Der Schmetterling als Kunstobjekt
Flatterding und Todesbote

Ohne tote Tiere, aber mit Todesbotschaft: Madeleine Schollerers Sammlung aus Schmetterlingen und Kampfjets. Bild: Wolke
Kultur
Regensburg
23.07.2016
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Von Susanne Wolke

Regensburg. Es ist gar nicht so einfach: eine Ausstellung zusammenzustellen, die Schmetterlingsbilder und hohen künstlerischen Anspruch vereint. Diese Erfahrung hat Isabelle Lesmeister gemacht. Und dennoch: Die derzeitige Sommerausstellung der Regensburger Galeristin präsentiert Bilder der Schönheit, aber jenseits des Kitsches. Leben und Blüte, Tod und Verfall gehen einher in zeitgenössischen Auslegungen des "memento mori".

Bemerkenswerte Künstler


"Papilio" lautet der Titel der Ausstellung - "Schmetterling". Für die Präsentation hat Isabelle Lesmeister einige bemerkenswerte Künstler vereint. "huber. huber" etwa sind in ihrer Heimat Schweiz längst ein bedeutendes Künstler-(Zwillings)-Paar. Die Arbeiten der beiden, die nun in Regensburg zu sehen sind, beschäftigen sich mit der Vergänglichkeit.

In Collagen haben Reto und Markus Huber alte Fotografien und Fragmente von Schmetterlingsflügeln zusammengefügt. Pastellige Bruchstücke legen sich über verblichene Urlaubsfotos. Auf anderen Bildern kreieren die beiden Künstler geisterhafte Mischwesen aus den Bildern von Schmetterlingen und Ureinwohnern, entnommen aus historischen Lehrbüchern.

Schwarzer Scherenschnitt


Direkten Bezug auf den Tod nimmt Madeleine Schollerer, die ebenfalls derzeit in der Galerie Lesmeister zu sehen ist. Die schwarzen Scherenschnitte der Straubinger Künstlerin reihen die Silhouetten von Schmetterlingen ganz klassisch in Kästen auf. Die in echten Schmetterlingssammlungen eigentlich toten Tiere führen die Vergänglichkeit zusätzlich durch ihre Symbolik vor Augen.

Denn: Der schwarze Schmetterling gilt im asiatischen Kulturraum als Todesbote. Durchaus passend dazu hat Madeleine Schollerer ihre Aufreihung fliegender Insekten durch die Umrisse von Kamikaze-Fliegern ergänzt.

Mitten in der Bewegung konserviert erscheinen die "fliegenden Juwelen" bei der dritten Künstlerin der Ausstellung: Sandra Kantanen aus Finnland arbeitet mit Fotografien von Schmetterlingen und anderen Insekten. Der Hintergrund der Bilder ist weggenommen, Schmetterlinge und allenfalls Blüten erscheinen vor einer monochromen Fläche. Die Bilder Sandra Kantanens wirken dadurch greifbar und wie echte Schmetterlinge. Sie erinnern stark an Lehrmodelle aus dem Biologieunterricht.

Ästhetisch ansprechend sind sie alle, die Schmetterlingsbilder in der Ausstellung "Papilio". Aber auch tiefgründig. Schönheit und Geist - dieser Spagat ist Isabelle Lesmeister in ihrer Zusammenstellung gelungen.

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Die Ausstellung "Papilio" läuft bis zum 17. September in der Galerie Isabelle Lesmeister, Obermünsterstraße 6 in Regensburg. Öffnungszeiten sind Dienstag bis Freitag von 14 bis 18 Uhr, Samstag von 12 bis16 Uhr. Weitere Infos gibt es unter www.galerie-lesmeister.de oder unter Telefon 0941/38137747.
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