"Gwax" ist ein neues Kollektiv aus acht Regensburger Künstlern - Erste Präsentation im ...
Junges Gewächs sucht fruchtbaren Boden

Von Regensburg aus in die Welt: Acht junge Künstler haben sich zum Kollektiv "Gwax" zusammengetan. Von links: Jürgen Böhm, Stefan Bircheneder, Eveline Koijman, Alexander Rosol, Kathrin Frank, Nico Sawatzki, Ursula Bolck-Jopp vom Berufsverband Bildender Künstler, Rayk Amelang und Christoph Scholter. Bild: Wolke
Kultur
Regensburg
04.03.2015
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"Immer nur Jammern bringt nichts. Wir stellen lieber was eigenes auf die Beine." Das ist doch mal eine Aussage. Auch wenn die Situation für junge Künstler in Regensburg nicht gerade berauschend ist: Acht Vertreter dieser Gattung haben genug vom Lamentieren. "Gemeinsam sind wir stark", unter diesem Motto haben sie sich zusammengeschlossen zu einer Vereinigung - dem neuen Regensburger Künstlerkollektiv "Gwax".

Welt erobern

Mit der bayerischen Bezeichnung für Gewächs zeigen die Beteiligten ein heimatbezogenes Selbstbewusstsein. Ihren Siegeszug wollen sie aber durchaus nicht nur in Regensburg und Umgebung antreten. "Wir wollen als Gruppe auftreten, weil man dadurch in vielen Ausstellungsräumen bessere Chancen hat", formuliert Rayk Amelang die geplante "Eroberung der Welt". "Wir", das ist eine Gruppe von acht Künstlern, die sich im vergangenen Herbst zusammengetan hat. Neben Rayk Amelang sind dabei: Stefan Bircheneder, Jürgen Böhm, Kathrin Frank, Eveline Kooijman, Alexander Rosol, Nico Sawatzki und Christoph Scholter. Junge Leute aus Regensburg und Umgebung also, allesamt auf dem aufsteigenden Ast und mit dem Vorhaben, sich gegenseitig unter die Arme zu greifen.

Seinen ersten öffentlichen Auftritt hat das junge Regensburger Gewächs nun hinter sich: Im "Kunstverein Graz" präsentiert sich das Künstlerkollektiv derzeit mit einer Gruppenausstellung. Bei der Eröffnung waren alle beteiligten Künstler da. Und starteten auch gleich ihre erste Aktion: Unter dem Motto "Saat" wurden gegenseitige Aufträge vergeben. Je ein Künstler soll einen anderen und dessen Werk interpretieren. Die Aufteilung erfolgte per Losentscheid, das Ergebnis wird bei der Finissage am 20. März zu sehen sein.

Bis dahin sind zunächst einmal die charakteristischen Werke der Beteiligten zu sehen. Ein eigenes künstlerisches Profil hat jeder von ihnen schon entwickelt. Unverkennbar etwa die in hyperrealistischer Genauigkeit auf die Leinwand gebannten Bilder Stefan Bircheneders. Bei "Graz" zeigt er zwei Stücke der Serie "Abstieg Hutschenreuther". Im Fokus sind hier heruntergekommene Fliesen. Mit malerischer Virtuosität wiedergegeben sind auch die Acrylbilder Christoph Scholters. Seine Darstellungen, auf denen es von Nippesfiguren, Kekstüten und Zimmerpflanzen nur so wimmelt, tragen keine Titel, dafür aber sehr persönliche Züge. Es sind vor allem Dinge aus dem eigenen Besitz, die Scholter immer wieder malt.

Neues entsteht

Im Gegensatz zu den fast schon fotografischen Arbeiten der beiden Kollegen stehen die Bilder der einzigen echten Fotografin der Schau: Eveline Kooijman lässt die Wirklichkeit auf ihren Bildern in einem verhüllenden Dunst verschwinden und Neues entstehen. Aus der Hautbeschaffung einer jungen Frau etwa kreiert sie einen Sternenhimmel. Eines von Kooijmans Modellen ist übrigens selbst als Künstler in der Ausstellung vertreten: Alexander Rosol hat seinerseits fotografische Fundstücke übermalt. Seine Collagen verstehen sich als Darstellung einer Urbanität, die nicht konkret lokalisierbar ist. Stadtlandschaften stellt auch Nico Sawatzki dar. Die Laufbahn des aus der Graffiti-Szene kommenden Künstlers hat sich in seinen Arbeiten niedergeschlagen. Aus mehreren Schichten Sprühlack kratzt Sawatzki Stücke heraus - und füllt diese wiederum mit Farbe. Das im Nachhinein geglättete Ergebnis erinnert an gleichförmige Gebäude.

Einen geografischen Ansatz verfolgt Jürgen Böhm - wenn auch auf sehr spezielle Weise. Der gelernte Bildhauer zeigt Welten, in denen es von Bedrohungen alter und neuer Art nur so wimmelt - Fabeltiere lauern Seefahrern auf, W-Lan-Netze der modernen Privatsphäre. Bei "Graz" zeigt Böhm eine Installation. Sie markiert den Punkt, der ausgehend von dem Regensburger Kunstverein exakt am anderen Ende der Welt liegt. Weniger abstrakt wird es bei Rayk Amelang und Kathrin Frank. Typisch für Amelang sind die Comic-Figuren und sonstigen Requisiten der Populärkultur, die einen verschreckenden Charakter verströmen. Kathrin Frank zeigt in "Geheimnis" kindlich versponnene Traumwelten.

Die Ausstellung der Gruppe "Gwax" läuft bis zum 21. März im "Kunstverein Graz", Schäffnerstraße 21 in Regensburg. Öffnungszeiten: Freitag und Samstag von 16 bis 19 Uhr. Die Finissage ist am Freitag, 20. März um 20 Uhr.

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Weitere Informationen im Internet:

http://www.kunstvereingraz.de/
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