Ergreifendes Liebesdrama in Fernost

Das Glück von Madama Butterfly (Hye-Sung Na) und Marineoffizier B. F. Pinkerton (Yinjia Gong) währt nur kurz. Bild: Juliane Zitzlsperger
Kultur
Regensburg
16.06.2015
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In der letzten Spielzeit gab der junge österreichische Regisseur Johannes Pölzgutter sein Debüt am Theater Regensburg. Auch mit der aktuellen Inszenierung von Puccinis "Madama Butterfly" kam etwas Überzeugendes heraus.

Im ersten Akt könnte man bei dieser Inszenierung im Regensburger Theater am Bismarckplatz oberflächlich betrachtet den Eindruck gewinnen, hier handle es sich um eine kühle Angelegenheit, welche das zweifelhafte Prädikat "Neue Sachlichkeit" für sich in Anspruch nehmen könnte. Aber weit gefehlt, denn Pölzgutter und sein Team drehen ab dem zweiten Akt richtig auf. Da schaffen dunkelbraune Holzgitterwände durch eine seitliche Beleuchtung und die Drehbühne geisterhafte Schattenwürfe und damit eine bedrohlich wirkende Atmosphäre, deren Spannung durch geschickt eingeflochtene Details - wie das surrealistische Erscheinen von Butterflys Vater - sowie gut durchdachte Bewegungsabläufe raffiniert gesteigert wird. Bis sie im Selbstmord Butterflys ergreifend kulminiert.

Klar und geschmeidig

Damit gelingt dem Regie-Team um Pölzgutter erneut eine fesselnde und emotional stark berührende Produktion, die man gesehen haben sollte. Dazu tragen auch die zwischen Tradition und Moderne oszillierenden Kostüme von Janina Ammon bei.

Großen Anteil am überzeugenden Premierenabend hatten aber auch die Bühnenakteure. Da ist in erster Linie die Sopranistin Hye-Sung Na in der Rolle der "Madama Butterfly" zu nennen, die mit ihrer klaren, durchsetzungskräftigen und doch geschmeidigen Stimme begeistern kann und zudem dynamische Nuancen geschmeidig auslotet.

Ebenfalls beeindrucken können in dieser Produktion Yinjia Gong als Pinkerton, Vera Semieniuk als Suzuki und Matthias Wölbitsch als Konsul. Aber auch alle anderen Bühnenakteure tragen zu dieser gelungenen Produktion bei. Das gilt auch für den von Alistair Lilley einstudierten Chor. Das Orchester unter der Leitung von Generalmusikdirektor Tetsuro Ban startete am Premierenabend mit kleinen Anlaufschwierigkeiten in Bezug auf die Geschlossenheit, lief dann aber zu einer großen Form auf, welche die Dramatik der Spannungsbögen bis hin zum grandiosen Schluss-Fortissimo packend auslotete.

Der Schlussapplaus war auffallend intensiv und anhaltend und in Bezug auf die Sopranistin Hye-Sung Na geradezu stürmisch und das durchaus zurecht.
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