Der Stieglitz in der Kunst
„Passion Christi“ in buntem Gefieder

Das Naturkundemuseum Ostbayern in Regensburg widmet dem Stieglitz eine künstlerische Schau. Von Günter Haselbeck stammt diese Ansicht des bunten Vogels. Bild: Wolke
Kultur
Regensburg
22.09.2016
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Es verwundert eigentlich, dass Wolfgang Stieglitz nicht schon längst auf die Idee gekommen ist. Als der ehemalige Lehrer und Galerist nämlich vor eineinhalb Jahren beschlossen hat, seinem Namensvetter eine Kunstsammlung zu widmen, hat er einen Stein ins Rollen gebracht.

Mehr als 200 Künstler aus der Region haben sich mittlerweile mit mindestens einer Arbeit dem farbenfrohen Distelfink gewidmet. Dem kleinen Piepmatz ist es also zu verdanken, dass derzeit regionale Größen wie Manfred Sillner, Hans Lankes, Günter Dollhopf und Rita Mühlbauer in einem Thema vereint im Naturkundemuseum Ostbayern in Regensburg hängen. Neben den Werken dieser Künstler gibt es eine wahre Flut weiterer Stieglitz-Darstellungen: teils als klassische Tierdarstellung, dann wieder abstrahiert, poetisiert oder karikiert.

Der Grund für die Präsentation der Stieglitz-Sammlung im Naturkundemuseum liegt nahe: Der Stieglitz ist der Vogel des Jahres 2016. "Diese Erhebung hat meiner Sammlung noch einen gehörigen Auftrieb gegeben", sagt Wolfgang Stieglitz.

Günstig bekommen


Als ehemaliger Galeriebetreiber in Cham brauchte der Kunst- und Vogelliebhaber nur in seinem Bekanntenkreis um Beiträge zu bitten. "Viele der teilnehmenden Künstler waren früher in meiner Galerie vertreten", erklärt Stieglitz den Grundstein seiner umfangreichen Sammlung. Die Werke hat er in der Regel geschenkt oder zu einem günstigen Preis überlassen bekommen.

Als Folge des ornithologischen Malaufrufs traf bei Wolfgang Stieglitz solch eine Fülle an Arbeiten ein, dass diese den Ausstellungsraum des Naturkundemuseums fast zum Bersten bringen. Die Schau, die die Stieglitz-Sammlung nun ganz im Sinne der dort angestrebten Verbindung zwischen Kunst und Wissenschaft zeigt, platzt aus allen Nähten. Stieglitz-Bilder überziehen die Wände hier von der Decke bis zum Boden.

Niederknien vor dem Vogel des Jahres heißt es hier also im wahrsten Sinne des Wortes. Dass neben regionalen Künstlern und Hobbymalern auch Abdrücke von Klassikern wie Raffael oder Miró vertreten sind, hängt mit der christlichen Ikonographie des Stieglitz zusammen.

Christlicher Hintergrund


Traditionell verkörpert der farbenfrohe Vogel mit dem unverwechselbaren roten Gesichtsfeld nämlich die Passion Christi. Kein anderer Vogel ist so oft auf religiösen Darstellungen seit dem Mittelalter zu finden wie der Stieglitz. Der Sage nach bekam der bunte Fink sein auffälliges Federkleid, indem der liebe Gott nach der Schöpfung seine Pinsel an ihm abwischte.

Sowohl auf den christlichen Hintergrund als auch auf die Sage gehen einige der im Naturkundemuseum gezeigten Bilder ein. Andere zeigen den Stieglitz schlichtweg als dekoratives Tier. Wieder andere Künstler haben den Vogel in ihre eigene unverwechselbare Bildsprache eingebunden. Das Ergebnis ist eine opulente und gut gelaunte Ausstellung, die in Zukunft auch an andere Stationen zu sehen sein soll. Ein Glück für Museumsbetreiber und Besucher, dass Wolfgang Stieglitz endlich auf diese Idee gekommen ist.

ServiceAusstellung: "Der Stieglitz". Bis 30. Oktober.

Ort: Naturkundemuseum Ostbayern, Am Prebrunntor 4, Regensburg.

Öffnungszeiten : Montag von 9 bis 12, Dienstag bis Freitag von 9 bis 16 und Sonntag von 10 bis 17 Uhr.

Informationen unter Telefon 0941/507-3443 oder unter info@nmo-regensburg.de.

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Weitere Informationen:

www.nmo-regensburg.de
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