Jazzkantine geht auf Jubiläumstour mit Best-of-Album - Am 6. November im Jazzclub in Regensburg
Auch ohne Stecker großes Kino

Nach über 1000 Konzerten bricht die Jazzkantine zur großen Jubiläums-Tournee auf: "Das Beste aus 20 Jahren - ohne Stecker". Mit kleinem Besteck, akustisch, ganz nah zum Anfassen. In kleinen Clubs, wo mal alles angefangen hat - wie zum Beispiel den Jazzclub in Regensburg. Bild: Nina Stiller
Kultur
Regensburg
05.11.2014
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"Ursprünglich verfolgten wir den Gedanken, dass wir zu unserem 20-jährigen Bestehen ein klassisches Best of oder einen ebensolchen Live-Mitschnitt veröffentlichen", erzählt Jazzkantine-Bassist Christian Eitner. "Doch dann kam irgendwie die NDR-Bigband ins Spiel, und mit einem Mal bekam unser Jubiläum eine ganz andere, viel größere Dimension." So entstand im "Studio 1" des "Norddeutschen Rundfunks" im Sommer ein angenehm swingendes Album, bei dem 15 Jazzkantinen-Titel aus den bisherigen zehn Studio-Scheiben der Formation irgendwo zwischen Jazz, Funk, HipHop und Pop lässig aufgenommen wurden. Neben der Stamm-Band an Kantinen-Bord: Alte Weggefährten wie S.M.U.D.O., Xavier Naidoo oder Aleksey. Das Ganze ist entspannter Stoff, der jeder Party gute Laune verpasst.

Spontane Schnappsidee

Christian Eitner ist stolz auf "Ohne Stecker", so der passende Name des Werks, auf dem sich auch ohne Stecker großes Kino befindet. Noch einen Tic stolzer allerdings ist der 48-jährige Braunschweiger darauf, dass "zwei Kumpels von mir und ich diese spontane Schnapsidee namens Jazzkantine realisiert haben - und es dieses Projekt mit stetig wechselnden Mitstreitern nach zwei Jahrzehnten immer noch gibt", schwärmt der Bassist bis heute.

"Zur Zeit der Gründung war diese schräge Kombination aus Jazz, HipHop und deutschen Texten ein abenteuerliches Unternehmen, man konnte es sich leicht mit den Puristen beider musikalischer Lager verdorben. Das haben wir auch getan", feixt Eitner, "doch die Mehrzahl der Leute fand unser Zeug geil, das tun sie bis heute."

Darüber hinaus wundert sich der Niedersachse, "wie wahnsinnig schnell die Zeit vergeht! Aber durch diesen Projekt-Charakter - wir sind ja keine klassische Band, da jeder von uns noch anderweitig künstlerisch tätig ist - ging es bei uns immer irgendwie voran. Durch die permanente Fluktuation von Mitgliedern bekamen wir stetig frisches Blut verpasst. Wir haben immer frei experimentiert, uns wurde nie langweilig."

Gelegentlich ist es allerdings schwierig, einen musikalischen Konsens zu finden, wie Christian Eitner unumwunden zugibt. Immerhin sind aktuell elf "Kantine-Betreiber" dabei - "man kann sich vorstellen, dass bei uns gelegentlich heftig debattiert wird", stöhnt der Braunschweiger hörbar auf. "Doch letztlich siegt immer die Energie der Musik, wir raufen uns jedes Mal zusammen, lachen, klopfen uns auf die Schultern und freuen uns über ein neues Stück, wenn es in unseren Ohren fertig ist. Letztlich muss man sich Jazzkantine-Sessions wie große Klassentreffen vorstellen."

Wildes Konglomerat

Als ähnliche "Klassentreffen" - die Gruppe hat weit mehr als 1000 Auftritte in zwei Dekaden hinter sich - darf man sich Live-Konzerte des wilden Konglomerats vorstellen: "Gerade weil es unsere Jubiläums-Tournee ist im Herbst und Winter, haben wir uns für Gigs in kleinen Clubs entschieden", erklärt Eitner. "Die sind stets ausverkauft, durch die dampfig-schweißtreibende Atmosphäre entsteht ein eigener Swing. Das Spielen in überschaubar großen Kaschemmen wird ein Flashback werden, der uns zu den wüsten Anfangstage unserer Combo zurückführen wird."

Dass die Jazzkantine-Konzerte zur großen Sause mutieren werden, steht außer Frage: "Da herrscht von Beginn an eine immense Energie, die wir selbst nicht wirklich - und zum Glück - in den Griff bekommen", freut sich Eitner. "Zwar spielt Jazz eine entscheidende Rolle in unserem Sound, die meisten von uns sind ja ausgebildete Musiker. Aber wichtig ist, dass unser Jazz tanzbar ist. Der muss genügend Raum bieten für Rap, Soul, Gospel und Funk. Diese Musikstile passen besser zusammen, als man gemeinhin annehmen würde. Denn wer die Historie des Jazz kennt, weiß, dass dieser Sound ursprünglich reine Tanzmusik war, nicht kopflastig und gediegen. Diese Tradition haben wir aufgenommen und sie ins 21. Jahrhundert transportiert. Wir haben den Jazz entstaubt."

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Jazzkantine spielt am Donnerstag, 6. November (20 Uhr) im "Jazzclub" in Regensburg (im "Leeren Beutel"). Karten gibt es an der Abendkasse.

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Weitere Informationen im Internet:

http://www.jazzclub-regensburg.de/
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