Gerhard Rießbeck und Axel Anklam stimmen im Kunstkabinett auf kalte Jahreszeit ein
Kristallklare Luft und ewiges Eis

Axel Anklam (links) und Gerhard Rießbeck sorgen derzeit im Regensburger Kunstkabinett für kühle Stimmung. Bild: Wolke
Kultur
Regensburg
05.10.2016
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Jacke aus dem Schrank, Mütze auf: Das Kunstkabinett stimmt sich und seine Besucher ein auf die kalte Jahreszeit. "Licht und Gelände" heißt der Titel der Ausstellung, die Arbeiten des fränkischen Malers Gerhard Rießbeck und des Berliner Bildhauers Axel Anklam zeigt. Vor allem sorgen diese beiden Komponenten dabei für eine kühle Stimmung. Glasklare Darstellungen von Gletschern und Schneelandschaften hängen in den Räumen der Regensburger Galerie. Der Schöpfer dieser Bilder frischt seine Inspiration regelmäßig auf: Gerhard Rießbeck reist alle ein bis zwei Jahre in die polarnahen Gebiete.

Die künstlerischen Ergebnisse dieser Expeditionen machen nun vom Kunstkabinett aus Lust auf Schnee und Kälte. Denn die Bilder Rießbecks sind in erster Linie eines: schön. Und zwar nur schön und nicht kitschig. Diese Einschränkung zu erwähnen drängt sich auf angesichts des Genres der Landschaftsmalerei. Schließlich erfreut sich die Darstellung gewaltiger Freiluftansichten im aktuellen Kunstschaffen nicht gerade größter Hochachtung. Rießbeck weiß das - und nimmt's gelassen. "Das Beste, was einem Künstler passieren kann, ist etwas völlig Unmodernes für sich zu entdecken", kokettiert er selbstbewusst. Im Übrigen sind seine Darstellungen von kristallklarer Luft und ewigem Eis nicht die reine Wiedergabe des Gesehenen.

In ihrer gewaltigen Erhabenheit entstehen die meist großformatigen Bilder erst im Atelier. Parallelen zur Romantik sind eindeutig, sei es bei den hehren Höhen der Berge oder bei dem unter schwarzen Fluten halb verborgenen Eisbrocken in finsterer Nacht. Die in all der Schönheit stets lauernde Bedrohung erhebt die Bilder Rießbecks über das reine Abmalen der Natur.

Dreidimensionale Skizzen


Berge und Felsen sind auch das bevorzugte Revier des zweiten Künstlers, der im Regensburger Kunstkabinett ausstellt. Axel Anklams Skulpturen harmonieren vor allem in ihrer Klarheit und klassischen Kühle mit den Arbeiten Rießbecks. Und in ihrem Ansatz, das Gesehene auf eigenwillige Art zu verarbeiten. Auch Anklam zieht es regelmäßig in die Natur, vor allem in die Berge. Als Skizzenmaterial führt dieser Künstler allerdings nicht Stift und Papier mit sich. Der Draht ist es, mit dem Anklam seine ersten Eindrücke festhält. Die vor Ort entstandenen dreidimensionalen Skizzen wertet er im Atelier aus. Hier entstehen Gerüste aus Edelstahl, die er mit weicheren Materialien wie Karbon oder Epoxidharz überzieht. "Durch ständige Überlagerung verschiedener Schichten tritt das Material an sich immer mehr in den Hintergrund", erklärt er.

Ebenso wie das Modell Berg, das im Laufe dieses Prozesses zunehmend abstrahiert wird. Was bei Anklam bleibt, sind dynamische Gebilde, die zwischen Schwerelosigkeit und Masse stehen. Kühle Klassik und innovative Ansatzweisen: Die Arbeiten von Anklam und Rießbeck sorgen im Kunstkabinett für frischen Wind.

ÖffnungszeitenDie Ausstellung "Licht und Gelände" mit Bildern von Gerhard Rießbeck und Skulpturen von Axel Anklam läuft bis zum 21. November im Kunstkabinett (Untere Bachgasse 7 in Regensburg). Öffnungszeiten: Dienstag bis Freitag von 11 bis 18 Uhr, Samstag von 10 bis 14 Uhr. Weitere Infos unter Telefon 0941/57856 oder unter www.kunstkabinett.com. Zu Gerhard Rießbeck ist parallel eine Ausstellung in der Städtischen Galerie im Leeren Beutel. (wsu)
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