Der Kunstverein "Graz" trotzt der allgemeinen Frühlingsstimmung und malt schwarz
Farbe kommt hier nicht ins Haus

Kultur
Regensburg
14.04.2015
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Es war wohl die schwärzeste Stunde in der Geschichte des Kunstvereins "Graz". Herren in Beerdigungsanzügen wanderten durch die Räume, Trauerflor aus ungewöhnlichen Materialien säumte den Eingang. Grund zu Kummer oder schlechter Laune gab es dennoch nicht. Zur Schwarzmalerei hingegen schon. Dazu hatte der Kunstverein "Graz" ausdrücklich aufgerufen.

"Schwarze Arbeiten" lautet der Titel der neuesten Ausstellung. Der Grund: Renate Christin, Vorsitzende des Kunstvereins und Kuratorin der Schau, will die Welt trotz allgemeiner Frühlingsstimmung in düsteren Farben sehen. Bei den Künstlern aus den Bereichen Malerei, Fotografie, Installation und Video wurden für die Schau gezielt Arbeiten in der symbolbeladenen Nichtfarbe ausgesucht

Internationale Künstler

Herausgekommen ist eine Ausstellung, die zwischen Eleganz und Grufti-Atmosphäre schwebt. Acht internationale Künstler beteiligen sich an der Schau. Neben Renate Christin sind außerdem zu sehen: Brigitte Berndt aus Regensburg, Giancarla Frare aus Rom, Horst Wagner aus Erfurt, Johann Jascha aus Österreich sowie Jutta Bock von Wülfingen, Marco Maurer und Steve Braun aus Nürnberg. Gehuldigt wird dabei sowohl der Farbe Schwarz als auch dem, was man damit verbindet. Johann Jaschas Fotografien mit den verzerrten Gesichtern etwa könnten einem klassischen Horrorfilm entstammen. In Wirklichkeit handelt es sich bei den Arbeiten unter dem Titel "Griff ins Ich" um Selbstportraits. Im Abstand von rund 40 Jahren hat der Künstler sich und seine seelische Verfassung gespiegelt.

Tendenziell eher schaurig auch die Skulpturen von Brigitte Berndt. Aus Fundstücken wie Obstkisten, Maschendraht und Fahrradschläuchen hat die Künstlerin schwarze Kreuze zusammengebaut. Der Titel "noli me tangere" ist wörtlich gemeint. Bitte nicht berühren. Um archaische Rituale dreht sich Horst Wagners großformatige Zeichnung "Grillparty". Vom Schießen der Sau bis zu deren Verzehr hat er das familiäre Beisammensein in Grautönen aufgezeichnet. Marco Maurer machte sich nachts auf Fotopirsch durch Friedhöfe, Straßen und Gebäudegruppen.

Schlaf-Aufzeichnungen

Um Fotografie geht es auch bei Steve Braun. Er hat sich selbst im Schlaf aufgenommen. Mittels Langzeitbelichtung sind die Bewegungen des Träumenden aufgezeichnet. Jutta Bock von Wülfingen hat in ihren Kreidezeichnungen undurchdringbare Gestrüppe schwarzer Linien aufs Papier gebracht. Und dann ist da noch Renate Christin selbst. Sie zeigt zwei Teile ihres Kunstprojekts "Straßen in Europa". Dafür hat die Künstlerin auf alten Wegen Spuren der Gegenwart gesichert und konserviert. Christin ist wegweisend. Und mit ihrer aktuellen Ausstellung trifft sie genau ins Schwarze.

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Die Ausstellung läuft bis zum 2. Mai im Kunstverein "Graz", Schäffnerstraße 21 in Regensburg. Öffnungszeiten: Freitag und Samstag von 16 bis 19 Uhr.
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