Ein Käfig voller Narren
Zwischen Glamour und Anklage

Christina Schmidts Inszenierung von "La Cage aux Folles" am Theater Regensburg beeindruckt mit Zaza (Adrian Becker) und den Tänzern der Travestieshow. Bild: Jochen Quast
Kultur
Regensburg
15.03.2016
113
0

Bereits 1983 wurde das von Jerry Herman und Harvey Fierstein nach dem gleichnamigen Theaterstück von Jean Poiret geschaffene Musical "La Cage aux Folles" ("Ein Käfig voller Narren") im Palace-Theatre am Broadway uraufgeführt. Auch über 30 Jahre später hat das Stück nichts von seiner aktuellen Brisanz verloren.

Das zeigt die jetzige Inszenierung von Christina Schmidt am Theater Regensburg auf anschauliche und berührende Weise. So ist es der Regisseurin zusammen mit dem Bühnenbildner Frank Fellmann und dem Kostümbildner Frank Lichtenberg gelungen im Regensburger Theater im Velodrom eine Produktion zu schaffen, die einerseits viel Glamour und Unterhaltungswert aufweist und andererseits zum Nachdenken anregt. Letzteres erreicht die Inszenierung vor allem durch aktualisierte und eingeschobene Textpassagen, welche der deutschen Fassung von Erika Gesell und Christian Severin ein zeitgenössisches Update verpassen.

Deutliche Anklage


So prangert die Hauptfigur und damit der homosexuelle Transvestit Zaza in einem vom Bühnenrand zum Publikum gesprochenen Monolog sehr deutlich die Lage der Homosexuellen im heutigen Russland an und weist aber auch darauf hin, dass es auch hierzulande in unserem oft als so tolerant beschworenen Deutschland in dieser Hinsicht noch einiges zu tun gibt.

Damit gibt Christina Schmidt der Produktion eine nicht zu übersehende politische und sozialkritische Note, baut diese gleichzeitig aber gekonnt in die humoristischen Bewegungsabläufe der glamourösen Travestieshow mit ein.

Hierzu braucht es natürlich einen Hauptdarsteller, der die Rolle der Zaza mit viel Bühnenpräsenz und einer beeindruckenden Tanz- und Gesangsleistung auszufüllen weiß. Hier hat das Theater Regensburg mit Adrian Becker genau die richtige Person gefunden. Er verkörpert die Auftritte des Cabaret-Stars Zaza ebenso fesselnd und ausdrucksstark wie dessen private Rolle als homosexueller Transvestit Albin. Becker glänzt neben seinen tänzerischen und gesanglichen Fähigkeiten zudem durch eine hervorragend verständliche Textartikulation und das sowohl in den gesprochenen als auch in den gesungenen Passagen.

Auch die anderen Rollen sind trefflich besetzt. Von den 23 Bühnenakteuren sind hier vor allem Ansgar Schäfer (George), Tamás Mester (Jacob), Michael Heuberger (Edouard Dindon), Matthias Laferi (Jean-Michel), Martina Fender (Anne Dindon) und Vera Semieniuk (Jacqueline) zu nennen.

Gespür für Nuancen


Wie immer hat Alistair Lilley seinen Opernchor hervorragend auf die Produktion eingestellt. Aber damit nicht genug, denn diesmal greift der Chorleiter auch zum Dirigentenstab und leitet das Orchester mit Schwung, Energie, Gespür für dynamische Nuancen und Gefühl für die Innigkeit in den emotional ergreifenden Balladen. Lob gebührt auch dem Regensburger Ballettchef Yuki Mori für die kreative Choreographie.

Somit ist der intensive und anhaltende Applaus im gut gefüllten Theater im Velodrom sowohl für das Regieteam als auch für das Orchester und alle Bühnenakteure an diesem Premierenabend in jeder Hinsicht gerechtfertigt.
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.