Irritierende Talente

In den Bildern von Bernhard Weiß sind menschliche Figuren zu fratzenhaften und grotesken Wesen verzerrt. Bild: Wolke
Kultur
Regensburg
01.04.2015
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Der Kunst- und Gewerbeverein widmet sich dem Nachwuchs. Und wartet in seiner aktuellen Schau mit ungewöhnlichen Objekten auf. Es riecht nach Heu. Das ist der einzige sinnliche Aspekt, den der Haufen abgemähten Grases verströmt.

Ansonsten richtet sich die Installation von Carl Klein eher an den Intellekt des Betrachters. Und der ist zunächst ratlos. Eine Kuh auf der Weide muss ein ähnliches Gefühl haben, wenn sie unverhofft einem modernen Kunstwerk gegenübersteht. Der Unterschied: Die Szenerie spielt sich in den Räumen des Kunst- und Gewerbevereins in Regensburg ab. Und dort irritiert der Heuhaufen ebenso wie die Kunst in der Provinz.

Dabei geht es Carl Klein gerade darum. "Kunst für die Landbevölkerung" ist das erklärte Anliegen des eigentlich unter dem Namen Olaf Klein geborenen Künstlers. Ob diese nun will oder nicht. Klein jedenfalls hat sich auf einem Bauernhof im Bayerischen Vorwald niedergelassen und feilt seitdem sowohl an seinem Alter Ego Carl Klein als auch an dessen selbst ernanntem Auftrag, die Kunst unters Landvolk zu bringen. Zu seinen Maßnahmen gehören unter anderem ein mit einer hübschen Dorfansicht verzierter Benzinkanister sowie ein geknickter Fahrzeugreifen, der einem Pferdehalfter gleich an der Wand hängt.

Beruhigt abwenden

Soll da jemand veräppelt werden? In seiner Performance, zu der all die erwähnten Stücke gehören, gibt sich Olaf alias Carl Klein unschuldig. "Ich war mir sicher, ich würde verstanden werden", schreibt er über ein fingiertes Symposium zum Thema "Agrarier". "Irgendwann dann halt nicht mehr", fügt er an. "Auch klar."

Dann halt nicht. Auch der Besucher des Kunst- und Gewerbevereins kann sich guten Gewissens von der ländlichen Persiflage ab- und anderen Ausstellungsstücken zuwenden. Schließlich sind es drei Künstler, die sich derzeit im Kunst- und Gewerbeverein der Öffentlichkeit stellen.

"Dreimal Junge Kunst", das traditionelle Ausstellungsformat des Kunst- und Gewerbevereins zur Förderung des Nachwuchses hat wieder geladen. Neben Carl Klein sind noch Florian Toperngpong und Bernhard Weiß vertreten. Auch Toperngpong zeigt eine Kunst, die weit entfernt ist von rein visuellen Inhalten. Er präsentiert im Kunst- und Gewerbeverein sein "Mills-Archiv".

Konkret handelt es sich dabei um eine Sammlung historischer Fotografien und Aufzeichnungen, die der Künstler collagenhaft zusammengesetzt hat. "Es soll dieser und künftigen Generationen helfen, Fragen zur Vorbestimmtheit unseres Handelns zu beantworten", lautet seine Erklärung. Der Künstler zeigt in der Ausstellung eine Auswahl anonymisierter Erinnerungsstücke.

"Heile Welt": Fast scheint es, als beziehe sich die Überschrift im Katalog von Bernhard Weiß auf die Technik des dritten Künstlers der Schau. Denn zumindest hier wird an die Traditionen der Kunstgeschichte angeknüpft. Bernhard Weiß malt. Wenn auch nicht unbedingt heile Welten. Die Darstellungen des gebürtigen Nabburgers haben nichts gemein mit der idyllischen Landschaft, die Klein einen Raum weiter auf Kunststoff gepinselt hat.

Zerrbilder des Gesellschaft

Menschliche Figuren mit maskenhaften Zügen und Fratzen sind das Hauptmotiv von Weiß. Grelle Farben bestimmen die von einer realistischen Darstellung abgewandten Körper. "Morbide Zerrbilder unserer Gesellschaft, deformierte makabere Gestalten", so beschreibt der Künstler selbst seine verstörenden Bilder.

Im Kunst- und Gewerbeverein gruppieren sich die groteskenhaften Bilder von Bernhard Weiß rings um den Heuhaufen von Carl Klein. So sorgt wenigstens dessen Heugeruch für einen Hauch von heiler Welt.

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Die Ausstellung "Dreimal Junge Kunst" läuft bis zum 12. April im Kunst- und Gewerbeverein Regensburg, Ludwigstraße 6. Öffnungszeiten sind Dienstag bis Sonntag von 12 bis 18 Uhr.
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