„Iphigenie – Triumph und Trauma“ am Theater Regensburg
Griechische Antike trifft auf Reformoper

Kultur
Regensburg
25.04.2016
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Das ist mutig: Regisseur Matthias Reichwald verknüpft das Iphigenie-Werk von Euripides und Christoph Willibald Gluck aus dem 18. Jahrhundert in einem Stück. Das Experiment am Theater Regensburg ist weitgehend gelungen.

Von Stefan Rimek

Über 2000 Jahre Theatergeschichte liegen zwischen dem um 405 v. Chr. erstmals zu erlebenden Schauspiel "Iphigenie in Aulis" von Euripides und der 1779 uraufgeführten Oper "Iphigénie en Tauride" von Christoph Willibald Gluck, die auf Euripides' zweitem Iphigenie-Drama "Iphigenie bei den Taurern" basiert und damit die Fortsetzung des Aulis-Stoffs bildet. Das Theater Regensburg brachte nun beide Bühnenwerke unter dem Titel "Iphigenie - Triumph und Trauma" an einem Abend im Theater am Bismarckplatz auf die Bühne.

Es ist in der Tat ein mutiges Unterfangen, ein antikes griechisches Schauspiel mit einer sogenannten Reformoper aus dem späten 18. Jahrhundert zu verbinden. Regisseur Matthias Reichwald ließ sich einiges einfallen, um gleich mehrere Klammern für diese beiden Werke zu konstruieren, die darüber hinaus auch noch die Gegenwart mit ins Boot holen.

Neobarock mit E-Gitarre


Eine dieser Klammern ist die Musik, welche Reichwald auch in dem antiken Sprechtheater-Drama installiert. Das geschieht in Form von Auszügen aus Glucks Originalwerken oder durch extra von Michael Kessler komponierte Passagen. So wird bei Euripides der eigentlich gesprochene Prolog der Göttin Artemis - die hier übrigens als weitere Klammer zu Glucks Oper den römischen Namen Diana trägt - in einer neobarocken Version gesungen. Komponist Kessler begleitet selbst an der angezerrten E-Gitarre. Auch hat Reichwald Textfassungen für den Chor der jungen Frauen erstellt, die von Kessler mit moderner Rhythmik modernisiert worden sind. Man kann hier gar nicht alles nennen, was sich Kessler, Reichwald und Ausstatter Toto so alles einfallen ließen, um Verbindungen zwischen den beiden Werken zu schaffen. Sei es in Bezug auf die Regie, die Musik oder das Bühnenbild.

Insgesamt führt dieses durchaus interessante Experiment zu einer gewissen Musikalisierung von Euripides' Sprechdrama, die hier und da neue dramaturgische Aspekte ins Spiel bringt - an einigen Stellen das Stück aber auch mit musikalischen Einlagen überlädt. Das gilt zum Beispiel für einen Rap des Chores der jungen Frauen. Auch darf man sich die Frage stellen, ob hier die in beiden Einzelproduktionen auftauchenden, flüchtenden Boatpeople aus unserer Gegenwart nicht eine zu plakative Klammer sind, nur weil es in dem Iphigenie-Stoff um Kriege im Mittelmeerraum geht.

Insgesamt aber ist es Matthias Reichwald gut gelungen der Herausforderung gerecht zu werden, was einige fesselnde Regie-Einfälle, wie Agamemnons Familie im leicht hochgefahrenen Orchestergraben zu Beginn, der originelle Tanz der Totengeister bei Gluck oder die gut durchdachten Bewegungsabläufe unterstreichen. Auch so manches Bühnenbild von Toto erzeugt eine ergreifende Atmosphäre. Das Orchester unter der Leitung von Israel Gursky erfasst die Partitur in Glucks Oper mit Sinn für Spannungsbögen und Details und der Chor wurde von Alistair Lillay gut einstudiert.

Glänzende Akteure


Von den zahlreichen Bühnenakteuren glänzt am Premierenabend vor allem Schauspieler Michael Haake in seiner Ausdrucksstärke als Agamemnon und Achill. Aber auch Adine Pfrepper in der Titelrolle der Iphigenie oder Silke Heise als Klytämnestra und Menelaos tragen zum gelungenen Auftakt bei. Das gilt verstärkt auch für die Sopranistin Theodora Varga, die in beiden Teilen des Abends die Göttin Diana gibt, für die Sopranistin Theodora Varga als Iphigénie in der Oper und für die Sänger Matthias Wölbitsch als Oreste und Adam Kruzel als Thoas.
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