Der „Thurn und Taxis Kabarettpreis“ zeigt: Bayern ist Nährboden für lustiges Lästern
Martin Frank führt den Siegeszug der Landeier

Martin Frank aus Niederbayern nahm Zuschauer und Jury beim "Thurn und Taxis Kabarettpreis Regensburg" mit dem Bübchenschema für sich ein. Bild: hfz
Kultur
Regensburg
23.03.2016
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Von Susanne Wolke

Regensburg. Wo genau liegt eigentlich das Problem von Martin Frank? Er ist doch der perfekte Schwiegersohn! Modisch und dennoch sauber gekleidet, ein ordentlicher Kurzhaarschnitt, anständiges Benehmen. Blöd dabei ist bloß: Potenzielle Schwiegermütter und potenzielle Freundinnen sind nicht immer der gleichen Ansicht. Ein Grund dafür, dass der gute Martin noch immer artig für mehr Zuspruch vonseiten des weiblichen Geschlechts bitten muss.

Gut für das Milchgesicht: Erfolg macht sexy. Und davon hat Martin Frank derzeit genug. Beim diesjährigen "Thurn und Taxis Kabarettpreis Regensburg", der in der Alten Mälzerei vergeben wurde, räumt er ab. Man tut sich schwer zu behaupten, dass der höfliche Martin seine Konkurrenten rücksichtslos aus der Bahn schubst. Fest steht allerdings: Das Bübchen ist der Sieger bei der "Nacht der Sieger". Und zwar in zweierlei Hinsicht. Sowohl den ersten Preis beim Nachwuchswettbewerb als auch den Publikumspreis heimst Frank ein. Und zwar ebenso unschuldig, wie gnadenlos. Im Publikum sitzen viele Zuschauerinnen im Schwiegermutter-Alter.

Einstecken und Austeilen


Franks Kontrahenten geben sich gelassen. Einstecken gehört bei ihnen ebenso zum Geschäft wie Austeilen. Wobei eigentlich alle eher nett wirken. Liegt wohl auch am Alter: Der Kabarettpreis widmet sich dem Nachwuchs. In diesem Bereich gilt die alle zwei Jahre ausgerufene Auszeichnung als der Wettbewerb schlechthin.

Heuer zum elften Mal treten in der Alten Mälzerei sechs Kandidaten an, die sich dem Publikum mit einem 20-minütigen Programm zu stellen haben. Frank ist dabei der jüngste. Herzerweichend und händeringend berichtet der Bub vom Lande von seinen harten Erfahrungen in der Großstadt. München wird dem Jungen wohl immer ein Rätsel bleiben - ebenso wie er selbst den Münchnern, die schon durch ein herzliches "Grüß Gott" in der U-Bahn zu verschrecken sind.

Eines stellte sich bei dem Preis heraus: Die Jury ist nicht bestechlich. So ist der brave Martin Frank - natürlich - einer der wenigen, der keine gesteigerte Hinwendung zum Alkohol, insbesondere zum Bier, offenbart. Bei ihm ist die Herzensdame weder "der Schaum auf dem Weißbier", wie bei Robert "Bobbe" Ehlis, der als Lokalmatador aus Alteglofsheim antritt. Noch ist er der Ansicht: "Besser ein stadtbekannter Säufer als ein anonymer Alkoholiker." Diese Weisheit vertritt Simon Pearce aus München. Während auch "De Laddshosen" aus Oberbayern bierselige Klänge an den Mann bringen, gibt es noch einen, der nicht groß auf alkoholische Exzesse eingeht: Robert Alan aus Unterfranken beschreibt vielmehr seine Vorliebe für Glutamate. Zweiter Platz.

Kabarett hat Zukunft


So unterschiedlich manche der Kandidaten auch sind, einige Themen kehren immer wieder: Die Frauen, die Selbstfindung und das in Bayern ausgeprägte Stadt-Land-Gefälle. Ein Niederbayer in München, ein "Neger" in Oberbayern - Simon Pearce trägt die politische Richtung seiner Heimat sozusagen auf die Haut gebrannt. Was täten die Kabarettisten nur ohne ihre besten Musen, die guten alten bayerischen Landeier? Keine Frage: Kabarett in Bayern, das hat Zukunft!
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