Die Dinosaurier sterben nicht aus

Rick Parfitt (links) neben Ian Gillan: Die Frontleute von Status Quo und Deep Purple stehen ausnahmsweise mal gemeinsam auf der Bühne. Allerdings nur ganz zum Schluss, als das Treffen von Rock-Giganten und Symphonikern mit "Smoke on the Water" ein furioses Finale bekam. Bild: Helmut Kunz
Kultur
Regensburg
30.03.2015
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Wenn er "Black Night" singt und man die Augen schließt, dann ist es so wie vor 45 Jahren in der verräucherten Diskothek. Die Stimme von Ian Gillan ist unverwechselbar. Deshalb war er auch bei seinem vierten Auftritt innerhalb weniger Jahre in Regensburg ein Höhepunkt.

Wie war das doch gleich mit der Rock-Röhre, die so klingt, als ob man einen rostigen Nagel aus dem Brett zieht? Damenbesuch in einer von Männern regierten Klangwelt. Jawohl: Gianna Nannini war da. Quirlig wie eh und je. Erst "Bello e impossibile", dann Modugnos "Volare". Stimmung kam auf in dem nüchternen Beton-Palast namens Donauarena.

Hämmernde Institution

5000 Leute auf Italien-Trip. Da musste selbst Reibeisen-Rocker Marc Storace aus der legendären eidgenössischen Krokus-Band passen. Obgleich sein Beitrag zu dieser Neuauflage von "Rock meets Classic" sehr passabel war. Vorne die Matt-Sinner-Band als hämmernde Institution, dahinter 40 junge Damen und Herren des Bohemian Symphony Orchestra aus Prag. Vereint auf einer Plattform, die schon seit etlichen Jahren verdeutlicht, dass sich Musik eng verzahnen kann. "Roll over Beethoven"? Mag sein, dass der alte Herr mal kurzzeitig von einem Tsunami der Rockmusik weggeschwemmt wurde.

Doch die Zeit konnte ihm nichts anhaben. Er ist ein Fels in der Brandung geblieben. Chuck Berry hin und Buddy Holly her. Wer war diesmal noch ganz vorne an der Rampe? Erst John Wetton, der ehedem für King Crimson und später bei Asia sang. Was kennt man von ihm? "Heat of the Moment". Er hat es gemacht. Dann der junge Amerikaner Eric Martin von Mr. Big. Songs vom Feinsten: "Wild World" von Cat Stevens, danach "To be with you". Es durfte mitgesungen werden. Die Zeitreise ging weiter.

Ein Fender-Fan

Mit einem lebenden Stück Urgestein. Rick Parfitt, ein Fender-Fan seit "Pictures of Matchstick-Man", rastlos unterwegs auf dem Planeten zusammen mit Status Quo. Rock 'n' Roll aus der Schrumm-Schrumm-Ecke und deswegen zwischen Alaska und Feuerland so beliebt, weil er den Hau-Drauf-Weg geht. Allerdings: Das Parfitt-Parfait ist nur dann perfekt, wenn die Rossi-Rosinen dabei sind. Wenn Francis Rossi, wie bei dieser Tournee, nicht mit auf der Bühne erscheint, fehlt einer.

Trotzdem Begeisterung: "Rockin' all over the World" auch ohne Rossi noch immer besser wie beim Song-Erfinder John Fogerty, "Down Down" und "Whatever you want" als zwei die Zeit überdauernde Hymnen. Laut, schrill und schlichtweg gut. Dann das Finale. Flammen vor den ersten Parkettreihen, Luftschlangenregen, Feuerwerk. Für einen, der heuer 70 Jahre alt wird. Ian Gillan aus Hounslow/Middlesex. In enger Verbindung mit Namen wie Roger Glover, Jon Lord und David Coverdale. Frontmann von Deep Purple und einer, der als Sänger zur Legende geriet. Sein Programm, so noch nie in Regensburg gehört, ist eine Diamanten-Kollektion. "Hush" und "Black Night", "Highway Star", "When a blind Man cries" und "Perfect Strangers".

Zum Schluss "Smoke on the Water" mit einem Anfangsriff, das zusammen mit den ersten Keith-Richards-Akkorden zu "Satisfaction" als unverwechselbar in die Geschichte einging. Traumhaft gut und ein Beweis dafür, dass manche Dinosaurier doch nicht ausgestorben sind.
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