"Für mich zählt allein die Qualität"

Ein freundlicher Herr mit schonungslosem Blick: Günter Dollhopf ist ein großer Künstler der Region. Derzeit stellt er im Regensburger Donau-Einkaufszentrum aus. Bild: Wolke
Kultur
Regensburg
10.03.2015
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Wird Francis Bacon als einer der teuersten Künstler der Welt gehandelt, so ist Günter Dollhopf immerhin einer der ganz Großen im ostbayerischen Raum - mit internationalem Erfolg, der ihn bis nach New York gebracht hat.

"Ich habe keine Moral im Schlepptau." Hinsichtlich seiner Bildinhalte und deren Wiedergabe kann Günter Dollhopf nur mit den Schultern zucken. Menschliche Körper sind es, die er immer wieder darstellt - aber was für welche. Aufgedunsene Leiber, geplatztes Fleisch, hervortretende Adern, zersplitterte Knochen. Das ist es, was man hier bei genauerer Betrachtung zu erkennen glaubt. "Ob das human ist oder inhuman, darüber sollen sich Philosophen und Pfarrer den Kopf zerbrechen", gibt Dollhopf die Auslegung der Bildinhalte gleich weiter. "Für mich zählt allein die Qualität meines Bildes." Dass die nicht immer gleichbedeutend ist mit einer appetitlichen Auffassung von Ästhetik, dürfte hinlänglich bekannt sein. Nicht zuletzt durch Francis Bacon, mit dem Dollhopf zu Recht verglichen wird.

Gemälde und Grafiken

Einen wuchtigen Einblick in das Werk des in Amberg lebenden Günter Dollhopf gibt derzeit eine Schau im Regensburger Donau-Einkaufszentrum. Gemälde und Grafiken aus einem Zeitraum von 45 Jahren zeigen hier einen Künstler, der in ständig aufeinander folgenden Schaffensphasen stets Neues hervorbringt.

Keine konstante Entwicklung wolle hier aufgezeigt werden, betonte der Kunsthistoriker und Dollhopf-Verehrer Dr. Herbert Schneidler bei der Eröffnung der Schau. Es gehe vielmehr darum, ein außergewöhnliches Formenreservoir vorzustellen.

Bei Dollhopf bedeutet dies konkret: Menschenknäuel, die zum Himmel streben. Dralle Formen, die vegetativ wuchern. Eine überreife Üppigkeit, die die Grenze zum Verfall bereits überschritten hat - geplatzt im wahrsten Sinne des Wortes: Dollhopfs Bilder und Collagen treten immer wieder als Relief aus der Zweidimensionalität hervor.

1937 in Nürnberg geboren, prägte Günter Dollhopf vor allem die dortige Akademie der Bildenden Künste. Dort studierte er von 1958 bis 1961 Malerei und wurde später selbst Professor. Die Gegenstandslosigkeit in der Kunst der 1960-er Jahre hat sich in seinem Werk nicht niedergeschlagen. Die Bilder Dollhopfs sind körperlich und oft in gerade altmeisterlicher Perfektion auf den Bildträger gebannt.

Künstlerische Pirsch

Malerei, Grafik, überarbeitete Fotografie, Collage: "Um die Form zu finden, ist mir jedes Mittel recht", bemerkt Dollhopf. Wenn der Amberger auf künstlerischer Pirsch ist - und das ist er laut Dr. Herbert Schneidler unentwegt - dann kennt er keine Gnade. Als redseliger Herr mit weißem Knebelbart tritt er den Menschen gegenüber. Als Künstler aber pfeift er auf die Moral. "Ich will nicht verschleiern", sagt Günter Dollhopf. Das überlässt er lieber anderen.

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Die Ausstellung "Dollhopf. Malerei - Grafik / 1970 bis 2015" ist bis zum 21. März im Donau-Einkaufszentrum in Regensburg zu sehen. Öffnungszeiten: Montag bis Samstag von 9.30 bis 20 Uhr. Weitere Infos unter www.donaueinkaufszentrum.de.
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