Installation von Thomas Lange und Mutsuo Hirano in St. Wolfgang Regensburg
Künstlerische Leckerbissen zur Fastenzeit

"Das Bett der Maria Magdalena" gehört zur Fasten-Installation in der Pfarrkirche St. Wolfgang. Bilder: wsu (2)
Kultur
Regensburg
15.02.2016
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Stadtpfarrer Alois Möstl, die Künstler Thomas Lange und Mutsuo Hirano und Museumsleiter Dr. Hermann Reidel (von links) vor dem verhüllten Kruzifix in der Stadtpfarrkirche St. Wolfgang in Regensburg.

Die Stadtpfarrei St. Wolfgang in Regensburg lädt jedes Jahr zu einer Fasten-Installation ein. Diesmal stammt das Projekt von den Künstlern Thomas Lange und Mutsuo Hirano. Im Mittelpunkt steht ein besonderes Tuch.

Eine Kirche ist kein Museum. So viel steht für Thomas Lange fest. "Hier muss man eingehen auf das, was passiert", das hat sich der Künstler verinnerlicht in den 20 Jahren, in denen er sich nun mit Kirchenräumen beschäftigt. Auch in Regensburg hält sich Thomas Lange an diesen Grundsatz.

Gemeinsam mit seinem langjährigen Mitstreiter Mutsuo Hirano bespielt er hier die Stadtpfarrkirche St. Wolfgang künstlerisch. Und das im wahrsten Sinne des Wortes. Der schlicht-moderne Innenraum der Kirche dient Lange und Hirano tatsächlich als eine Art Spielwiese. Die ruhende Maria Magdalena in einem Metallbett, die Kreuzwegstationen als fast-abstrakte Darstellungen, daneben Adaptionen traditioneller Altarfiguren in Form von Papierreliefs: Mit neuer Blickweise, doch dabei stets voller Respekt vor dem Glauben, loten die beiden Künstler die christliche Kunst neu aus.

Die Ehrfurcht steigt dabei mit zunehmender Nähe zum Altar. Dort verhüllt ein Fastentuch den gekreuzigten Christus. Ganz ohne Augenzwinkern greift hier eine zeitgenössische Arbeit christliche Glaubenstraditionen auf.

Lang gehegter Wunsch


Für den Stadtpfarrer von St. Wolfgang, Alois Möstl, ist gerade das Fastentuch ein voller Erfolg. Schon lange hegte der Prälat den Wunsch, das Kreuz in der Fastenzeit modern zu verhüllen. Dann nämlich, wenn der Priester traditionell Künstler zu einer Kunstinstallation in eine Kirche einlädt. Mittlerweile zum 12. Mal gibt es in St. Wolfgang die sogenannte Fasten-Installation.

Führungen und Beschriftungen der Werke sollen diese den Kirchenbesuchern näherbringen. Aber: Es geht nicht allein um die Kunst. "Dies ist nicht nur eine Installation wie im Museum", hält auch Dr. Hermann Reidel fest. "Es ist eine Installation in einer Kirche und für die Kirche. Für das Wort Gottes." Der Leiter der Diözesanmuseen Regensburg hat den Kontakt zu den beiden Künstlern vermittelt - und zwar über das Bistum Würzburg. Sowohl Thomas Lange aus Berlin als auch Mutsuo Hirano aus Japan gehören dort zum festen Bestandteil einer kunstsinnigen Kirchengestaltung.

Beide Künstler leben heute in Italien. In ihren Auslegungen des Kirchenraumes gehen sie behutsam und ästhetisch vor. Die puristischen, weißen Papierreliefs von Heiligen aus der Hand Mutsuo Hiranos etwa rahmen die gotischen Skulpturen der ehemaligen Seitenaltäre von St. Wolfgang. Sowohl in den Formen, wie etwa im genau nachgezeichneten Faltenwurf, als auch in der Wertigkeit des Lichtes greifen die auf den ersten Blick stark kontrastierenden Arbeiten des japanischen Künstlers das Gedankengut der Gotik auf.

Christliche Werte


Ähnliches gilt für das Fastentuch von Thomas Lange. Traditionell verhüllen Tücher während der Fastenzeit in christlichen Kirchen die Darstellungen Jesu, vornehmlich das Kruzifix. Lange berücksichtigt mit seinem transparenten Gaze-Tuch, das er in der liturgischen Trauerfarbe Violett unregelmäßig eingefärbt hat, christliche Werte und verleiht ihnen eine moderne optische Aufmachung. Für die Einbeziehung ins kirchliche Leben der Gemeinde eignen sich alle Arbeiten der Fasten-Installation. Ganz nach dem Grundsatz: Eine Kirche ist kein Museum.

Die Fasten-Installation ist bis zum 21. März in der Stadtpfarrkirche St. Wolfgang in Regensburg-Kumpfmühl, Bischof-Wittmann-Straße 24 a, zu sehen. Die Kirche ist außerhalb der Gottesdienste täglich von 8 bis 16.30 Uhr geöffnet.
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