Hits im Rockmusikanten-Stadel
Rock meets Classic in Regensburg

Kultur
Regensburg
18.04.2016
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Headliner Joey Tempest (vorne links) war der Abräumer des Abends.

Wenn Rock auf Klassik trifft, kann es ein toller Abend werden. Diesmal war das nur streckenweise so, als namhafte Altstars in der Regensburger Donauarena ihre bisweilen schon sehr vergilbte Visitenkarte abgaben.

Die Klassik ist Klasse. Mit meist jungen Solisten des Prager Bohemian Symphonic Orchesters. Furios drei Stunden lang und verantwortlich für die wohl beste Nummer der Show: Das "Star Wars Theme." Die Abteilung "Rock" hat ihre besten Protagonisten in der Matt-Sinner-Band. Doch Sinner samt seinen unglaublich guten Leuten und die Symphoniker bilden eigentlich nur den Rahmen für die Prominenz, der die Ehre zukommt, sich großteils im fortgeschrittenen Alter einer mit 3500 Zuhörern gefüllten Halle zu präsentieren.

Wie im Musikantenstadel


"Rock meets Classic" geriet über Jahre hinweg zum Markenzeichen. Jetzt ist diese Veranstaltung über weite Strecken zu einem Rockmusikanten-Stadel geschrumpft. Mit den gleichen Vorzeichen wie beim Alpenpop-Alptraum: Kaum erklingt der erste Akkord, wird das Publikum animiert, aufzuspringen und rhythmisch zu klatschen. Manche schunkeln sogar. Wer auf seinem mitunter teuer bezahlten Stuhl sitzen bleibt, hat Pech gehabt.

Die Altrocker-Riege tritt in sehr unterschiedlicher Verfassung ans Mikrofon. Männer wie Andy Scott, der die Fahne von Sweet hoch hält und kaum auszuhaltenden Schrumm-Schrumm-Rock'n'-Roll wie "Ballroom Blizz" und "Fox on the Run" abliefert. Noch etwas schlimmer wird es mit Steve Walsh, ehedem Mastermind der Band Kansas, und seinem einstmaligen Ohrwurm "Dust in the Wind." Der feine Staub gerät zu einem alles zudeckenden Sandsturm. Dann kommt auch noch die Deutsch-Rockerin Doro Pesch und singt "Für immer." Nach vier Minuten ist es endlich vorbei.

Es gibt auch Höhepunkte


Die Achterbahn der Gefühle bringt auch Höhepunkte mit sich. Midge Ure von Ultravox ist solch ein Highlight. Der Mann ist nach wie vor gut drauf mit Stimme und Gitarre. "Dancing with Tears in my Eyes" gerät zu einem Moment, an dem auch solche aufstehen, die verneigend Beifall klatschen wollen. Dann Scott Gorham und Rick Warwick, die der Gruppe Thin Lizzy den Sound früherer Tage gaben. "Whisky in the Jar" bleibt ungespielt. Dafür aber ein wirklich exzellentes "The Boys are back in Town". Und man merkt: Die LP "Shades of a blue Orphanage" ist bis heute ein Stück Rockgeschichte. Bleiben wir bei den Höhepunkten. Joey Tempest, Frontmann der Band Europe, fegt wie ein Irrwisch über die Bühne, macht "Superstitious", "Carrie" und schließlich "The Final Countdown". In diesem Moment trifft Rock wirklich auf Klassik. Denn Orchester und Sänger werden zur Einheit.

Einer nimmt Abschied an diesem Abend. Der Mann heißt Dan McCafferty, hat mit der Band Nazareth zwei große Hits eingefahren. Er singt sie auf einem Stuhl sitzend. Erst "Dream on", das er stimmlich nicht mehr auf die Reihe bringt. Im zweiten Teil des Abends folgt "Love hurts" und damit genau genommen ein Song der Everly Brothers. Jetzt läuft der bald 70-jährige McCafferty noch einmal zu voller Form auf. Doch er sollte sich sagen lassen: Auch Legenden müssen nicht für ewig an der Rampe stehen. Es ist wirklich Zeit, zu gehen.

"Mixed Emotions"


Schlussakkord in Anwesenheit aller Protagonisten. Mit "Rock'n'Roll" von Led Zeppelin. Robert Plant und Jimmy Page hätten es nicht besser machen können. Doch wieder stören diese Dauerklatscher den Genuss. Womit ein Abend der, wie die Rolling Stones es nannten, "Mixed Emotions" sein Finale findet.
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