektrum, das von Zeichnung und Malerei über Holzbildhauerei und Schmuckdesign bis hin zu Theater und Film geht, zeigt die Vielseitigkeit des künstlerischen Nachwuchses.

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Die Ausstellung "Ins-Weiß-Gehen" mit Arbeiten von Babette Ueberschär im Künstlerhaus Andreasstadel, Andreasstraße 28, in Regensburg wird am 31. Oktober von 16 bis 20 Uhr mit einer Performance beendet.
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