Jens Poths Inszenierung von Joanna Murray-Smiths Schauspiel "Zorn" überzeugt am Theater ...
Gesellschaft der Egoisten

Patrick Harper (Gerhard Hermann) und Alice Harper (Franziska Sörensen) wollen von ihrem Sohn Joe (Benno Schulz, Mitte) wissen, warum er eine rechtsradikale Straftat begangen hat. Bild: Jochen Quast
Kultur
Regensburg
17.11.2015
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Es hat in diesen Tagen zweifelsohne eine besondere Brisanz eine Neuinszenierung eines Stücks auf die Bühne zu bringen, das sich mit der Radikalisierung von Personen befasst. So macht auch die Schauspieldirektorin Stephanie Junge in ihrer Rede auf der Premierenfeier deutlich, dass sich die Verantwortlichen des Theaters Regensburg aufgrund der aktuellen Ereignisse in Frankreich intensiv beraten haben, was mit der jetzigen Premiere geschehen soll. Schließlich wird entschieden, das Stück "Zorn" von Joanna Murray-Smith wie geplant am Samstagabend in der Inszenierung von Jens Poth über die Bühne des Theaters am Bismarckplatz gehen zu lassen.

Ursache von Radikalisierung

Diese Entscheidung ist richtig. Denn das im Jahre 2013 uraufgeführte Stück der australischen Autorin analysiert die Ursachen einer Radikalisierung von jungen Menschen auf eine objektive Weise, die keinesfalls der Pietät der Opfer von Paris entgegensteht. Interessant ist in diesem Zusammenhang auch die Art und Weise, wie Murray-Smith das Augenmerk auf die Vergangenheit und die Fehler der Erwachsenen aus dem Umfeld der jungen Menschen legt. "Wenn du Einfühlung willst, dann nimm dir einen Therapeuten - wir sind Pädagogen", erklärt der zynische Lehrer Warren dem jungen Joe Harper. Und das ist nur eine von vielen Situationen, in welchen eine von egoistischen Zielen und Macht geprägte Gesellschaft in sozialpädagogischer Hinsicht versagt.

Die Inszenierung von Jens Poth setzt die Intention des Stücks ausdrucksstark um. Die Ausstatterinnen Nora Johanna Gromer und Carola Volles schufen dazu das passende Ambiente. Interessant sind kleine Details, wie beispielsweise verschiedene Musikstile, welche die agierenden Figuren am Plattenspieler auflegen oder die wie die Nadel in der Endrille hängt als die eigene Radikalisierung von Joes Mutter in ihrer längst vergangenen Studienzeit aufgedeckt wird.

Figuren treffend besetzt

Auch der Umgang mit den Knautsch-Sesseln aus den siebziger Jahren und überhaupt sämtliche Bewegungsabläufe wirken gut durchdacht. Ein großes Kompliment muss man allen Bühnenakteuren machen. Jede Figur ist treffend besetzt und alle Schauspieler setzen die Charaktere ihrer Figuren ausdrucksstark um. Das gilt für Gunnar Blume als zynischen Lehrer Warren ebenso wie für Franziska Sörensen als Alice Harper, Gerhard Hermann als Patrick Harper, Benno Schulz als Joe Harper, Susanne Berckhemer als Annie, Frerk Brockmeyer als Bob und Adine Pfrepper in der Rolle der Rebecca.

Somit war der lang anhaltende und intensive Applaus im gut gefüllten Theater am Bismarckplatz in jeder Hinsicht gerechtfertigt.
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