"Gefährliche Schizophrenie": Kardinal Robert Sarah kritisiert Kardinal Marx
Harsche Kritik an Kardinal Marx

Kultur
Regensburg
03.09.2015
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"Häresie und gefährliche Schizophrenie". Mit deutlichen Worten äußert sich der Präfekt der Gottesdienstkongregation, Kardinal Robert Sarah, in seinem Interviewbuch zu aktuellen Aussagen von Kardinal Marx. Damit traut er sich etwas, was kaum ein deutscher Bischof wagen würde.

Trotz oder sogar wegen der klaren Worte in Verbindung mit Marx' Ansichten zur Zulassung wiederverheirateter Geschiedener zur Kommunion scheint der Interviewband Unterstützer zu finden: Fürstin Gloria von Thurn und Taxis, auf deren Schloss Sankt Emmeram das neu erschienene Buch am Dienstag vorgestellt wurde, soll sich für die deutsche Übersetzung stark gemacht haben. Kurienerzbischof Georg Gänswein schrieb das Vorwort. Bischof Gerhard Ludwig Müller war extra aus Rom angereist, um das Buch persönlich vorzustellen.

Erst vor wenigen Tagen forderte Alois Glück, Vorsitzender des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK), im Hinblick auf die Bischofssynode in Rom, bei der es um Fragen von Ehe und Familie geht, "eine grundlegende Öffnung für mehr regionale Spielräume". Am Dienstag auf Sankt Emmeram waren gänzlich andere Töne zu hören: Fürstin Gloria von Thurn und Taxis hatte einen illustren Kreis aus Geistlichen, wie dem ihr nahestehenden Augsburger Prälaten Wilhelm Imkamp und Papstbruder Georg Ratzinger, sowie Vertreter der lokalen Prominenz zur Buchvorstellung eingeladen.

Der Präfekt der Vatikanischen Kongregation für den Gottesdienst und die Sakramentenordnung, Kardinal Robert Sarah, der als konservativ gilt, hatte Anfang des Jahres das Interviewbuch "Gott oder nichts - ein Gespräch über den Glauben" auf französisch herausgeben. Nun kommt es auf deutsch heraus. Der ursprünglich aus Guinea stammende Kardinal, der als papabile gilt, spart in dem Band nicht an klaren Aussagen.

Theologisch verantwortbar

Als "Häresie" - eine Meinung, die im Widerspruch zur Lehre steht - und "gefährliche Schizophrenie" bezeichnet Sarah die Idee, das Lehramt der Kirche in Fragen der Sexualmoral "in ein hübsches Schmuckkästchen zu packen und es von der pastoralen Theorie zu trennen" - und kritisiert damit Kardinal Reinhard Marx. Als "weltweit drängende Herausforderung der Ehe" hatte der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz im Dezember die "Suche nach einer theologisch verantwortbaren und pastoral angemessenen Begleitung von Gläubigen, deren Ehe zerbrochen ist, und die zivil geschieden und wiederverheiratet sind" bezeichnet.

Zwar betonte Sarah den Respekt, den er vor Kardinal Marx habe, jedoch bezeichnete er dessen Aussage als "Ausdruck einer Ideologie, die man im Gewaltmarsch der ganzen Kirche aufoktroyieren will". Er sehe die Frage der Zulassung der Kommunion der Wiederverheirateten als "keine drängende Herausforderung für die Kirchen Afrikas oder Asiens". Er wehrt sich, eine "wie auch immer geartete Schieflage zwischen Lehramt und Kirche" herbeizuführen, und erklärt, dass "sich die afrikanische Kirche jeder Rebellion gegen das Lehramt widersetzen wird".
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