Die Tanz-Compagnie des Theaters Regensburg zeigt in "Tanz.Fabrik! drei" viel eigenständige ...
Ausdrucksstarke Partnerschaften

Yosuke Kusano und Alessio Burani in Alessio Buranis Chroreographie "Unexpected". Bild: Juliane Zitzlsperger
Kultur
Regensburg
25.06.2015
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In Bezug auf die Tanzproduktion "Tanz.Fabrik! drei" des Theaters Regensburg sollte man sich Folgendes einmal wieder in Erinnerung rufen: Zwar werden die Mitglieder einer Ballett-Compagnie für ihre hervorragenden tänzerischen Leistungen oft gefeiert. Aber das große Lob für die Kreativität und die Innovation einer Tanzproduktion bleibt meist dem Choreographen vorbehalten, der in vielen moderneren Werken auch noch Autor des Stoffes ist.

Er zieht in der Regel die Fäden und gestaltet eine Produktion inklusive aller Bewegungsabläufe nach seinen Vorstellungen. Für die Tänzerinnen und Tänzer eines Ensembles bleibt da oft wenig Spielraum, um eigene Ideen in eine Produktion mit einzubringen.

Innovativer Abend

Umso interessanter ist es, wenn sich die Mitglieder einer Compagnie an einem Tanzabend nicht nur als Ausführende, sondern auch als Ballettkunst-Schaffende präsentieren. Dies geschieht am Theater Regensburg bereits seit der Spielzeit 2004/2005, als die Mitglieder damals unter dem Titel "Junge Choreographen" erstmalig einen äußerst innovativen Abend aus eigenen Kurzchoreographien gestalteten.

In der Amtszeit des bis zur Spielzeit 2011/2012 tätigen Ballettdirektors Olaf Schmidt sind diese kreativen und oft recht progressiven Ballettabende schon zu einer kleinen Tradition geworden. Erfreulich ist aber auch, dass der neue Tanzchef Yuki Mori diese Tradition fortführt. So kamen bereits in den letzten beiden Spielzeiten und damit in den ersten beiden unter Moris Leitung unter dem Titel "Tanz.Fabrik!" Choreographien der Ensemble-Mitglieder zur Aufführung.

Tradition lebt fort

Auch in der aktuellen Spielzeit lebt diese Tradition fort, wie jetzt der mit "Tanz.Fabrik! drei" betitelte Abend im Theater im Velodrom auf beeindruckende Art deutlich macht. In dieser neuesten Ausgabe widmen sich die Mitglieder der Compagnie dem Thema "Partnerschaften", das in dieser Saison auch Spielzeitmotto des Thearters Regensburg ist. Von den ursprünglich geplanten sieben Choroegraphien musste eine wegen einer Verletzung eines Tänzers ausfallen, was aber der hohen Qualität des Abends keinen Abbruch tat.

Erneut ist es den Mitgliedern der Compagnie gelungen, eine breit gefächerte Palette zu erstellen, deren originelle Details man hier gar nicht alle nennen kann. So kommen in Pauline Torzuolis "Distance within Layers" zur Musik von Colleen und Yael Naim elastische Bekleidungsteile zum Einsatz, die am Boden befestigt den Tänzern nur ein gewisses Maß an Bewegungsraum lassen.

In dem von Yosuke Kusano choreographierten Stück "Tangente" bewegen sich zwei Tänzer anfänglich nur zur Stille, dann zu Richard Rogers' "Do Re Mi" und schaffen sich durch Klebebänder auf dem Bühnenboden ihre eigene Betätigungsbahn. Ihre beeindruckenden musikalischen Fähigkeiten beweist die Tänzerin Simone Elliott im von Alesso Burani choreographierten Männer-Pas-de-deux "Unexpected", in dem sie sich zu einem selbst geschriebenen Song mit der Gitarre begleitet.

"Lost on Route 44"

Wie in der letzten Spielzeit gibt es auch in der jetzigen Ausgabe wieder eine Gastchoreographie zum Schluss. Dieses Mal ist es "Lost on Route 44" von Marina Mascarell und damit ein Bonbon einer Choreographie, in der allein schon das synchrone Gehen der gesamten Compagnie im Pulk zur absoluten Stille begeistern kann.

Allen Bühnenakteuren muss man an diesem Premierenabend ein großes Kompliment machen, da jedes einzelne Mitglied des Ensembles in dem vom modernen Ausdruckstanz geprägten Programm bis in die Fingerspitzen motiviert agierte. So war der intensive Applaus in jeder Hinsicht gerechtfertig.
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