Historiker Rudolf Reiser brockt Stadt Regensburg mit seinen Dürer-Thesen Schlamassel ein
Viel Lärm um nichts

Kultur
Regensburg
20.10.2016
80
0

Von Susanne Wolke

Regensburg. Eigentlich ist Klemens Unger der doppelt Gelackmeierte: Zuerst wird er in einer Broschüre des selbsternannten "Dürer-Experten" Rudolf Reiser auf polemische Weise beschimpft. Dann gilt er in seiner Funktion als Kulturreferent indirekt auch noch als verantwortlich für die ganze Misere. So zumindest sieht es zum Beispiel sein Vorgänger Prof. Egon Greipl.

Geheimes Treffen


Die Misere sieht folgendermaßen aus: Regensburg steht ziemlich blöd da. Und zwar deutschlandweit. Dass es dazu kam, dass ein pensionierter Journalist und Hobby-Kunstforscher im Historischen Museum zu Regensburg ungezügelte Scharlatanerie betreiben durfte, hängt wohl damit zusammen, dass die Sache irgendwann entglitten ist.

Dürer aufgestöbert


Fakt war: Rudolf Reiser, seines Zeichens Historiker mit einer offen zur Schau getragenen Verachtung gegenüber Kunsthistorikern, rief zum angeblich streng geheimen Treffen bezüglich einer Sensation. Grund: In den Tiefen des Museumsdepots glaubt Reiser einen echten Albrecht Dürer aufgestöbert zu haben. Die streng geheime Angelegenheit war offenbar durchgesickert.

Und letztendlich sah sich Reiser bei seinem Pressetreffen nicht der von ihm angeblich gewünschten intimen Runde gegenüber, sondern einem Großaufgebot hoffnungsvoller Presse aus einem großen Umkreis. Dass Reisers Thesen hinsichtlich des Renaissance-Gemäldes, das die Anbetung der Heiligen drei Könige zeigt, in keiner Weise tragbar sind, stellte sich dann aber schnell heraus. Allein schon dadurch, dass der Historiker das Hinzuziehen von Kunstexperten ausdrücklich verweigerte.

Vielleicht Raubkunst?


Das Albrecht-Dürer-Haus in Nürnberg hat Dürers Urheberschaft bei dem Werk mittlerweile ausgeschlossen. Ebenso die Kollegen der Bayerischen Staatsgemäldesammlung in München. Besonders pikant bei der Sache:

Das Gemälde gehörte ursprünglich der Kunstsammlung des ehemaligen Reichsmarschalls Hermann Göring an. Ob es sich um Raubkunst handelt, ist nicht geklärt. Uneinig ist man sich nun auch hinsichtlich der Schuldzuweisung. Dass Rudolf Reiser derart unvorteilhaft auftreten würde, habe niemand geahnt, heißt es vonseiten der Pressestelle der Stadt Regensburg. Grundsätzlich biete das Haus nämlich Interessierten die Möglichkeit, hier Forschungen zu betreiben.

Immerhin sei Rudolf Reiser Historiker, verteidigt man sich bei der Pressestelle. Und Thesen hinsichtlich Albrecht Dürers könne man durchaus öffentlich zur Diskussion stellen, ist man überzeugt. Was es mit dem Bild genau auf sich hat, wolle man nun selbst prüfen. Und zwar unter dem Hinzuziehen von Fachleuten.
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.