Elvira Bach stellt aus
„Es geht um das Leben!“

Kunstwerk, Künstlerin, Kunstwerk. Oder alles in einem. Elvira Bach lebt ihren Beruf wie kaum eine andere. Bild: Susanne Wolke
Kultur
Regensburg
31.01.2016
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Fülle, Farbe, Feminismus: In ihrer aktuellen Ausstellung im Regensburger Kunstkabinett bleibt sich Elvira Bach treu. Es wimmelt wieder von Frauen, Blumen und hochhackigen Schuhen.

Elvira Bach lebt die Corporate Identity. Wenn sich die Malerin in einer Reihe platziert mit ihren Kunstwerken, dann geht sie glatt selbst als ein solches durch. Die extravagante Kopfkreation aus fleischigen Blüten, Blättern und einem Stöckelschuh, die eine ihrer Protagonistinnen trägt, könnte aus dem eigenen Kleiderschrank der Künstlerin stammen.

Elvira Bachs Frauenansichten, umgeben von floralen Auswüchsen und Katzen, wirken autobiografisch. Ihre eigenen Gesichtszüge, markant und mit unverkennbar dichten Augenbrauen, kehren in den Bildern der Künstlerin wieder.

Elvira Bach selbst hat für diesen Abend eine Kombination in Schwarz-Weiß gewählt. Ein in Arabesken gemusterter Mantel, auf dem Kopf das für sie obligatorische Tuch, dazu Ohrgehänge bis zu den Schultern: So steht Elvira Bach im Regensburger Kunstkabinett. Die Eröffnung ihrer dortigen Ausstellung macht die Künstlerin von Welt allein durch ihre Anwesenheit zur Sensation.

Keine Rücksicht


Der Elvira Bach einhüllende Farbkontrast ist nicht das einzige an ihr, was polarisiert. Die vor Kraft strotzenden Weiber der Künstlerin dürften zumindest dem männlichen Geschlecht streckenweise Respekt einflößen. Elvira Bach selbst ist das schnuppe. "Es geht um das Wollen! Es geht um das Leben!" Geleitet von solch einem Antrieb kann man keine Rücksicht nehmen auf schwache Gemüter.

Dass aber Bachs drallbunte Frauenwelt Recken aus den Reihen der Männlichkeit nicht nur verschreckt, sondern auch herausfordert: Dies beweist an besagtem Abend eine im Kunstkabinett fast schon klassische Kombination. Der Kunsthistoriker Herbert Schneidler als Einführungsredner für Elvira Bach ist in der Regensburger Galerie in jüngerer Zeit ebenso traditionell wie die Präsentation der mit der Galerie seit Jahren verbundenen Künstlerin selbst.

Die Grande Dame der Kunst auf der einen Seite, der schnörkellose Kunsthistoriker auf der anderen: Herbert Schneidler dürfte sich einer gewissen Herausforderung schon vorab bewusst gewesen sein. Dass Elvira Bach nicht in stillschweigender Anwesenheit über ihre eigenen Werke fachsimpeln lässt, hat sie schon früher bewiesen.

Auch Herbert Schneidler war wohl klar, dass es die Künstlerin nicht dabei belassen würde, ihre Bilder unkommentiert als "ungeheure künstlerische Gegenwelt zu unserer digitalen Welt" einstufen zu lassen.

Es sei, gelinde gesagt, völlig egal, wie groß das Atelier eines Künstlers sei. Das Rot komme nur von den Erdbeeren. Die Menschen würden alles bestimmen. Dies sind nur einige Einwürfe, die Elvira Bach bereithielt für Schneidlers Einführungsrede, die die Künstlerin in gewohnter Manier flugs zu einem Dialog umwandelte.

"Elvira Bach sorgt für Furore." Herbert Schneidler spricht aus Erfahrung. Seit ihrem erstmaligen Erscheinen auf der Kasseler documenta im Jahr 1982 ist die in Berlin lebende Künstlerin ein Begriff auf dem internationalen künstlerischen Parkett.

Fest im Ensemble


Im Kunstkabinett gehört Elvira Bach zum festen Ensemble. Anlass für die aktuelle Ausstellung in der Regensburger Galerie ist auch das Erscheinen eines Buches im Wienand Verlag. "Elvira Bach" heißt das Werk. Knallrot und brandneu stellt es eine Frau vor, die zweierlei in sich vereint: Künstlerin und Kunstwerk. Gelebte Corporate Identity.

Die Ausstellung "Elvira Bach. Malerei und Grafik" läuft bis zum 4. April im Kunstkabinett, Untere Bachgasse 7 in Regensburg. Öffnungszeiten sind Dienstag bis Freitag von 11 bis 18 Uhr, Samstag von 10 bis 14 Uhr. Weitere Infos gibt es unter Telefon 0941/57856 oder unter www.kunstkabinett-regensburg.de.
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