Farbe und Gefühl: Künstler mit Multipler Sklerose präsentieren ihre Bilder
Malerei als Überdruck-Ventil

Künstlerin und MS-Betroffene Susanne Kempf (Mitte) zusammen mit Doris Merk vom Finanzamt Regensburg und DMSG-Vertreter Professor Thomas Henze vor zwei ihrer Werke. Bild: gib
Kultur
Regensburg
21.10.2016
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Künstler, die an Multiple Sklerose erkrankt sind, zeigen ihre Werke: Mit dieser Idee hat die Weidenerin Susanne Kempf in den vergangenen acht Jahren Ausstellungsbesucher von Hamburg bis Berchtesgaden begeistert. Noch bis zum 24. November ist die Wanderausstellung in Regensburg zu sehen.

22 Künstler stellen in diesem Jahr ihre Bilder aus. Sie kommen aus acht Bundesländern und Österreich. "Ich geh mit dem Lasso durch Deutschland", erzählt Susanne Kempf, selbst MS-Betroffene, Initiatorin und Kuratorin der Ausstellung, bei der Vernissage im Regensburger Finanzamt (Galgenbergstraße 31) schmunzelnd. Bei den Künstlern handelt es sich fast ausschließlich um Hobbymaler. Die Qualität der Werke ist beachtlich. Die Bandbreite reicht von Bleistiftzeichnungen über Aquarelle bis zu Acrylmalerei. Erstmals zeigt auch eine professionelle Porzellanmalerin, die an MS erkrankt ist, ihre Arbeiten.

"Denken - Fühlen - Malen"


Nach Weiden, Rudolfstadt und Kloster Speinshart ist Regensburg letzte Ausstellungsort in diesem Jahr. Im Finanzamt bringen die Bilder Farbe und Gefühl in die sonst nüchterne Welt der Zahlen. Schirmherr Albert Füracker hatte den Kontakt zu der Behörde hergestellt, so dass die Ausstellung "Denken - Fühlen - Malen" erstmals in Regensburg zu sehen ist. "Der Alltag von MS-Betroffenen wird nicht selten von Arztterminen, Medikamenten und Therapien bestimmt.

Sie müssen dabei vor allem passiv reagieren und funktionieren", sagt Professor Thomas Henze, Ärztlicher Beirat der Deutschen Multiple Sklerose Gesellschaft, bei der Ausstellungseröffnung. "Die künstlerische Betätigung kann diesen Zwängen eine sehr selbstbestimmte und unabhängige Aktivität entgegensetzen." Einige Betroffene würden ihre Kreativität entdecken, um die Erkrankung und ihre Folgen besser bewältigen zu können. Henze zieht Parallelen zu mehreren berühmten Künstlern. So hätten Auguste Renoir, Henri Matisse, Frida Kahlo und Paul Klee alle an schweren oder chronischen Krankheiten gelitten. Das habe sich in ihrer Kunst niedergeschlagen, gleichzeitig hätten sie ihr Leiden aufgearbeitet. In der Ausstellung wird neben jedem Werk der zugehörige Künstler vorgestellt. Betroffene berichten von ihrem Bezug zur Malerei. Die Kunst sei ein "guter Pol der Entspannung", schreibt eine Künstlerin. Als "die Möglichkeit, meiner Seele Ausdruck zu verleihen", bezeichnet eine andere ihre Arbeit. Und eine dritte hat notiert: "Malerei ist für mich wie ein Überdruck-Ventil, wenn sich zu viel in meinem Kopf anstaut."
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