Die amerikanische Gesellschaft hat sich verändert
Interview mit Walter Salas-Humara

Heute, im Zeitalter von Streamingdiensten, kann auch ein so stilprägender Sänger und Gitarrist wie Walter Salas-Humara (immerhin hat er Alternative Country mit aus der Taufe gehoben) nicht mehr allein von seiner Musik leben. Deshalb greift er immer wieder zum Pinsel, und malt Hunde, in einem sehr anschmiegsamen, der Pop-Art verpflichteten Stil. Bild: hfz
Kultur
Regensburg
13.05.2016
45
0

Von Peter Geiger

Regensburg. The Silos aus New York, mit Walter Salas-Humara im Kreativzentrum als Songwriter, Gitarrist und Leadsänger, gehörten ab 1985 zur besonderen Gruppe all jener "Critics' Darlings-Bands", die - ähnlich wie Velvet Underground, die späten Byrds, Television, die Feelies oder Green On Red - einfach zu gut und ihrer Zeit voraus waren, um ihre eminent einflussreiche Musik so verkaufen zu können, wie sie es verdient hätten.

Sie standen für sensiblen, klugen, einprägsamen amerikanischen Indie Pop-goes-Alt.Country Rock der Königsklasse, der die Rezensenten begeisterte und sich in den Jahreslisten der einschlägigen Rock-Magazine platzierte. Am 16. Mai spielt Walter Salas-Humara - mit Philipp Knapp und Max Huber - in Regensburg. Die Kulturredaktion führte mit ihm dieses Interview.

Worauf freuen Sie sich am meisten, wenn Sie jetzt in Deutschland gastieren?

Walter Salas-Humara: Was schön für uns ist: Wir touren durch ganz Deutschland, gastieren aber nicht nur in den Zentren wie in München oder Berlin, sondern auch in kleinen Clubs in der Provinz. Wir spielen im hessischen Eppstein genauso wie im oberschwäbischen Ravensburg - und natürlich auch in Regensburg. Wir mögen das sehr: Am Nachmittag vor dem Auftritt Städte und Schlösser anschauen, herumspazieren, all das Geschichtsträchtige ...

Früher spielten Sie in Bands wie den Setters oder den Silos - heute dagegen kommen Sie solo, begleitet von nur zwei Musikern. Genießen Sie diese Freiheit?

Ich mag vor allem, dass die beiden Musiker, die mich begleiten, unglaublich talentiert sind. Kennengelernt hab' ich sie über Peter Schneider, einen Münchner, der mal das "Veracity"-Label betrieben hat. Ich war ja selbst früher Drummer: Deshalb kann ich ganz beurteilen, was Max Huber leistet. Ganz ehrlich: Er trommelt nicht einfach. Alles, was er spielt, ist ungeheuer musikalisch und melodiös! Und Philipp Knapp ist Multi-Instrumentalist, er spielt Klavier und Orgel, Gitarre und Bass - und singen kann er auch noch! Und so entsteht live auf der Bühne die europäisch-amerikanische Mischung von Stilen, die man auch auf meinem neuen Album "Explodes and Disappears" hören kann ...

Alternative Country stand immer in einem kritischen Verhältnis zu den herrschenden Verhältnissen in den USA. Wie beurteilen Sie die gegenwärtige Situation, wenige Monate vor den Präsidentschaftswahlen?

Was für mich an dieser Wahl wirklich faszinierend ist, das ist nicht die Tatsache, dass da Verrückte und Kriminelle dabei sind. Nachdem das Kandidatenfeld auf fünf zusammengeschrumpft war, waren zwei der republikanischen Bewerber übrig geblieben, deren Vorfahren aus Kuba stammen. Einer kommt aus einer jüdischen Familie - und es ist auch eine Frau dabei. Auch wenn das alles normal sein sollte, zeigt es doch: Heutzutage haben nicht mehr nur weiße, männliche Protestanten mit europäischem Hintergrund allein das Sagen. Die amerikanische Gesellschaft hat sich ziemlich verändert.

Wen favorisieren Sie?

Ganz klar, mein Herz schlägt für den Demokraten Bernie Sanders. Ganz einfach deshalb, weil er ziemlich ehrlich ist. Trotzdem glaube ich, dass Macht und Einflussmöglichkeiten dieses Amts insgesamt überschätzt werden. Man hat das ja in den vergangenen acht Jahren bei Barack Obama gesehen!

___

Das Walter-Salas-Humara-Trio spielt am Montag, 16. Mai (20.30 Uhr) im Ostentor-Kino (Adolf-Schmetzer-Straße 5) in Regensburg. Karten an der Abendkasse.
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.