„Hard:Line“-Festival zeigt ab Donnerstag Filme „am Rand des Möglichen“
Extremes Kino, extreme Freiheit

Für die Freundinnen Colleen und Colleen könnte das Leben so schön sein. Aber wie das in Horrorkomödien wie "Yoga Hosers" nunmal so ist: Bratwurst-Nazis stören das Idyll. Bild: Sony
Kultur
Regensburg
19.09.2016
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Mal brutal blutig. Mal brutal spannend. Und mal ein brutaler Schmarrn. In jedem Fall aber Kino, das Grenzen auslotet: Das zeigt ab Donnerstag das "Hard:Line"-Festival in Regensburg.

Vielleicht lässt es sich ganz gut mit den Bratwurst-Nazis erklären. Der Plot, ganz grob: Zwei Mädels müssen sich des Bösen erwehren. Das manifestiert sich in diesem Fall in Form von kleinen, aus Bratwurst erschaffenen Nationalsozialisten, die recht ekelhafte Dinge anstellen. Eine dämliche Geschichte, die die Horrorkomödie "Yoga Hosers" da erzählt?

Findet Florian Scheuerer auch. "Ein unglaublicher Blödsinn", sagt der 35-Jährige. Und genau deshalb will Scheuerer den Film einem großen Publikum zeigen.

Scheuerer leitet das "Hard:Line"-Festival, das ab Donnerstag, 22. September, im Regensburger Ostentor-Kino, teils aber auch in einem Club tief unter der Erde läuft (siehe Kasten). Vier Tage mit 13 Filmen, die sich von Mainstream und gediegenem Geschmack so unterscheiden wie Brat- von Weißwürsten.

"Nicht immer Blut"


Trash und Horror sind dabei, weshalb das Festival lange einen Ruf als Kunstblut-Schau hatte. Aber nicht nur. Thriller, Science-Fiction oder eine Pseudo-Doku über die erste Mondlandung sind ebenso geplant. Scheuerer vermeidet deshalb Kategoriesierungen wie Horror-Filmfest. Er spricht lieber von "Kino extrem". Gemeinsamer Nenner sei, dass die Filme einfach Grenzen ausloten, Konventionen und Erzählstrukturen ignorieren. "Sie gehen an den Rand des Möglichen. Dafür muss nicht immer Blut fließen." Darf es aber natürlich gerne auch.

So wie in "Yoga Hosers". Scheuerer, der für das Festival rund 200 Streifen sichtete, war angetan von all den Absurditäten. Und wohl auch ein bisschen vom Namen des Regisseurs: Kevin Smith ist alles andere als ein Nischenkauz. Er hat zum Beispiel "Dogma" gedreht mit Ben Affleck und Matt Damon. Aber er pickt sich eben auch immer wieder kleine filmische Grenzgänger heraus. Um seine Freiheiten zu haben, sich austoben zu können - Freiheiten, wohlgemerkt, "die dann auch das Publikum hat", betont Scheuerer. Und das funktioniere nunmal am besten in Genre-Filmen wie diesem Horror-Trash. Mitunter entsteht dabei ja auch ganz Großes. Scheuerer nennt als Beispiel Hitchcocks "Psycho": kleines Budget und erst einmal entsetzte Kritiker - und am Ende ein Meilenstein.

Groß geworden


Welche Wegmarken die Filme des "Hard:Line" sind, ist freilich noch offen. Aber gerade Regisseur Mickey Keating, der mit gleich drei Werken vertreten ist, traut Scheuerer eine große Karriere zu. Ein anderer Höhepunkt soll der Eröffnungsfilm "Fear, Inc." sein, der seine Europapremiere feiert, wozu Regisseur und Drehbuchautor nach Regensburg kommen. Daneben haben Scheuerer und seine Mitstreiter - sie sind in einem Verein zusammengeschlossen - noch drei Deutschlandpremieren im Programm. Die Filme laufen allesamt in der Originalversion (meist Englisch), teils mit Untertiteln - Eintritt strikt ab 18.

Hervorgegangen ist das "Hard:Line" aus einer Filmreihe: Scheuerer und Co. zeigen einmal im Monat einen ihrer speziellen Filme im Kino im Andreasstadel. Und eben einmal im Jahr ihr Festival. Das wurde mit der Zeit so groß, dass sie sich für die diesjährige, vierte Auflage das Ostentor-Kino (160 Sitze) aussuchten. Mit 2500 Gästen rechnen sie insgesamt. Auf den Geschmack von Bratwurst und anderem extremen Filmstoff sind inzwischen eben eine Menge Leute gekommen.

Das Film-ProgrammDonnerstag, 22. September

Ostentor-Kino: 20 Uhr, Metahorrorkomödie "Fear, Inc." (Europapremiere); 22 Uhr, Thriller "Carnage Park"

Freitag, 23. September

Club Schimmerlos: 14 Uhr, Sci-Fi-Indie "Pod" ; 16 Uhr, Horrorfilm "They look like People" Ostentor-Kino: 18.30 Uhr, Horrorkomödie "Yoga Hosers" ; 20.30 Uhr Horrorfilm "Darling" (Deutschlandpremiere); 22.30 Uhr, Horrorfilm "Scare Campaign"

Samstag, 24. September

Ostentor-Kino: 14 Uhr, Splatterfilm "Litchi Hikari Club" ; 16 Uhr, Horror-Drama "The House on Pine Street" (Deutschlandpremiere); 18.30 Uhr, Horrorfilm "Sun Choke" (Deutschlandpremiere); 20.30 Uhr, Geisterfilm "Under the Shadow" ; 22.30 Uhr, Sci-Fi-Horror "The Mind's Eye"

Sonntag, 25. September

Ostentor-Kino, 20 Uhr: Fake-Doku "Operation Avalance"

Das Ostentor-Kino ist in Regensburg in der Adolf-Schmetzer-Straße 5, der Club Schimmerlos im St. Petersweg 15. Zudem gibt es ein Konzert- und Aftershow-Programm. Mehr dazu sowie zu den Filmen und zum Kartenvorverkauf im Internet. Restkarten an der Abendkasse. (fku)

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Weitere Informationen:

www.hardline-festival.de
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