Einfühlsam und tiefsinnig zeigt sich Pianist Kit Armstrong bei den „Odeon-Konzerten“ in der ...
„Wunderkind“ ist erwachsen geworden

Kultur
Regensburg
03.03.2016
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Von Stefan Rimek

Regensburg. Nach seinen viel bejubelten Auftritten in den Jahren 2011 und 2014 tritt das ehemalige, nun erwachsene Wunderkind Kit Armstrong nun schon zum dritten Mal bei den Regensburger "Odeon-Concerten" auf. Dieses Mal widmet er sich mit der Sonate in h-Moll von Franz Liszt und den "Goldberg-Variationen" von Johann Sebastian Bach zwei der anspruchsvollsten Schwergewichte der Klavierliteratur.

Der junge Pianist, der morgen seinen 24. Geburtstag feiert, geht mit Leidenschaft und großer emotionaler Tiefe zu Werke. Musikalisch selbstbewusst und eigenständig interpretiert er die Sonate von Franz Liszt.

In das Werk eingefühlt


Allein schon wie bedächtig zart er in der kurzen Introduktion des Kopfsatzes die ersten Töne setzt und die Pausen zelebriert, zeugt von großem Einfühlungsvermögen in den Charakter des Werks. Mit strömender Energie macht er dann dem "Allegro energico" alle Ehre, setzt aber auch immer wieder die Kantabilität in den lyrischen Passagen ausdrucksstark um. In den virtuosen Läufen entwickelt Armstrong eine fesselnde Kraft. Die Innigkeit des Andante-Mittelsatzes bringt er ebenso grandios in Szene wie das pathetische Ende des Finalsatzes. Durch die Zeit, die er den Tönen zur Entfaltung lässt, kann man quasi ins Innere der Töne hören. Und dann kann man natürlich auch an diesem Abend Armstrongs filigranes Gespür für große Dynamik-Kontraste, aber auch für die kleinsten dynamischen Verästelungen spüren.

All das trägt dazu bei, dass diese Interpretation vor Lebendigkeit und Tiefgründigkeit gleichermaßen nur so strotzt. So vernimmt man hier im wahrsten Sinne des Wortes große Romantik.

Barockes romantisiert


Nach der Pause erklingen dann Johann Sebastian Bachs "Goldberg-Variationen", die berühmten 30 Variationen einer einzigen Arie. Auch hier geht Armstrong mit großer Emotionalität zur Sache, was so manchem Befürworter einer gemäßigten Interpretation barocker Werke nicht ganz zugesagt haben dürfte. Aber gerade in diesem Werk, in dem Bach in einigen Variationen eine für ihn außergewöhnlich tiefsinnige Machart einer Instrumental-Komposition an den Tag legt, ist eine gewisse und nicht übertriebene "Romantisierung" durchaus zu befürworten. Und genau diesen Spagat schafft Kit Armstrong auf faszinierende Weise. Als Zugaben gibt es im Audimax der Regensburger Universität noch die Variationen über "Mein junges Leben hat ein End" von Jan Pieter Sweelinck und einige Renaissanceklänge über eine Ostinato-Figur aus der Feder des um das Jahr 1563 verstorbenen, englischen Meisters Thomas Preston. Und auch hier findet Armstrong zum innersten Charakter der Werke.
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