Grafik des 20.Jahrhunderts
Klassische Moderne macht sich rar

In der aktuellen Ausstellung des Kunstkabinetts Regensburg zeigt Marianne Schönsteiner-Mehr auch Plakate für Südfrankreich von Marc Chagall. Bild: Wolke
Kultur
Regensburg
14.04.2016
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Die Grafik der Klassischen Moderne hat mittlerweile Seltenheitswert. Eine Galerien-Ausstellung wie diese im Regensburger Kunstkabinett wird nicht mehr allzu oft möglich sein.

Grafiken von Picasso, Matisse, Dalí, Kokoschka und Miró: Irgendwann ist der Vorrat ausgeschöpft. "Für den freien Handel ist nichts mehr da." Kaum jemand ist sich dessen so sehr bewusst wie Marianne Schönsteiner-Mehr. "Die Sachen sind verteilt auf Privatbesitz und Museen", erklärt die Galeristin.

Ihre aktuelle Ausstellung sieht die Betreiberin des Kunstkabinetts Regensburg als eine Art Abschluss. "Grafik des 20. Jahrhunderts" lautet der Titel der Schau, die einen sauberen Strich zieht unter eine Sache, die bald vorbei sein dürfte.

Bunte Mischung


In geballter Wucht kommen hier all jene zusammen, deren ausgelichtetes Werk keine Einzelschauen mehr zulässt. Zumindest nicht mehr in einer Verkaufsgalerie. Denn: Ob Chagall, Kubin oder Immendorf - "Grafik ist das einzige, was in dieser Größenordnung einigermaßen erschwinglich ist", bemerkt Marianne Schönsteiner-Mehr.

Die Präsentation im Kunstkabinett zeigt eine bunte Mischung. Und zwar sowohl was die Techniken als auch die Stilrichtungen und die Entstehungsdaten betrifft. "Alles was Rang und Namen hat und was schon einmal oder mehrmals im Kunstkabinett zu sehen war", fasst es die Galeristin zusammen.

Erwartungsgemäß gibt es etliche langjährige Wegbegleiter der traditionellen Regensburger Galerie. Manfred Sillner, der mittlerweile mit der Grafik aufgehört hat, ist dabei. A. R. Penck und Antoni Tàpies sind immer wieder kehrende Namen im Kunstkabinett.

Eine Art Schlussstrich


Daneben gibt es farbensatte Werbeplakate von Matisse und Chagall. In den 1940er beziehungsweise 1950er Jahren schufen die beiden Künstler die Lithographien im Auftrag des südfranzösischen Tourismusbüros. Von Oskar Kokoschka gibt es eine Reihe von Radierungen zu Heinrich von Kleists Drama "Penthesilea". Nicht weit davon hängen Picassos Blätter zu "La Celestine".

"Ich habe 1979 mit der Galerie angefangen - und im Lauf der Zeit hat sich einiges angesammelt", äußert sich Marianne Schönsteiner-Mehr nochmals zum Hintergrund ihrer Ausstellung. Der Reigen des grafischen 20. Jahrhunderts ist für die Galeristin zwar eine Art Schlussstrich. Allerdings nur für einen bestimmten Bereich.

Weiter geht es im Kunstkabinett künftig vor allem mit Gegenwartskünstlern, die auch bisher schon stark vertreten waren. Eine Sache wird dabei aber immer mehr verschwinden: die Grafik. "Die wird heute nicht mehr gelehrt", erklärt Marianne Schönsteiner-Mehr. Ausstellungen wie die aktuelle wird es nicht mehr allzu oft geben.

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Die Ausstellung "Grafik des 20. Jahrhunderts" läuft bis zum 4. Juni im Kunstkabinett, Untere Bachgasse 7 in Regensburg. Öffnungszeiten sind Dienstag bis Freitag von 11 bis 18 und Samstag von 10 bis 14 Uhr. Weitere Infos gibt es unter Telefon 0941/57856.

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Weitere Informationen:

www.kunstkabinett-regensburg.de
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