Die "Negerländer" sind Geschichte

Abschied im "Leeren Beutel": (von links) Heinz Grobmeier, Mike Reisinger (Bassklarinette), der den Part von Norbert Vollath übernimmt, Bertl Wenzl (Saxofon) und Roland Biswurm (Schlagzeug) setzen dem verstorbenen Kollegen ein musikalisches Monument und beenden "Die Negerländer". Bild: Reitz
Kultur
Regensburg
19.11.2015
34
0

Mit Norbert Vollath verlor die Musikszene in Bayern Anfang Oktober einen ihrer vielseitigsten Künstler. Er war Ur-Negerländer und schuf mit seinen Kollegen Klangräume für Neue Musik, Avantgarde, Jazz und Blasmusik.Nun geben die Negerländer ihr Abschiedskonzert im "Leeren Beutel".

"Wir verabschieden uns von einem großartigen Menschen, wunderbaren Musiker und guten Freund!" - unter diesem Motto steht der Abend im "Leeren Beutel". Alle sind gekommen, Freunde und Musikbegeisterte, aktive Musiker gleichermaßen wie Zuhörer, die mit seiner Musik seit mehr als dreißig Jahren verbunden sind.

Im vergangen Jahr feierten die "Negerländer" ihr 30. Bühnenjubiläum, nun ist die Band Geschichte. Mit drei Saxophonen und Schlagzeug setzten sie neue musikalische Maßstäbe. Bei ihrem definitiv letzten Auftritt übernimmt Mike Reisinger den Platz des im Oktober verstorbenen Norbert Vollath und der charismatische Klangkörper weckt Erinnerungen an wunderbare Konzerterlebnisse.

Tradition aus New Orleans

Winni Freisleben, der Begründer des Jazzclub Regensburg, erinnert am Anfang an eine alte Tradition in New Orleans, wenn bei einem Begräbnis nach den Trauerfeierlichkeiten ausgiebig gefeiert und getanzt wurde: "Das wäre voll im Sinn von Norbert!"

Heinz Grobmeier, Bertl Wenzl und Mike Reisinger sorgen mit einem ganzen Arsenal von Holzblasinstrumenten für den satten, vollen Klang, Roland Biswurm untermalt mit seinen Trommeln und diversen Perkussionsinstrumenten. Ganz im Stil der New-Orleans-Brassbands schwankt die Stimmung zwischen getragenen, ausdrucksvollen Stücken und ausgelassenen, lebensbejahenden Rhythmen, die zum Tanz auffordern.

Aber Norbert Vollath hatte neben seiner musikalischen Talente auch eine Ader für Literatur. So zeichnen die Literaten Karl Krieg und Bernhard Setzwein ein stimmungsvolles Bild des Verstorbenen als lebensfrohen, kreativen und bodenständigen Menschen - ein Leben, das von den vier Elementen Wasser, Erde, Luft und Feuer geprägt war, ein Leben, das zwischen Avantgarde und Tradition, zwischen Natur und Kunst keinen Unterschied machte. "Schrill wollen wir gedenken! Das Denkmal, das wir setzen, ist Musik!"

Ihre Texte werden unterlegt von Mike Reisinger an Saxofon, Bassklarinette und Melodica, sowie Anka Draugelates mit Stimme, Viola, Hackbrett und diversen Perkussionsinstrumenten - Musik als Steigerung des Ausdrucks, Musik als Vertiefung und Akzentuierung der Worte.

Schließlich setzen die Negerländer mit einer an Blues und Swing orientierten Komposition den Schussakkord zu einer 30-jährigen Erfolgsstory. Dazu kommt ein aus Plastikrohren selbst gebautes Instrument, das mit Filztappen angeschlagen wird, zum Einsatz: Die Negerländer sind Geschichte. Der zweite Teil des Abends gehört den "Freunden": Mit E-Gitarren, Keyboards, Akkordeon, Posaune, Kontrabass, Kora, Okarina und unzähligen anderen Instrumenten wird die vielfältige Welt der Musik lebendig.

Da intoniert die "Christmas Band" soulige, rockige Songs, da erklingen irische Folksongs neben avantgardistischen freien Improvisationen, da werden Gedichte rezitiert, da entstehen fernöstliche Klangwelten mit exotischen Instrumenten. Georg Janker am Kontrabass und Fredi Pröll am Schlagzeug erinnern in einer Duo-Improvisation an das "Trio Pröll, Vollath, Janker", mit dem neue Klanglandschaften erforscht und ausgelotet wurden.

Im Sinne von Vollath

Unter die Haut geht die Stimme von Anka Draugelates in einer einzigartigen Interpretation des bekannten Songs "Black is the Colour", begleitet lediglich mit einem Tischharmonium. Man hält den Atem an und hört die sprichwörtliche Stecknadel fallen. Ein Abend ganz im Sinne von Norbert Vollath geht zu Ende - seine Freunde werden die musikalische Botschaft fortführen und weiterreichen.
Weitere Beiträge zu den Themen: Lea (13792)November 2015 (9610)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.