"Hallé Orchestra Manchester" und Martin Stadtfeld überzeugen bei Regensburger "Odeon-Concerten"
Geschlossenheit und emotionale Tiefe

Kultur
Regensburg
16.03.2015
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Größer hätte das Orchester am Freitagabend im Audimax der Regensburger Universität nicht sein dürfen, denn die rund 80 Mitglieder des "Hallé Orchestra Manchester" füllten die Bühne inklusive angebauter Zusatzbühne vollkommen aus. Und trotz dieser Größe bewies der Klangkörper eine beeindruckende Geschlossenheit.

Kompakt agiert

Wie kompakt ein so großes Orchester agieren kann, zeigten die Musikerinnen und Musiker unter der Leitung von Sir Mark Elder bereits in der einleitend interpretierten Ouvertüre zu Verdis Oper "La Forza del destino" - hierzulande auch bekannt unter dem deutschen Titel "Die Macht des Schicksals". So klangen nicht nur die Blechbläser und Holzbläser wie aus einem Guss, sondern auch die einzelnen Streicherblöcke.

Das darauffolgende Klavierkonzert Nr. 2 von Felix Mendelssohn-Bartholdy führten die Musiker des britischen Orchesters zusammen mit dem deutschen Pianisten Martin Stadtfeld auf. Stadtfeld, der schon mehrmals im Rahmen der Regensburger "Odeon-Concerte" gastiert hatte, ist bekannt für eigenständige Interpretationsansätze, die nicht immer leicht nachzuvollziehen sind. An diesem Abend allerdings beeindruckte seine Ausführung der Partitur durchaus.

So brachte die Art und Weise seines Rubatierens den lyrischen Passagen des Kopfsatzes die angemessene Tiefe. Die virtuosen Läufe in der Durchführung des Kopfsatzes gelangen ihm mit imponierender Lockerheit und dennoch energiegeladen. Positiv fiel auch die gute und lebendige Bühnenkommunikation zwischen dem Solisten und dem Orchester auf. Innig gelang das Ende des im Pianissimo ausklingenden Kopfsatzes.

Auf höchstem Niveau

Gespür für die lyrische Tiefe zeigte Stadtfeld auch im Adagio, während er im Finalsatz die nötige Energie fand. Als Zugabe lieferte Stadtfeld die erste Miniatur aus Schumanns "Kinderszenen", die er fließend und hier und da mit leichtem Rubato interpretierte. Wenn man will, kann man hier durchaus noch romantischer zu Werke gehen und die emotionale Tiefe noch mehr ausloten. Nach der Pause erlebten die Besucher den starken Klangkörper in Gustav Mahlers vierter Symphonie auf höchstem Niveau in Aktion. Schön nahm Sir Mark Elder am Anfang die Lautstärke zurück, um noch genug Steigerungspotenzial für die Forte-Passagen zu haben. Überhaupt begeisterte das Herausstellen der dynamischen Nuancen vom ersten bis zum letzten Takt. Berührend gelang das im Nichts ausklingenden Ende des Finalsatzes, in dem die Sopranistin Elizabeth Watts durch eine schöne Intonation und eine saubere Artikulation überzeugte.

Hervorragender Abschluss

Nach einem derart ergreifenden Ende hat es eine Zugabe schwer. Aber mit der Wahl des ebenso gefühlvoll vorgetragenen "Sospiri"-Adagios von Edward Elgar setzte das Orchester einen hervorragenden Schlusspunkt an diesem beeindruckenden Abend.
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